Johann Janker von Ecowind: »Ich gehe davon aus, dass wir den Windpark Bärofen bauen werden« Ausgabe 20 | Mittwoch, 19. Mai 2021

Johann Janker (57), Gründer des Unternehmens Ecowind, das im Bezirk Wolfsberg Windkraftprojekte umsetzt, spricht über den aktuellen Stand bei den Vorhaben im Lavanttal, weitere Pläne im Tal und was nach Ende der Lebensdauer mit Windrädern geschieht.

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Können Sie das Unternehmen Ecowind kurz vorstellen?
Ich habe 1995 das Unternehmen Ecowind gegründet. Ich hatte zu dieser Zeit in Kilb in Niederösterreich einen landwirtschaftlichen Betrieb, den ich mit Energie aus einer Windkraftanlage versorgen wollte. Ich habe damals die fünfte Windkraftanlage Österreichs gebaut. Mit einer Leistung von 250 kW, einer Turmhöhe von 40 Metern und einem Rotordurchmesser von 33 Metern war es zu dieser Zeit  die größte Anlage Österreichs.  Daraus ist in weiterer Folge die Firma Ecowind entstanden.  Ich habe also sehr viel Erfahrung mit Windenergie, ich gehöre zu den Urgesteinen und Pionieren in Sachen Windenergie.

»Sollten Anlagen nach 25 Jahren nicht weitergeführt werden, werden sie abgebaut«
Johann Janker, Gründer Ecowind

Was bietet Ecowind an?
Wir beschäftigen uns mit Großwindanlagen und auch mit Photovoltaik-Freiflächen-Anlagen. Wir machen die Anlagen von Grund weg, also schlüsselfertig. Von der Grundstückssuche – wo passen die Rahmenbedingungen wie Zufahrt oder Ableitungen? –, machen danach das gesamte Genehmigungsverfahren und bauen sowohl die Windkraft- als auch Photovoltaikanlagen selbst als Generalunternehmer.

Es wird bei Windkraft immer wieder kritisiert, dass es starke Schwankungen gibt. Wo liegen die Vorteile der Windkraft?
Windkraft ist eine Energiequelle, die erneuerbar ist, und man muss den Rohstoff nicht kaufen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Solarenergie. Die Energie kann dezentral erzeugt werden, also vor Ort, wo sie auch tatsächlich gebraucht wird. Sie muss nicht in großen Kraftwerken erzeugt und danach mittels Stromleitungen über große Distanzen transportiert werden.
Wie viele Windkraftanlagen betreiben Sie mittlerweile in Österreich?
Wir sind nicht nur in Österreich, sondern auch ein bisschen am Balkan tätig. Wir haben in Ungarn und Kroatien gebaut. Wir haben 86 Anlage seit 1995 errichtet, die wir alle selbst gebaut haben.  

Sie sind auch bei Windkraftprojekten im Lavanttal beteiligt. Wie viele Anlagen sind im Bezirk Wolfsberg geplant?
Im Lavanttal gibt es mehrere Möglichkeiten. Jetzt haben wir die UVP-Genehmigung für den Windpark Bärofen bekommen. Dort können wir 65 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Es werden acht Windräder mit einer Leistung von insgesamt 27 Megawatt aufgestellt, das ist Energie für ca. 18.500 Haushalte. Also rund ein Fünftel der Haushalte im Bezirk Wolfsberg können vom Windpark Bärofen mit Strom versorgt werden.

Im Lavanttal gibt es Widerstand gegen Windparks auf den Bergen. Auch der Windpark Bärofen hat viele Gegner, es wurden bereits zahlreiche Einwendungen angekündigt. Wie realistisch ist es, dass der Windpark seinen Betrieb aufnehmen wird?
Das UVP-Verfahren ist ein sehr großes Verfahren, bei dem über 30 Materienrechte bearbeitet wurden. Von Sachverständigen wurde alles vorbereitet, geprüft, es gab viele Untersuchungen und Besuche vor Ort. In diesem Verfahren hatten auch Leute, die nicht so positiv über erneuerbare Energie denken, die Möglichkeit, zu Wort zu kommen. Und das passiert jetzt gerade. Es gibt einen UVP-Bescheid, in dem alle Materienrechte positiv beurteilt wurden. Wir haben intensiv mit der Behörde zusammengearbeitet, und ich bin sehr zuversichtlich, dass der Windpark gebaut wird. Ich kann mir nicht vorstellen, wenn jetzt Einwendungen kommen sollten, dass die UVP-Behörde ihre Entscheidung revidiert. Es wird ein bisschen dauern, bis die Einwendungen abgearbeitet werden, aber dass wir den Windpark bauen, davon gehe ich aus.

Was sagen Sie zu diesem Gegenwind, der Ihnen am Bärofen entgegenbläst. Können Sie das verstehen?
Aus meiner Sicht ist das eine ganz normale Reaktion, die auch positiv ist. Natürlich sehen wir die Landschaft: Es werden Windräder gebaut, und dass sich die Bevölkerung damit beschäftigt, verstehe ich. Die Erfahrung von anderen Windparks hat gezeigt, dass, wenn der Windpark steht und die Bevölkerung das Ergebnis sieht, vieles, was im Vorfeld verbreitet wurde, nicht stimmt. Wenn man sieht, dass es nicht laut ist, dass keine Vögel sterben, kommt die Akzeptanz für erneuerbare Energie zurück. Anfänglich lässt man Vorsicht walten und sagt einmal nein. Das ist typisch für den Österreicher. Der einzige Nachteil bei erneuerbarer Energie ist, dass man die Anlagen sieht. Aber es gibt keinen Rauch und keinen Schmutz, es wird nichts verbraucht.

Die Lebensdauer von Windkraftanlagen liegt bei 25 Jahren. Was passiert nach dieser Zeit?
Sollten Anlagen nach 25 Jahren nicht weitergeführt werden, dann werden sie abgebaut und der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Es gibt dann dort wieder Alm und Wiesen, wie vorher.

Wird nach diesen 25 Jahren immer zurückgebaut oder kommen neue Windräder – vielleicht auch neue Technologien – zum Einsatz?
Der Bescheid ist für dieses Vorhaben ausgestellt, das wir jetzt umsetzen. Die Grundeigentümer erhalten vor Baubeginn Bankgarantien, damit gesichert ist, dass nach 25 Jahren Geld vorhanden ist, um die Windräder wieder abzubauen. Wenn man danach den Standort weiter nutzen und eventuelle neue Technologien einsetzen will, dann gibt es ein neuerliches UVP-Verfahren.

Wie steht es um den Windpark Steinberger Alpe?
Wir haben zu bauen begonnen, wir sind voll im Baufortschritt. Nächstes Jahr werden die Anlagen errichtet. Wir haben rechtsgültige Bescheide, und jetzt wurde ein Verfahren zurück an den Landesgerichtshof verwiesen. Es wird eine neuerliche Untersuchung gemacht, von jenen Sachverständigen, die sie bereits beim letzten Mal durchgeführt haben. Aus meiner Sicht ist es reiner Rechtsformalismus, der nichts mit Naturschutz zu tun hat. Und das wird nun durchjudiziert und hat nichts mit der Gültigkeit der Bescheide zu tun. Wir bauen weiter.

Diskussionen über Windparks werden oftmals sehr emotional geführt. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Gegnern? Wurden Sie schon persönlich angegriffen oder beleidigt?
Ja, hin und wieder, aber das ist eine ganz normale Reaktion. Ich sehe das aber nie als persönlichen Angriff. Ich mache ja etwas Gutes,  ich mache erneuerbare Energie, ich schaffe Arbeitsplätze, ich schaue, dass die Energieziele in Österreich erreicht werden, dass die Region mit sauberer Energie versorgt wird. Ich mache ja nichts Schlechtes, daher brauche ich auch kein schlechtes Gewissen zu haben. Das manche Menschen emotionaler werden als andere, damit habe ich kein Problem.

Bei Windkraft im Lavanttal spricht man immer über die Koralm, warum nie über die Saualm?
Weil auf der Saualm das Naturschutzgebiet wesentlich höherrangig ist. Dort ist es eigentlich ausgeschlossen, eine Anlage zu bauen. Die Koralm eignet sich sehr gut. Und bei der Koralm kommt noch dazu, dass auf der steirischen Seite schon Windräder stehen, die man von Kärnten aus ohnehin sieht. Außerdem ist die Koralm windtechnisch herausragend für Windkraftanlagen geeignet.

Sie errichten auch Agri-Photovolatik-Anlagen. Wie ist dabei der Stand in Österreich?
Die Agri-Photovoltaik beginnt in Österreich gerade. Wir arbeiten derzeit an der ersten Testanlage in der Steiermark für eine Apfelplantage. Anstelle der Netze über den Bäumen kommt eine PV-Anlage. Agri-PV ist im Kommen, derzeit gibt es aber noch die Problematik mit der Flächenwidmung. Es ist noch nicht ganz klar, was genutzt werden darf und wie es mit den Widmungen aussehen wird. An den rechtlichen Rahmenbedingungen wird gerade gearbeitet. Auch bei Hühnerbetrieben ist es gefragt, mit der PV-Anlage kann Schatten für die Hühner gespendet werden. Es wird sicher ein sinnvoller zukünftiger Weg werden.

Sind im Lavanttal Agri-PV-Anlagen angedacht?
Jetzt müssen wir schauen, wie es mit der Testanlage läuft. Sollte alles passen, kann ich mir schon Projekte in Kärnten und dem Lavanttal vorstellen. Im Lavanttal gibt es interessante Ideen, und Kärnten ist ja das Sonnenland, es würde sich für Photovoltaik sehr gut eignen.

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