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Rabensteiner und Verdnik: »Wasserversorgung ist gesichert – trotz Rückgängen von bis zu 50 ProzentAusgabe 35 | Mittwoch, 26. August 2026

Dieter Rabensteiner (55), Geschäftsführer des Wasserverbands Verbundschiene Lavanttal, und Michael Verdnik (46), Abteilungsleiter Infrastruktur der Stadtwerke Wolfsberg, über die Auswirkungen der Trockenperioden und wie die Wasserversorgung abgesichert wird.

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Viele wissen gar nicht genau, was der Wasserverband Verbundschiene Lavanttal ist. Wie würden Sie diesen beschreiben?  
Dieter Rabensteiner: Die Verbundschiene ist ein Gemeindeverband, das heißt, ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zur Erfüllung einer Aufgabe. In diesem Fall der Gemeinden Wolfsberg, St. Andrä, St. Paul und St. Georgen mit der Aufgabe, für diese vier Gemeinden eine zusätzliche Versorgung mit Trink‑, Nutz‑ und Löschwasser zu betreiben. Der Verband wurde 1993 gegründet, bewirtschaftet heute zwölf Quellen und unterhält ein eigenes Transportnetz, das sich über rund 40 Kilometer erstreckt. Seit 2019 hat der Verband keine eigenen Mitarbeiter mehr, sondern wird im Rahmen einer Dienstleistungsvereinbarung von den Wolfsberger Stadtwerke GmbH, deren Mitarbeiter ich bin, operativ betreut. Das umfasst neben der Geschäftsführung auch das Rechnungswesen und die technische Betreuung durch die Wassermeister der Stadtwerke.

Woher kommt das Wasser?  
Rabensteiner: Neun unserer Quellen liegen am Brandl in St. Georgen, drei weitere in Kienberg bei St. Andrä. Von dort führen wir das Wasser über den Talboden und eine Transportleitung von St. Paul bis nach Wolfsberg. Insgesamt schütten die Quellen jährlich rund 500.000 Kubikmeter Wasser. Die Gemeinden nutzen zwischen 70.000 und 150.000 Kubikmeter – hauptsächlich zur Spitzenabdeckung oder als Notversorgung.

Wie finanziert sich der Verband? 
Rabensteiner: Vom Verband wird kein Wasser direkt an Haushalte oder Betriebe geliefert, das heißt, es gibt keine Gebühreneinnahmen. Der Verband ist eine zusätzliche Versorgung für die Mitgliedsgemeinden, die für den Wasserbezug einen internen Verrechnungspreis zahlen. Dieser Preis orientiert sich an etwa der Hälfte der kommunalen Wassergebühren. Für den Aufwand, der über diese Direkteinnahmen hinausgeht, zahlen die Gemeinden einen Beitrag entsprechend der Mitgliedsanteile, die sich nach dem Gesamtwasserverbrauch in den einzelnen Gemeinden richten: So trägt Wolfsberg 67 Prozent, St. Andrä 22, St. Paul sieben und St. Georgen vier Prozent.

Wie funktioniert die Wasserentnahme? 
Rabensteiner: Wir haben - wie bei den Stadtwerken – mittlerweile auch im Wasserverband ein modernes elektronisches Leitsystem, das jederzeit die zu Verfügung stehenden Wassermengen und Füllstände der Hochbehälter darstellt. In dieses System haben auch die Wassermeister der Mitgliedsgemeinden Einblick. Die Entnahme erfolgt in enger Abstimmung zwischen den Wassermeistern der Gemeinden und dem Wassermeister der Stadtwerke, der auch die Verbundschiene mitbetreut. Das hat die Zusammenarbeit effizienter und ausfallsicherer gemacht.

Wie stark spüren Sie die Trockenperioden der vergangenen Jahre?  
Rabensteiner: Sehr. Es ist leider genau das eingetreten, was Studien schon vor Jahren prognostiziert haben. Der Wasserverband hat mehrere Wasserhaushaltsstudien für das Lavanttal durchgeführt bzw. initiiert – die erste 2002. Schon damals war klar: Trockenperioden werden häufiger und länger, Quellschüttungen gehen zurück. Heute sehen wir das in der Realität.

Wie wirkt sich die aktuelle Trockenperiode konkret aus?
Rabensteiner: Wir merken es deutlich: Zurzeit wird nahezu das gesamte Kontingent, das wir liefern können, genutzt. Regulieren müssen wir noch nicht, vor allem da Wolfsberg derzeit nur wenig aus der Schiene benötigt. Trotzdem sehen wir momentan im Vergleich zu den Maximalwerten der vergangenen fünf Jahre Rückgänge von bis zu 50 Prozent bei unseren Quellen.

Michael Verdnik: Derzeit ist trotz Trockenperiode die Versorgung Wolfsbergs gesichert. Hier können wir auf die durch die AROX-Anlage – die das natürlich vorkommende Arsen entfernt – nutzbar gemachten Wasservorkommen zugreifen. Der Verbrauch liegt im langjährigen Durchschnitt und kann durch gezieltes Wassermanagement abgedeckt werden.

Was haben Sie aus früheren Trockenphasen gelernt?
Rabensteiner: Man muss langfristig denken. Reinvestitionen dürfen nicht erst beginnen, wenn eine Leitung kaputt ist. Wasserprojekte haben Vorlaufzeiten von drei bis fünf Jahren für Planung, Aufstellung der Finanzierung sowie Wasserrechts- und Vergabeverfahren. Erst dann folgt die Umsetzung. Weiters ist Kooperation entscheidend. Die gemeinsame Betriebsführung liefert Daten, die uns helfen, rechtzeitig zu reagieren.

Trockenperioden sollen künftig häufiger und länger werden. Wie bereiten Sie sich darauf vor? 
Rabensteiner: Neben laufenden Instandhaltungen, um jeglichen Verlust durch undichte Leitungen oder defekte Armaturen auszuschließen, beschäftigt sich der Verband schon seit 25 Jahren mit der Erkundung und Sicherung neuer Ressourcen. Aus den 2002 vorgestellten Studien wurden zwei Projekte weiterverfolgt: Die Nutzung von Wasser aus dem Stollen des Kraftwerks Soboth wurde – auch nach neuerlicher Prüfung 2022 – aus hydrologischen und technischen Gründen verworfen. Die Erschließung von Quellen im Bereich Arling‑Kötsch wurde von der Wolfsberger Stadtwerke GmbH ab 2005 umgesetzt. Aktuell beobachten wir mögliche neue Quellen im Bereich der Koralpe. Und gemeinsam mit dem Land Kärnten arbeiten wir an Untersuchungen, wie Grundwasser aus dem Bezirk Völkermarkt ins Lavanttal transportiert werden könnte. Eine dazu bereits vorliegende Studie aus dem Jahr 2019 wird gerade aktualisiert, um den zukünftigen Bedarf und mögliche Ressourcen neu zu bewerten. 

Verdnik: Bereits mit der Erschließung des Gewinnungsgebiets Arling-Kötsch wurde auf rückläufige Schüttungen in den frühen 2000er Jahren reagiert. Konsequentes Erneuern von Leitungssträngen mit Verbesserungen der Netzhydraulik dient der Verteilung der Trinkwasserressourcen im Versorgungsgebiet Wolfsberg. Derzeit untersuchen die Wolfsberger Stadtwerke in Zusammenarbeit mit der JR AquaConSol, einer Tochter des Joanneum Research, die Verweildauer des Trinkwassers in den Wasserspeichern der Gewinnungsgebiete Kor- und Saualpe. In Kombination mit der Analyse von Dargebot und Trinkwasserbedarf können unter Berücksichtigung von Wettermodelldaten Prognosemodelle des Dargebotes erstellt und mit dem tatsächlichen Bedarf abgeglichen werden. Hier wird laufend in die Weiterentwicklung eines an den Bedarf angepassten Wassermanagements investiert.

Was sind die größten Herausforderungen bei der  Erschließung neuer Quellen?  
Rabensteiner: Die Geologie im Lavanttal. Wir brauchen sehr viele Quellen, um auf ein entsprechendes Kontingent zu kommen. In Wolfsberg und im mittleren Lavanttal gibt es zudem keine nennenswerten Grundwasserreservoirs. Probebohrungen in Mosern bei St. Andrä, die der Verband vor rund acht Jahren durchgeführt hat, brachten leider keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Langfristig wird eine Anbindung an Grundwasserressourcen im Jauntal unumgänglich sein. Wir achten darauf, dass bei Infrastrukturprojekten – etwa dem geplanten Radweg entlang der alten Jauntalbahn oder beim Neubau der Eisenbahnbrücke über die Drau – Vorkehrungen für eine etwaige zukünftige Verlegung von Wasserleitungen mitberücksichtigt werden. 

Was kostet der laufende Betrieb der Wasserverbundschiene?
Rabensteiner: Rund 100.000 Euro pro Jahr fließen in den technischen Betrieb und in die Instandhaltung: Dazu gehören Pflege der Quellen und Schutzgebiete, Reinigung der Hochbehälter, Betrieb der Software, notwendige Reparaturen und Wartungen bei Bauwerken, Armaturen und Hydranten, sowie die laufende Inspektion der Transportleitung. Zusätzlich investieren wir 10.000 bis 20.000 Euro jährlich in Studien, Planungen und Beobachtung neuer Ressourcen. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.

Kommen wir zu Wolfsberg. Wie viele Quellen gibt es und wie groß ist das Leitungsnetz?
Verdnik: Wir beliefern Wolfsberg mit aktuell bis zu 430.000 Litern Trinkwasser pro Stunde. Dazu fördern wir pro Jahr rund 2,5 Milliarden Liter Trinkwasser aus unseren 81 Quellen und vier Tiefbrunnen. Zur Speicherung stehen uns dafür Speicherbauwerke – Hochbehälter – mit einem Fassungsvermögen von rund 5,5 Millionen Liter Trinkwasser zur Verfügung. Die Länge unseres Versorgungsnetzes beträgt rund 430 Kilometer. 

Wie sehen die Stadtwerke die vielen privaten Pools, welche Auswirkungen haben sie auf die Versorgung?
Verdnik: Die Befüllung privater Pools ist grundsätzlich Teil des Wasserbedarfs, den wir als öffentlicher Wasserversorger berücksichtigen. Entscheidend ist für uns, dass größere Wasserentnahmen in Abstimmung mit den Wolfsberger Stadtwerken erfolgen. Dadurch können Befüllungen zeitlich koordiniert und Belastungsspitzen im Versorgungsnetz möglichst vermieden werden.

Solange die Versorgungssicherheit gewährleistet ist, sehen wir bei abgestimmten Poolbefüllungen grundsätzlich keinen Anlass für Einschränkungen. Gleichzeitig appellieren wir an alle Kunden, mit der Ressource Trinkwasser verantwortungsvoll und bewusst umzugehen.

Was haben die Wolfsberger Stadtwerke in den vergangenen Jahren in die Wasserversorgungsanlage investiert und was ist zukünftig geplant?
Verdnik: Die in den vergangenen Jahren abgeschlossenen Projekte haben schwerpunktmäßig auf die Erneuerung von Leitungsstruktur und Speicherbauwerke abgezielt. Dazu werden jährliche Aufwendungen in der Höhe von rund vier Millionen Euro getätigt. Derzeit arbeiten wir an der Fertigstellung der Koralmableitung mit zwei Trinkwasserkraftwerken. Kommende Projekte widmen sich der Erweiterung der AROX-Anlage, um zusätzlich zehn Liter pro Sekunde Dargebot nutzbar zu machen. Das Leitungsnetz wird laufend versorgungssicher gehalten.

Wie hoch ist der Anschlussgrad in Wolfsberg an das öffentliche Wassernetz und wie schaut es mit Bauern und Siedlungen aus, die nicht an das öffentliche Netzt angebunden sind? 
Verdnik: Die Wolfsberger Stadtwerke versorgen rund 7.500 Haushalte, weiters Industrie, Gewerbebetriebe, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen sowie Sportstätten. Wir versorgen rund 85 Prozent der in Wolfsberg lebenden Menschen mit Trinkwasser. 
Die nicht an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossenen Siedlungsbereiche sowie dezentral im ländlichen Raum gelegene landwirtschaftliche Betriebe sind auf die Trinkwassereigenversorgung angewiesen. Teilweise bilden sich private Wassergenossenschaften. Bei notwendigen Nutzwasserlieferungen unterstützt hier die Feuerwehr, die dazu Trinkwasser aus dem Netz der Stadtwerke entnimmt und beispielsweise zu betroffenen Gehöften transportiert. Wichtig ist hier anzumerken, dass das über die Feuerwehr transportierte Wasser aufgrund hygienischer Parameter dann kein Trinkwasser, sondern lediglich Nutzwasser darstellt. 

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