LK-Präsident Siegfried Huber: »Das Lavanttal ist der produktionsstärkste Bezirk Kärntens«Ausgabe 41 | Mittwoch, 13. Oktober 2021

Siegfried Huber (51) ist seit Juni Präsident der Landwirtschaftskammer Kärnten. Mit den Unterkärntner Nachrichten spricht er darüber, wie man das Bewusstsein für regionales Einkaufen stärken kann, die Wolfproblematik und die CO₂-Befreiung für Agrardiesel.

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Kam für Sie die Bestellung zum Präsidenten der Landwirtschaftskammer Kärnten überraschend?
Ja, absolut. Hans Mößler (Anm.: der frühere Präsident der LK) ist zu mir auf den Hof gekommen und hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich habe zwei Tage Zeit gehabt, um nachzudenken und mit der Familie zu reden. Mir war klar, wenn ich das angehe, dann nur, wenn meine Frau und meine Kinder dahinter stehen.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Landwirtschaft ausgewirkt?
Generell wurde der Trend zur Regionalität noch stärker, und das gilt es jetzt zu nutzen. Unsere Wifo-Studie zeigt: ein Prozent mehr heimische Lebensmittel bedeuten 3,8 Millionen Euro mehr Wertschöpfung für die Landwirtschaft. Deshalb müssen wir den Anteil heimischer Lebensmittel auf allen Ebenen ausbauen. Der Lockdown hat aber auch zu mehr Freizeitaktivitäten geführt. Leider ist vielen Menschen dabei nicht bewusst, dass die Wälder und Felder unsere Produktionsgrundlage sind. Hier braucht es mehr Respekt und ein neues Bewusstsein, dass es Regeln gibt, wenn man auf fremden Grund und Boden zu Gast ist.

Wie wichtig ist die Befreiung von der CO-Steuer bei Agrardiesel?
Ganz, ganz wichtig. Ich bin sehr froh, dass das kommt. Derzeit – und in naher Zukunft – wird es keine Alternative zum Dieseltraktor geben. Eine CO₂-Steuer ohne Rückerstattung wäre ein enormer Wettbewerbsnachteil. Die Regierung hat ein offenes Ohr für unser Anliegen gehabt.

Ein Problem in vielen Regionen ist der Wolf. Soll er zum Abschuss freigegeben werden?
Ja. Der Wolf hat in Kärnten keinen Platz. Herdenschutzmaßnahmen sind unpraktikabel, teuer und den Bauern nicht zumutbar. Im Tiergarten Schönbrunn werden die Wölfe mit einem drei Meter hohen Maschendrahtzaun mit Übersprungschutz am Ausbrechen gehindert. Auf den Almen sind die selbst ernannten Wolfsexperten der Meinung, ein Zaun mit drei Drähten und einer Höhe von 1,20 Meter kann einen Wolf am Einbrechen hindern? Bei allem Respekt, das ist doch lächerlich.  

Es wird immer wieder mehr Regionalität gefordert. Wie kann man die Kunden dazu bringen, regionale Produkte einzukaufen?
Ich glaube, das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten ist hoch, aber es geht noch mehr. Deshalb will ich die Öffentlichkeitsarbeit in der LK massiv ausbauen, damit wir noch viel besser als bisher die vielfältigen Leistungen der Bäuerinnen und Bauern für die Gesellschaft kommunizieren können. Die Menschen sollen sehen, wie viele Vorteile sie haben, wenn sie zu heimischen Produkte greifen. So wird aus mehr Wertschätzung jene zusätzliche Wertschöpfung, die wir für die Betriebe so dringend brauchen. Daneben braucht es unbedingt eine verbesserte Herkunftskennzeichnung – im Supermarkt, in den Kantinen, in der Gastronomie. Ansonsten konkurrieren wir mit den Billig-Importen aus Übersee. Das geht sich für die heimischen Bauern nicht aus. 

Das führt uns zum Freihandelsabkommen der EU mit Südamerika. Wie sieht denn die CO-Bilanz aus, wenn ich Fleisch aus Österreich kaufe?
Das Mercosur-Abkommen würde wie ein Brandbeschleuniger auf die Abholzung der Regenwälder wirken. Das wiederum wirkt sich auf den CO₂-Rucksack der Produkte aus. Pro Kilo Rindfleisch werden in Brasilien 80 Kilo Kohlendioxid emittiert, in Österreich sind es nur 14 Kilo. Es ist ein Abkommen auf dem Rücken der Bauern und des Klimas. Es darf nicht kommen, und ich bin froh, dass die Bundesregierung das Abkommen ganz klar ablehnt.

Wie stehen Sie zum Gesetzesentwurf für das Wettbewerbs- und Nahversorgungsgesetz von Ministerin Elisabeth Köstinger?
Die Konzentration des Lebensmittelhandels ist enorm. Drei Ketten teilen sich den Markt auf und können ihre Macht voll ausspielen. Das Gesetz stellt unlautere Handelspraktiken unter strenge Strafen. Das ist absolut zu befürworten und schafft die Basis für mehr Fairness und Wertschöpfung für die Bauern. 

Zahlreiche Landwirte stellen immer mehr Selbstbedienungshütten auf. Nun hat auch Billa diese Idee aufgegriffen. Was sagen Sie dazu und wie will man sich gegen Billa behaupten?
Der Handel verdient so schon genug und soll die Finger von dieser bäuerlichen Nische lassen. Wir appellieren an die Bürgermeister, den Bauern den Vorzug zu geben. Jede Gemeinde, die Bedarf hat, soll sich bei uns melden.  

Langjährigen Statistiken ist zu entnehmen, dass der Bezirk Wolfsberg über einen längeren Zeitraum betrachtet mit Abstand jener Bezirk in Kärnten ist, in dem am kräftigsten investiert wird. Warum ist das so und in welche Bereiche wurde investiert?
Der Bezirk Wolfsberg ist der produktionsstärkste Bezirk im Land, vor allem auch, was die Tierhaltung betrifft. 2.300 bäuerliche Betriebe, das sind 13 Prozent aller Betriebe in Kärnten, stehen für 25 Prozent des Schweinebestands, 17 Prozent der Rinder und 59 Prozent der Hühnerhaltung. Investiert wurde in der Vergangenheit vor allem in tierfreundliche Stallbauten. Hervorzuheben ist im Lavanttal der hohe Anteil an Biomastgeflügelställen. 

Wie stehen Sie zur Gentechnik in der Landwirtschaft?
Kärnten hat ein strenges Gentechnik-Vorsorgegesetz und es gibt keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Kärnten. Das ist gut so und soll so bleiben. 

Wie stehen Sie zu dem Thema Windkraftanlagen auf den Lavanttaler Bergen?
Ich sehe die strategischen Energie-Ressourcen für Kärnten eher in den Bereichen Holz, Wasser und vor allem Sonne.

Was tut die Kammer speziell für die Lavanttaler Bauern? Gibt es ein regionales Programm?
Wir passen unser Beratungs- und Bildungsprogramm auf Bezirksebene den Produktionssparten an, um nah an den Bedürfnissen der Bauern zu sein. Die Kammer ist im Lavanttal stark aufgestellt: mit der Außenstelle in Wolfsberg, dem Obst- und Weinbauzentrum in St. Andrä und den aktiven Bildungsreferentinnen und Bildungsreferenten in allen Gemeinden. Das wird auch in Zukunft so bleiben.  

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