Siegi Hoffmann: »Langsam stoßen wir mit dem St. Pauler Kultursommer an unsere Grenzen«Ausgabe 21 | Mittwoch, 26. Mai 2021

Siegi Hoffmann (65), der künstlerische Leiter des St. Pauler Kultursommers (KUSO), im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über das größte Musikfestival im Unterkärntner Raum, die Neuerungen in diesem Jahr und die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Siegi Hoffmann als Dirigent beim großen Chorprojekt »Musica Sacra« 2011 in der Stiftskirche, wo er jung und alt begeistern konnte. Rechts: Hoffmann mit seiner Frau Renate, die ihm schon seit über 40 Jahren bei all seinen Tätigkeiten mit Rat und Tat zur Seite steht. Fotos: Privat/KK

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Am vergangenen Wochenende fand die Eröffnung des St. Pauler Kultursommers statt. Wie ist diese verlaufen?
Wir haben damit die kulturelle Fastenzeit durch unsere feierliche Eröffnung am Pfingstwochenende beendet. Der Zustrom hat es gezeigt, die Menschen lechzen nach Kultur, und dementsprechend groß war auch der Zuspruch. Wir hatten erstmals eine Hybrid-Eröffnung. Dass heißt, gemeinsam mit dem 41. St. Pauler Kultursommer 2.0 ist auch die diesjährige Ausstellung im Museum eröffnet worden. Neu war, dass wir mit Arnold Mettnitzer einen Festredner eingeladen hatten, musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von Edgar Unterkirchner und der Bläsergruppe der Alt-Lavanttaler Trachtenkapelle St. Paul. Der Zustrom an Kulturinteressierenden war sehr groß, so ist auch Landeshauptmann Peter Kaiser gekommen, der offiziell den St. Pauler Kultursommer eröffnet hat.

Im Vorjahr ist der Kultursommer der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Um so eine Veranstaltung durchzuführen, braucht es eine bestimmte Vorlaufzeit. Sie haben in diesem Jahr bereits sehr früh gesagt, dass der St. Pauler Kultursommer heuer stattfindet. Wieso sind Sie ein solches Risiko eingegangen?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nachdem es im Vorjahr eine Totalabsage gab – es wurde ja nur ein »Konzert der Möglichkeiten« im Sommer durchgeführt, woran es sehr viel Interesse gab – haben wir im »Verein der Freunde des St. Pauler Kultursommers« gesagt, wir müssen in diesem Jahr unbedingt etwas machen. Unser Vorteil war, dass wir den Großteil der im Vorjahr abgesagten Konzerte auf heuer verschieben konnten. Das war schon eine Garantie, dass wir, was die Künstler anbelangt, nicht zittern müssen. Wir haben den Konzertreigen aus dem Vorjahr zum Großteil übernommen.

Aufgrund der Covid-Maßnahmen gibt es viele Vorgaben. Wie gehen Sie damit um?
Wir mussten ein Präventionskonzept erstellen und in den vergangenen Wochen waren wir wirklich im Stressmodus. Wir benötigen zwei Kassen, die Besucher müssen bezüglich der 3G-Regel (genesen, geimpft, getestet) überprüft werden, die Gäste müssen zu ihren Sitzplätzen gebracht werden. Wir brauchen für eine Veranstaltung rund 20 Helfer. Es wird immer darüber berichtet, dass 50 Prozent der verfügbaren Plätze benutzt werden dürfen. Da war für uns klar, dass es eine einfache Rechnung ist. Die Stiftskirche bietet 500 Sitzplätze, also dachten wir, es können 250 Besucher zu den Veranstaltungen in der Kirche zugelassen werden. Dem war nicht so: Eine Kirche hat keine fixen Sitzplätze und da gilt die Zwei-Meter-Regel. Nach zahlreichen Telefonaten bekamen wir die Antwort, in der Stiftskirche stehen uns 150 Plätze zur Verfügung. Dann alles wieder neu umzusetzen, war eine sehr große Herausforderung.

Mit diesen Besucherbeschränkungen – geht sich die Veranstaltung finanziell noch aus?
Wir haben Gott sei Dank ein wahnsinnig treues Publikum. Wir haben heuer wiederum 120 Einzelabos verkaufen können, wir haben zwölf Sponsoren und 22 Förderer und die drei Subventionsgeber, das Land Kärnten, die Gemeinde St. Paul und die Raiba St. Paul. Da haben wir einen gewissen finanziellen Polster, der reicht aber nicht. Wir sind schon auch auf die Konzertbesucher angewiesen. Wo es großen Zuspruch gibt, bieten wir heuer an, dass das Konzert zwei Mal stattfinden. Einmal um 18 Uhr und einmal um 20.15 Uhr. Damit haben wir die gleiche Kapazität wie sonst. Damit kommen wir ganz gut über die Runden.

Wie viele Veranstaltungen stehen heuer  auf dem Programm?
Abgesehen von der Eröffnung, die am vergangenen Wochenende stattgefunden hat, und der ersten traditionellen Festmesse am Pfingstsonntag, haben wir noch 17 Veranstaltungen im Programm, davon 13 Konzerte. Dann sind noch zwei Festmessen dabei, und dazu gibt es noch die KUSO-Extras, die wir vor zwei Jahren mit großem Erfolg aus der Taufe gehoben haben.

Was sind diese KUSO-Extras?
Es gibt drei Extras. Eines heißt zum Beispiel KUSO-Einkehr. Das ist eine Kooperation mit der Sonusiade im Museum Liaunig. Man bucht ein Ticket über zwei Tage. Am ersten Tag gibt es eine Führung über die Mostbarkeiten, eine kulinarische Verkostung, und am Abend gibt es dann ein Konzert  in der Stiftskirche. Am nächsten Tag beginnt es mit einer Einführung im Museum Liaunig, danach findet ein Konzert mit der weltberühmten Sopranistin Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz am Klavier statt. Anschließend gibt es noch indoor und outdoor eine Museumsführung.

Was sind die Highlights des diesjährigen Kultursommers?
Ein Highlight wird sicher das KUSO-Extra auf Reisen sein. Dabei geht es nach der Festmesse nach Lavamünd und von dort mittels einer Floßfahrt mit Kulinarik und Musik nach Dravograd. Dort findet ein Begegnungskonzert mit dem bekannten Duo [:klak:] und einem slowenischen Duo statt. Zurück nach Lavamünd geht es mit einem »Literaturfloß«, auf dem es Texte über die Drau und die Grenze zu hören gibt.

Seit wann sind Sie künstlerisches Leiter des Kultursommers?
Ich arbeite seit 25 Jahren beim Kultursommer mit. Ich war seinerzeit noch Chorleiter und in ganz Österreich als Musiklehrer und Koordinator unterwegs. Ich habe in dieser Zeit meine Erfahrung bei den Organisatoren des Kultursommers eingebracht. 2018 musste nach dem Tod von Gerhard Suette, dem langjährigen Organisator, alles neu aufgestellt werden. Die Führung wurde aufgeteilt  in eine künstlerische Leitung, die ich übernommen habe, und eine administrative Leitung, die Christoph Warzilek inne hat. Nachdem der St. Pauler Kultursommer schon solche Dimensionen angenommen hat, stoßen wir mit der Freiwilligkeit aber langsam an unsere Grenze.

Sie sagen selbst, es ist sehr viel Arbeit mit der künstlerischen Leitung verbunden. Warum tut man sich das an?
Ich bin mittlerweile seit zwei Jahren im wohlverdienten Ruhestand und habe dadurch schon die entsprechende Zeit. Ich kann mein Netzwerk nutzen, und Kultur und Musik waren seit meiner Geburt immer eine Herausforderung. Früher in meiner aktiven Zeit als Sänger und Chorleiter, jetzt eben als künstlerischer Leiter, als der ich mich einbringen kann. Ich mache das wirklich sehr gerne, zum Wohle der Musik, der Kultur und der Menschen, die hier leben.

Wie lange möchten Sie diese Tätigkeit noch ausüben?
So lange es die Gesundheit zulässt, werde ich diese Funktion auf alle Fälle ausüben. Ich denke aber auch, dass, wenn es mit dem Kultursommer so weiter läuft, wir ihn noch weiter professionalisieren müssen. Wir haben derzeit an die 25 ehrenamtliche Mitarbeiter, stoßen aber langsam an unsere Grenzen. Gerade in Zeiten von Corona, mit all den Auflagen, ist es ein ungeheurer Aufwand.

Ein großer Teil des St. Pauler Kultursommers ist Hochkultur. Ansonsten fristet Hochkultur im Lavanttal eher ein Schattendasein. Woran liegt das?
Das Angebot ist in St. Paul seit 40 Jahren da. Es war aber nicht so breit gefächert wie jetzt. Der Kultursommer hat sich immer als Nahversorger im Bereich der Kultur gesehen. Ich unterscheide nicht zwischen Hoch- und Volkskultur. Für mich gibt es eine Kultur, und die kann gut oder schlecht sein. Wir hoffen, dass durch unser Angebot das Interesse an Kultur in der gesamten Region steigt. Mittlerweile darf ich behaupten, dass sich der St. Pauler Kultursommer als größtes und bedeutendste Musikfestival in Unterkärnten etabliert hat.

Es heißt immer, eine Krise bringt auch Chancen. Welche Chancen bringt die Corona-Krise dem St. Pauler Kultursommer?
Wir müssen in Zukunft einfache neue Medien nutzen. Es ist einfacher, eine Mail zu verschicken als zu telefonieren, wir möchten auch die Idee eines Newsletters aufgreifen.

// Zur Person
Siegi Hoffmann ist 65 Jahre alt, mit Renate verheiratet, hat zwei Töchter, Anna und Eva, und zwei Enkelkinder. Er wurde in Bach bei Neuhaus geboren. Über 40 Jahre war Hoffmann Chorleiter des »Heimatklang Bach«, Pädagoge an der NMS Lavamünd und bis zur Pensionierung acht Jahre Musikkoordinator für Pflichtschulen des Landes Kärnten. Seit 2018 ist er künstlerischer Leiter des
St. Pauler Kultursommers.

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