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Vor 35 Jahren trennte sich St. Georgen von St. Paul: Gemeinde zeigt eine beeindruckende EntwicklungAusgabe 38 | Mittwoch, 16. September 2026

Aus einer Volksbefragung im Jahr 1991 entstand ein Neubeginn: St. Georgen löste sich von St. Paul und nutzte die Eigenständigkeit für Investitionen in Wohnbau, Bildung, Freizeit und Wirtschaft. Heute gilt der Ort als lebendige Gemeinde mit klarer Zukunftsstrategie.

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St. Georgen. Vor 35 Jahren, in einer Zeit, in der Gemeindefusionen und Verwaltungsreformen in Österreich hitzig diskutiert wurden, traf St. Georgen eine große Entscheidung: Man löste sich von St. Paul und erlangte die kommunale Selbstständigkeit zurück.

Die Vorgeschichte reicht weiter zurück: St. Georgen war historisch bereits früher eine eigenständige Gemeinde, wurde im Jahr 1973 in St. Paul eingegliedert und verlor damit einen Teil seiner lokalen Entscheidungsgewalt. Die späten 1980er und frühen 1990er Jahre brachten eine Welle von Diskussionen über lokale Identität und Mitbestimmung. Viele Bewohner fühlten sich in der Großgemeinde St. Paul nicht ausreichend vertreten, und Anliegen aus dem Ort blieben oft in der Verwaltungsmaschinerie hängen. Bürgerinitiativen formierten sich, Debatten wurden in Gemeindesälen und Gasthäusern geführt, Petitionen gesammelt und politische Verhandlungen geführt.

Nach einer Volksbefragung im Jahr 1990 erlangte St. Georgen schließlich mit 1. Jänner 1991 seine Selbstständigkeit zurück. Am 12. April 1991 wurde Karl Markut zum ersten Bürgermeister der neuen Gemeinde gewählt. Und seither konnte er sich als Gemeindeoberhaupt behaupten.

Mit der Rückgemeindung begann für St. Georgen ein neues Kapitel. Die Gemeinde nutzte die Selbstständigkeit, um gezielt in Wohnbau und Infrastruktur zu investieren. Ein Ziel war es, St. Georgen als attraktiven Wohn- und Lebensraum weiterzuentwickeln. Mitte der 1990er Jahre folgte eine Phase, die das Ortsbild dauerhaft verändern sollte. Die Wasserschiene sicherte die Versorgung, ein neuer Kindergarten entstand, ebenso Kultursaal, Biomasseheizwerk und das Rüsthaus der Feuerwehr. Mit dem neuen Gemeindeamt und dem Dorfplatz erhielt St. Georgen ein Zentrum, das Identität stiftete. Parallel dazu wurde die Kanalisationsanlage massiv ausgebaut.

Die Anerkennung ließ nicht lange auf sich warten: 1996 wurde St. Georgen gemeinsam mit St. Paul mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet. »Viele heute selbstverständliche Einrichtungen sind in diesen 35 Jahren entstanden: das Gemeindeamt mit Dorfplatz, der Kindergarten, die beiden modernen Kindertagesstätten, Musikschule und sanierte Volksschule, Wohnanlagen und neue Siedlungsgebiete, Sport- und Freizeiteinrichtungen, eine leistungsfähige Wasser- und Abwasserinfrastruktur sowie neue touristische Angebote auf der Brandlalm«, blickt Bürgermeister Markut zurück.

Familienfreundlich 

Ein Schülerhort, eine neue Musikschule, die Sanierung der Volksschule, betreubare Wohnanlagen und schließlich der Neubau der KITA am Sport- und Freizeitzentrum – all diese Projekte zeigen, wie konsequent die Gemeinde auf Familienfreundlichkeit setzte.

Auch die Bereitstellung von Bauland blieb ein zentraler Faktor. Nach Projekten wie »Am Waldrain« und der Römerstraße wird derzeit das Modell »Hartelwald« vorbereitet – zwölf neue Parzellen für junge Familien, die in St. Georgen ihre Zukunft aufbauen wollen.

Das Sport- und Freizeitzentrum entwickelte sich zu einem lebendigen Treffpunkt. Eisplatz, Volleyballfeld, Skaterbereich, Wassererlebnis und die große Neugestaltung 2021 machten das Areal zum Herzstück des Gemeindelebens. Das traditionsreiche Apfelfest, das erstmals 1996 abgehalten wurde, übersiedelte 2023 ins Sport- und Freizeitzentrum. 

Parallel dazu entstand ab 2019 auf der Brandlalm ein touristischer Schwerpunkt: Es wurde eine Aussichtsplattform errichtet, 2020 entstand ein Chalet-Dorf, und seit 2024 gibt es mit der Harpfnstub’n ein weiteres Angebot, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus strahlt. Wanderwege, Laufmeile und Lebensbaumpfad ergänzen das Bild einer Region, die Erholung und Natur bewusst in Szene setzt.

Wirtschaft wächst

1992 konnte die Arztpraxis Dr. Kolenik eröffnet werden, die heute sein Sohn Christof erfolgreich weiterführt. Auch lokale Unternehmen wie die Baufirma Ellersdorfer, BM Haus, das im Ortsteil Matschenbloch eine Firmenhalle samt Büroräumlichkeiten errichtet hat, leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wirtschaft und Entwicklung. 

Neben kommunalen Projekten haben auch private Investitionen wesentlich zur positiven Entwicklung von St. Georgen beigetragen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die neue Tierarztpraxis an der Ortseinfahrt von St. Georgen. 

Gleichzeitig investierte die Gemeinde in unsichtbare, aber essenzielle Infrastruktur: moderne Wasserversorgung, digitaler Leitungskataster, Wirtschaftshof, Feuerwehrfahrzeuge. Auch die Energiewende ist in St. Georgen sichtbar. Biomasseheizwerk, Photovoltaik und der Windpark auf der Steinberger Alpe, der 2023 als erster Kärntner Windpark eröffnet wurde.

Herausforderungen

Die Covid-19-Pandemie und die schweren Unwetterschäden 2023 stellten die Gemeinde vor große Herausforderungen. Doch gerade in diesen Momenten zeigte sich, wie wertvoll funktionierende In-
frastruktur und ein starker Zusammenhalt sind.

»Wenn man heute zurückblickt, sieht man, wie viel sich in diesen 35 Jahren verändert hat. Vieles, was heute selbstverständlich ist, musste Schritt für Schritt aufgebaut und geschaffen werden. Entscheidend war dabei immer das gemeinsame Ziel, St. Georgen als lebenswerte, familienfreundliche und eigenständige Gemeinde weiterzuentwickeln. Mein besonderer Dank gilt allen Gemeinderäten, und Mitarbeitern, Vereinen, Feuerwehren, Unternehmen und vor allem der Bevölkerung, die diesen Weg über viele Jahre mitgetragen haben«, so Bürgermeister Karl Markut.

Nur ein Bürgermeister

Seit der Wiedererlangung der Eigenständigkeit im Jahr 1991 hat die Gemeinde St. Georgen eine politische Besonderheit: Sie wurde seither durchgehend von nur einem einzigen Bürgermeister regiert: Karl Markut (Team St. Georgen/vormals SPÖ) übernahm im Jänner 1991 zunächst die Funktion des Regierungskommissärs, um die Trennung von St. Paul administrativ vorzubereiten. Am 12. April 1991 wurde er offiziell zum ersten Bürgermeister der neu formierten Gemeinde gewählt. 

Seither lenkt Markut ununterbrochen die Geschicke der kleinen Lavanttaler Gemeinde. Vor der Phase der Eingemeindung in St. Paul  (1973–1991) war zuletzt Rudolf Pucher von 1954 bis 1972 als Bürgermeister der Gemeinde St. Georgen tätig. 

Nach vielen Jahren der Kontinuität kam es 2026 in der Gemeindeverwaltung zu einem Generationenwechsel. Der langjährige Amtsleiter Gerhard Loibnegger trat mit März 2026 seinen wohlverdienten Ruhestand an. Er hatte die Entwicklung der Gemeinde über Jahrzehnte begleitet und die Gemeindeverwaltung maßgeblich mitgeprägt. Seine Nachfolge als Amtsleiterin übernahm Sabine Fuchs, die bereits zuvor als Finanzverwalterin tätig war und somit mit den vielfältigen Aufgaben und Projekten der Gemeinde bestens vertraut ist.

Der Weg zur Gemeinde

1850: Erste Gründung als Ortsgemeinden Steinberg, Herzogberg und Paierdorf, die 1865 zur Gemeinde St. Georgen zusammengelegt wurden.

1. Jänner 1973: Eingemeindung nach St. Paul im Zuge der Kärntner Gemeindestrukturreform.

1990/1991: Nach einer Volksbefragung und einer gesetzlichen Änderung erlangte der Ort am 1. Jänner 1991 seine Selbstständigkeit zurück. 

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