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Der ATSV wird heuer 105 Jahre alt. Wie wird gefeiert?
Wir werden im Herbst eine kleine Festivität machen. Nicht groß, nicht übertrieben. Wir feiern eher alle zehn Jahre richtig groß. Heuer gehen wir das Jubiläum bewusst bescheiden an. Bei uns zählt Bodenständigkeit.
Wie kam es dazu, dass Sie vor 37 Jahren ATSV‑Präsident wurden?
Durch Zufall. Ich war damals im Vorstand, aber ohne besondere Funktion. Mein Vorgänger Ludwig Sternweiß hat sich offenbar überlegt, nicht mehr Präsident zu sein. Und eines Tages lese ich in der Zeitung: Der ATSV hat einen neuen Vizepräsidenten – mich. So habe ich es erfahren. Ich war dann ein oder zwei Jahre Vizepräsident, ehe ich das Amt des Präsidenten übernommen habe.
Ich war immer schon jemand, der Verantwortung übernimmt – nicht nur im ATSV, sondern auch bei den Naturfreunden oder im Pfarrgemeinderat. Ehrenamt ist für mich kein Zusatz, sondern Lebensstil.
Welche Highlights in der langjährigen ATSV-Geschichte gibt es?
Sportlich sicher das Cup‑Spiel gegen den LASK im Jahr 1975. Wir haben zuhause 4:3 verloren. Fast 2.000 Zuschauer waren auf den ATSV-Sportplatz gekommen, das war ein echtes Highlight.
Die größte Leistung der vergangenen 30 Jahre ist die Arbeit der Funktionäre. Dass der Verein finanziell bestehen kann, liegt an einer Vielzahl von Aktivitäten: Sommercamp, Wolfsberg‑Cup, Weinebene‑Cup, wir sind am Wolfsberger Adventmarkt mit einem Glühweinstand vertreten usw. Und das über Jahrzehnte mit Ehrenamt. Großartig. Ein großes Lob muss ich Obmann Otto Wegscheider aussprechen, der den Verein vor über 20 Jahren übernommen hat und seither stabil führt.
Und was waren die schönsten Momente Ihrer Präsidentschaft?
Wenn man so lange dabei ist, wird vieles zur Gewohnheit. Man nimmt Höhen und Tiefen als gegeben hin. Vielleicht ist es gar nicht richtig, so lange in einer Funktion zu bleiben – auch wenn sie ehrenamtlich ist.
Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass es aus dem politischen Umfeld mehr Leute gibt, die Interesse an so einer Aufgabe haben. Das ist heute geschwunden.
Was war die größte Herausforderung?
Das waren die Jahre 2005/06. Der Verein war im Umbruch, wirtschaftlich angespannt. Mit äußerster Disziplin und einem guten Businessplan haben wir es geschafft, den Verein innerhalb von fünf, sechs Jahren wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen – ohne die sportliche Qualität zu mindern.
Wie hat sich der ATSV verändert?
Gesellschaftlich bleibt der Auftrag wie zu Beginn: Junge Leute, die gerne Fußball spielen, sollen eine Möglichkeit, einen Platz haben, das auch zu tun. Sport und Leistung sind wichtig, aber soziale Interaktion steht an erster Stelle. Die Jugendarbeit ist das Fundament. Es war auch immer mein Wunsch und Bestreben, mit allen Vereinen ein gutes Einvernehmen zu haben. Es gibt ohnehin genügend Störfeuer aus allen Ecken. Aber da muss man drüber stehen. Es geht nicht um Befindlichkeiten Einzelner, sondern darum, für die Jugend die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen.
Was ist das Schöne an der Funktion des Präsidenten?
Das Schönste an einer Funktion im Sportbereich ist, dass junge Menschen, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen kommen, gemeinsam für etwas kämpfen und es eine Interaktion zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Schichten gibt. Mir war auch immer wichtig, dass sich die Leute entsprechend ihren Veranlagungen entwickeln und gleichberechtigt am Vereinsleben teilnehmen können.
Wie lange werden Sie das Amt noch ausüben?
Ich hätte mir schon vor Jahren gewünscht, dass es Leute aus dem politischen Umfeld gibt, die Interesse an dem Amt haben. Aber es hat sich niemand gefunden. Ich finde es grundsätzlich nicht gut, dass man übermäßig lange so eine Funktion ausübt, auch wenn sie ehrenamtlich und mit wenig Arbeit verbunden ist. Also werde ich weitermachen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Ich sag es einmal in Anlehnung an den Text eines Kärntner Lieds: Aber sicher nicht bis mich ausetrogn auf an hölzern Schrogn.
Welche Rolle spielt der ATSV heute im Fußballbereich im Lavanttal?
Sportlich sind wir ein Teil des Orchesters, nicht die erste Geige, aber wir versuchen, dass das Orchester stimmig ist. Kinder wollen Vorbilder haben, an denen sie sich orientieren. Das ist so im Sport, und das ist auch so im Fußball. Unser Schwerpunkt war und ist die Jugendarbeit. Wir sind seit Jahren ein Aushängeschild für die Jugendarbeit in Kärnten, und das muss auch in Zukunft so sein.
Wir sind aber ein Amateurverein. Unsere Einnahmen kommen aus drei Bereichen: Werbeeinnahmen, Veranstaltungen, Abos und Eintrittsgelder. Das Geld ist nur in begrenztem Ausmaß vorhanden. Unser Ziel muss sein, Kinder und Jugendliche zum Fußball zu bringen und dass Eltern mit ihren Kindern zu den Spielen unserer Kampfmannschaft kommen.
Wie schwer ist es für einen Verein finanziell zu überleben?
Sehr schwer. Man macht ein Jahresbudget, und wenn nur eine kleine Abweichung eintritt, wird es eng. Die Landesförderungen sind seit fast 30 Jahren unverändert. Das sollte man bei der Hochkultur machen, aber nicht beim Sport, wo Basisarbeit geleistet wird. Es braucht eine deutliche Anhebung der Basisförderung auf Landes‑ und Bundesebene.
Der ATSV ist in der jetzt beginnenden Saison zum dritten Mal in die Regionalliga aufgestiegen. Welche Ziele hat man sich dafür gesetzt?
In der Regionalliga zu überleben – das ist das Ziel. Jetzt müssen die Jungen die Chance haben, sich zu beweisen. Und wenn der Klassenerhalt gelingt, ist das etwas Großartiges.
Haben Sie selbst aktiv Fußball gespielt?
Ja, beim ATSV. Ich bin dort gelandet, weil der Platz fußläufig am schnellsten erreichbar war. Seinerzeit war es ja so, dass die, die im Süden von Wolfsberg gelebt haben, zum ATSV gegangen sind, die im Norden der Stadt zum WAC.
Ich spielte bis zum Alter von 20 Jahren, und wurde meist im Mittelfeld, manchmal auch in der Verteidigung eingesetzt. Aber ich habe bald meine Grenzen als Fußballer entdeckt und war auch schon politisch ein wenig tätig, daher habe ich meine Karriere früh beendet. Ich spielte dann noch in der einen oder anderen Mannschaft bei Hobbyturnieren mit.
Sie waren seit Ihrer Jugend in der Politik tätig, von 2011 bis 2020 Bürgermeister von Wolfsberg. Jetzt sind Sie in der Politik-Pension. Wie hat sich Ihr Alltag verändert?
Es war eine massive Zäsur. Ich war einer, der während seiner aktiven politischen Zeit von früh bis spät unterwegs war, Sitzungen, Besprechungen, Veranstaltungen uvm. Und dann war auf einmal Schluss damit. Die Corona-Pandemie hat mir aber sehr geholfen. Alle mussten ihr Leben umstellen und alles etwas ruhiger angehen. Ich konnte in Ruhe nach Beschäftigungsalternativen suchen.
Das eine oder andere habe ich schon gefunden. So habe ich zum Beispiel angefangen, Gitarre zu spielen. Aber ich bin noch immer am Suchen. Ich hoffe, ich finde in den nächsten 30 Jahren etwas Gescheites.
Wenn man so lange in der Politik war wie Sie, werden Sie auch weiterhin ein Beobachter der politischen Vorkommnisse sein. Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der derzeitigen Wolfsberger Stadtpolitik?
Ja, der aktuelle Stadt-und Gemeinderat macht es sehr gut. Es ist ein kultivierter Umgang, es gibt keine Verunglimpfungen. Alle bemühen sich um die Sache. Das ist sehr wichtig, vor allem in Zeiten, die sehr hart sind. Es gibt Konsens, es wird nicht beleidigend argumentiert, das passt schon.
Ein Thema das die Wolfsberger seit Jahrzehnten beschäftigt, ist der Verkehr am Hohen Platz. Was halten Sie von dem Versuch, beim Rathaus ein Abbiegeverbot einzuführen und auch die Einfahrt Richtung Allgäu zu verbieten?
Das ist ja nichts Neues. Wir wollten früher schon einmal ein solches Abbiegeverbot einführen, aber die Bezirkshauptmannschaft hat es damals abgelehnt. Damit war das für uns vom Tisch. Wir wollten dann mehrere beruhigte Phasen einführen, so zum Beispiel mit dem KuKuMa, damit weniger Verkehr über den Hohen Platz rollt. Diese Phasen sollten ausgeweitet werden, und ganz wichtig wäre es, endlich einmal Geschwindigkeitskontrollen einzuführen.
Außerdem sollte man sich Gedanken machen, wie man den Hohen Platz beschatten kann. Mit Bäumen wird es nicht gehen. Da sind mittlerweile so viele Leitungen und Rohre unter der Straße, dass man nirgendwo noch einen Baum pflanzen könnte.
Was sagen Sie zur Diskussion ums Ferienhaus am Klopeiner See?
Es gehört den Bediensteten. Sie haben Geld und Leistung hineingesteckt, um es zu errichten. Wenn man es für alle öffnet, stellen sich schon einige Fragen: Wer vergibt die Reservierungen, wer sorgt für Ordnung?
Haben Sie den Rückzug aus der Politik je bereut?
Man geht hinein in die Politik, und dann geht man wieder heraus. Wenn man älter wird und merkt, dass es einen Verschleiß gibt, sollte man aufhören. Es kommt irgendwann für jeden die Zeit. Ich habe auch immer die Jugend forciert und mir dadurch nicht immer Freunde in der eigenen Partei gemacht. Aber ich kann nicht die Jugend forcieren und dann selbst ewig im Amt bleiben. Man darf guten jungen Menschen den Weg nicht versperren und muss auch einmal den Platz räumen.
Stehen Sie Bürgermeister Alexander Radl beratend zur Seite?
Nein, ich bin kein Konsulent.

Von Michael Swersina
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