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Gackern-Mitgründer Anton Meyer: »Das Gackern ist ein Impulsgeber für das gesamte Lavanttal«Ausgabe 32 | Mittwoch, 5. August 2026

Anton Meyer (71), Obmann-Stellvertreter des Vereins »St. Andräer Geflügelfest«, spricht im Interview über den Beginn des Gackerns, die Herausforderungen und die Vision, ein Fest zu schaffen, das Menschen, Musik und Genuss vereint. Heuer gibt es die 25. Auflage.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Links: Karl Feichtinger, Hermine Wech und Anton Meyer (v. l.) beim ersten »St. Andräer Geflügelfest« auf der Loretowiese in St. Andrä im Jahr 2000. Aus diesem Fest entstand im Jahr darauf das Gackern. Rechts: Wie die Zeit vergeht: Anton Meyer (l.) und Karl Feichtinger beim Einmarsch zu den Highlander-Spielen im Jahr 2023. Gackern

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Sie sind seit Jahrzehnten eine prägende Figur in St. Andrä. Wie kam es eigentlich zur Idee, ein Geflügelfest zu starten?  
Als ich im Jahr 2000 Obmann der Werbegemeinschaft in St. Andrä wurde, war mir klar: Wir brauchen ein Highlight, etwas, das St. Andrä belebt und den vielen Geflügelbauern in der Region Wertschätzung gibt. Ich bin damals zu Hermine Wech (Anm.: Eigentümerin des Unternehmens Wech)  gefahren – sie war immer offen für Neues – und habe die Idee eines großen Fests angesprochen. Dann haben wir uns mit Wech-Geschäftsführer Karl Feichtinger, Vertretern der Gemeinde und den Wirten zusammengesetzt. Feichtinger sagte gleich: »Wenn wir’s machen, dann richtig groß.« Also holten wir uns als Berater Reinhard Eberharter dazu. So entstand das Fest, das wir zunächst nur »St. Andräer Geflügelfest« nannten. Aber viele Besucher sagten von Anfang an »Gackern«. Und so haben wir dann auch diesen  Namen übernommen, den heute jeder kennt: »Gackern«.

Wie lief das erste Fest im Jahr 2000 ab?  
Wir hatten sieben Wirte, und es war geplant, dass nur an den zwei Wochenenden alle Festzelte geöffnet haben, unter der Woche sollte lediglich ein Stand geöffnet sein. Doch dann kamen so viele Besucher, dass wir die ganze Woche durchkochen mussten. Das hat uns alle überrascht. Das Musikprogramm unter der Woche war klein – ein Duo, ein Alleinunterhalter. Niemand rechnete mit diesem Ansturm bei der ersten Auflage.

Was waren in den Anfangsjahren die größten Herausforderungen?  
Ganz klar: das Wetter. Und die In-frastruktur für ein Fest dieser Größenordnung zu errichten. Abflüsse, Toilettenanlagen, alles musste für tausende Menschen funktionieren. Wir haben ein eigenes Aufbauteam, angeführt von Martin Schlatte, die Wirte bauen ihre Bereiche selbst auf. Das hat von Anfang an sehr gut funktioniert.

Viele sagten, das Gackern sei damals ein gewagtes Experiment gewesen. Warum haben Sie es trotzdem durchgezogen?  
Weil ich daran geglaubt habe, dass St. Andrä mehr kann. Natürlich wurden wir belächelt – ein so großes, langes Fest? Aber wir wollten es anders machen als die üblichen Wiesenmärkte. Freier Eintritt, keine Flaschen- oder Gläserpfänder, ein Kinder-Strohplatz. Jeder sollte kommen können, ohne dass das Geldbörserl leidet. Diese Offenheit hat uns stark gemacht.

Wie hat sich das Gackern über 25 Jahre verändert?  
Es ist wetterfester geworden, professioneller, musikalisch hochwertiger. Heute haben wir rund 60 Geflügelgerichte, ein durchgehendes Programm und heuer – im Jubiläumsjahr – absolute Top-Bands bei freiem Eintritt: »Meilenstein«, »Die Edlseer«, »Die Lauser«, »Börnstn‘s Roadhouse Club«, »Oberkrainer Power«. Dazu gibt es eine Schlagerparade und das beliebte »Slip & Slide« der Landjugend. Besonders wichtig ist mir der »Trachtentag« mit Festzug, Trachtenweihe und Modenschau.

Wir haben auch zwei große Nachmittage für die ältere Generation: den Tag der älteren Generation und die Generationenwallfahrt des Pensionistenverbands Österreich. Da kommen jeweils rund 1.000 Gäste. Und seit 16 Jahren gibt es die Highlander-Wettkämpfe.

Was waren für Sie prägende Momente in der Gackern-Geschichte?
Ein prägender Moment war das erste Konzert der »Mooskirchner« im Jahr 2010. Wir haben völlig unterschätzt, wie viele Menschen kommen würden – das Fest ist aus allen Nähten geplatzt. Es war wohl auch das Konzert mit den meisten Besuchern.

Wie finanziert man ein Fest dieser Größe?  
Das ist nur durch unsere vielen Sponsoren und die Standgebühren möglich. Unser Budget liegt bei rund 300.000 Euro, die für die Infrastruktur, Bands usw. verwendet werden. 

Gibt es irgendwelche Vorgaben für die teilnehmenden Wirte?
Die sind gering. Es darf nur Geflügelfleisch von der Firma Wech verwendet werden. Auch dürfen keine alkoholischen Mixgetränke ausgeschenkt werden und um 24 Uhr ist Schluss mit der Ausgabe von Getränken, um ein Uhr ist Sperrstunde. 

Die Corona-Pandemie hat auch Veranstaltungen, Gastronomie und das Konsumverhalten der Menschen hart getroffen. Wie war es beim Gackern?  
Wir mussten zwei Mal das Gackern auf der Loretowiese absagen, aufgrund der rechtlichen Vorgaben. Wir sind aber zum »Gackern beim Wirt« ausgewichen, damit das Gackern nicht in Vergessenheit gerät. 2022 ging es dann ohnehin wieder ohne Einschränkungen los und es ging weiter wie eh und je. Die Pandemie hat beim Gackern keine Spuren hinterlassen.

Welche Bedeutung hat das Gackern heute für das Lavanttal?  
Es ist ein Impulsgeber für das gesamte Tal. Alle Zimmer sind belegt, über 250 Menschen arbeiten während der Woche direkt oder indirekt fürs Fest. 

Mit der Koralmbahn erwarten wir nun auch viele Gäste aus Graz und Klagenfurt. Wir werden versuchen, Kooperationen mit den ÖBB einzugehen. Eine Möglichkeit gibt es ja bereits: Mit dem ÖBB-Shuttle, das man direkt beim Fahrkartenkauf buchen kann, hat man einen bequemen Transfer vom Bahnhof St. Paul zum Gackern-Gelände. 

Mein Wunsch wäre, dass während der Gackern-Woche noch mehr regionale Angebote entstehen: Wandertouren, Radtouren, vielleicht eine Floßfahrt auf der Drau. Das Lavanttal hat mehr touristisches Potenzial, als derzeit genutzt wird.

Wie haben sich die Besucherzahlen über die Jahre entwickelt?  
Sie sind erstaunlich konstant: rund 70.000 Gäste kommen pro Jahr zum Gackern. Wir sind aber auch mit den Preisen immer moderat geblieben. So bleibt auch heuer der Bierpreis gleich: 5,50 Euro für ein großes Bier.

Was ist heuer neu beim Jubiläumsgackern?
Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut: Es wird ein Riesenrad geben, das eine wunderschöne Aussicht über das Gackern-Gelände bietet, es gibt ein Feuerwerk, wir haben erstmals auch die neue Wech-Hirter-Stube, dazu kommen Top-Musik und ein Festakt. Es soll ein Gackern werden, das man nicht vergisst.

Wie groß ist das Team hinter den Kulissen?  
Das Organisationsteam besteht aus vier Personen. Die Organisation liegt bei Karl Feichtinger als Obmann des Vereins, mir als Obmann-Stellvertreter und den Wirten Stefan Reichel von »Poltl‘s Gwölb« und Wolfgang Tripolt vom Gasthof Sieber. 

Sie sind seit Anfang an beim Gackern in einer Führungsfunktion dabei. Wie lange werden Sie das noch machen?
Solange ich gesund bin und es mir Freude macht, helfe ich natürlich weiterhin mit. Wenn sich jemand Neues meldet, bin ich aber natürlich bereit dazu, meine Funktion abzugeben.

Nachhaltigkeit spielt heute eine große Rolle. Was sieht das beim Gackern aus?
Wir arbeiten ausschließlich mit Tierwohl-Produkten, setzen auf regionale Zulieferer und kurze Wege. Und wir achten darauf, dass das Fest für alle leistbar bleibt.

Sie sind als Organisator jeden Tag beim Gackern dabei. Haben Sie auch Zeit, Momente privat zu genießen? 
Ja, ich kann das Fest durchaus auch privat genießen. Alles ist perfekt organisiert, und da kann ich mir schon auch einmal einen entspannten Tag beim Gackern machen.

Haben Sie ein Lieblingsgericht?  
Ich habe kein bestimmtes Lieblingsgericht. Für mich zählt die Vielfalt. Jeden Tag etwas anderes zu genießen ist wichtig. Es werden viele Gerichte angeboten, die man zuhause ja nicht selbst kocht. Das genieße ich.

Wo sehen Sie das Gackern in zehn oder 25 Jahren?
Wenn wir es schaffen, alles stabil zu halten, dann soll das Gackern einfach das bleiben, was es ist: ein Fest, das funktioniert. Wir müssen nicht größer werden. Wenn es in zehn Jahren genauso gut läuft wie heute, bin ich zufrieden.

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