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Reichenfels. Wenn Lorenz Steinkellner am Freitag aus dem Internat nach Hause kommt, gibt es für ihn meist nur einen Weg: hinaus in die Natur und aufs Motorrad. Dort findet der 18-Jährige den Ausgleich zum Schulalltag und zu den Herausforderungen des Leistungssports. Geboren in Judenburg und aufgewachsen in Reichenfels, wurde ihm die Liebe zur Natur praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater Franz arbeitet als Berufsjäger, und auch Lorenz selbst ist leidenschaftlicher Jäger.
»Ich war immer gerne in der Natur, egal ob beim Jagen oder am Motorrad. Mit sieben Jahren habe ich meine erstes Trial-Motorrad bekommen. Mein Papa ist früher selbst Motorrad gefahren und hat auch Rennen bestritten, deshalb bin ich relativ früh damit in Kontakt gekommen. Mit elf Jahren habe ich dann meine erste Enduro bekommen und kurz darauf die ersten Rennen bestritten. Am Anfang war ich noch nicht ganz vorne dabei, aber ich wollte immer besser werden und habe jede freie Minute trainiert«, sagt der heute 18-Jährige.
Derzeit besucht Steinkellner die Forstschule in Bruck an der Mur, die er im kommenden Jahr mit der Matura abschließen wird. Die berufliche Richtung scheint bereits klar: Förster werden – wenn möglich in der Heimatregion. Doch parallel dazu verfolgt er einen sportlichen Traum, der ihn mittlerweile weit über die Grenzen der Lavanttaler Heimat hinausführt.
Schon früh zeigte sich, dass der junge Reichenfelser über außergewöhnlichen Ehrgeiz verfügt, trainierte er doch schon im Kindesalter auf den Strecken rund um das Elternhaus, in Wäldern, auf Forstwegen und in Bachläufen.
»Es wäre natürlich etwas Besonderes, ausgerechnet in Obdach Staatsmeister zu werden«
Lorenz Steinkellner, Hardenduro-Fahrer
»Von klein auf war es bei mir so, dass ich immer der Beste sein wollte. Daheim haben wir viele Trainingsmöglichkeiten fürs Motorrad, im Wald oder im Bachbett. Dort habe ich viele Stunden verbracht und an meiner Technik gearbeitet. Mit 13 Jahren habe ich in Murau mein erstes Rennen gewonnen. Das war ein besonderer Moment, weil ich gemerkt habe, dass sich die ganze Arbeit auszahlt. Seitdem ging es eigentlich ständig bergauf«, sagt der Reichenfelser.
Heute gilt Steinkellner als eines der größten österreichischen Nachwuchstalente im Hardenduro-Sport. Anders als klassische Enduro-Rennen werden diese Bewerbe nicht auf präparierten Strecken ausgetragen. Stattdessen kämpfen sich die Fahrer durch schwierigstes Gelände mit Felsen, Bachläufen, Wurzeln und steilen Waldhängen. Gerade diese Extreme machen den Reiz für den 1,90 Meter großen Kärntner aus. Sein bevorzugtes Terrain sind technische Passagen, in denen Gefühl, Balance und mentale Stärke gefragt sind.
»Viele kennen Enduro nur von den klassischen Rennen auf vorbereiteten Strecken. Hardenduro ist etwas ganz anderes. Da fährt man über Felsen, durch Bachbetten, steile Waldhänge oder Geröllfelder. Es geht nicht nur ums Fahrkönnen, sondern auch darum, wie stark man mental ist. Man lernt viel über sich selbst und entwickelt sich als Mensch weiter. Gerade die ganz schweren Rennen formen den Charakter«, weiß Steinkellner.
Diese mentale Stärke wird auch Ende Juli wieder gefragt sein. Dann startet Steinkellner bei den »Red Bull Romaniacs« in den rumänischen Karpaten – einem der härtesten Hardenduro-Rennen der Welt. Vier Tage lang sitzen die Teilnehmer täglich sieben bis acht Stunden im Sattel und kämpfen sich durch unwegsames Gelände.
Starke Leistung am Erzberg
Zu den bisherigen Höhepunkten seiner Karriere zählt zweifellos das diesjährige Erzbergrodeo am Erzberg bei Eisenerz in der Steiermark. Bereits zum dritten Mal stellte sich der Reichenfelser der wohl bekanntesten Hardenduro-Veranstaltung der Welt. Schon im Prolog zeigte er auf und qualifizierte sich als 47. für die erste Startreihe. »Mein Ziel war es, unter die Top 50 zu kommen. Der Prolog ist richtig gut gelaufen, und die erste Startreihe war Gold wert. Ich hatte einen guten Start im Rennen und lag zwischenzeitlich sogar auf Platz 21. Vom Fahrerischen her glaube ich, dass noch deutlich mehr möglich gewesen wäre und ich vielleicht sogar das Ziel erreicht hätte«, blickt Steinkellner zurück. Doch mit Fortdauer des Rennens gingen ihm Kraft und Ausdauer aus. Am Ende wurde es Platz 39.
Der 18-Jährige sagt: »Natürlich wäre ein Finish schön gewesen, aber ich bin zufrieden. Es waren nur ein paar kleine Fehler dabei und insgesamt war es eine starke Leistung.« Mit Platz 39 erreichte er den 22. von insgesamt 27 Checkpoints nach Ablauf der vier Stunden und war damit drittbester Österreicher im Feld.
Auch beim »Hellsride« im Metnitztal, einem weiteren anspruchsvollen Hardenduro-Rennen, zeigte Steinkellner heuer mit Rang drei auf. »Das war genau nach meinem Geschmack. Fichtenwald, technisch schwierig – fast wie daheim«, erzählt er schmunzelnd.
Neben den Hardenduro-Klassikern fährt Steinkellner auch die österreichische Enduro-Staatsmeisterschaft. Nach fünf von insgesamt elf Rennen führt er die Juniorenwertung der Fahrer bis 23 Jahre an. Das große Finale findet am 26. September in Obdach statt – praktisch vor seiner Haustüre.
»Es wäre natürlich etwas Besonderes, ausgerechnet hier Staatsmeister zu werden«, sagt der Reichenfelser. Gleichzeitig weiß der junge Sportler, dass im Motorsport viele Faktoren zusammenspielen müsse: »Fahrerisch ist es möglich. Aber fix ist im Motorsport eben nichts.«
Die Familie hinter dem Fahrer
Wer Lorenz Steinkellner erlebt, merkt schnell, dass seine Erfolge nicht nur auf Talent und Trainingsfleiß beruhen. Hinter ihm steht eine Familie, die den sportlichen Weg von Anfang an begleitet hat. »Ohne meine Eltern würde das alles nicht funktionieren. Mein Papa macht alles Technische am Motorrad, kümmert sich um das Fahrwerk, die Wartung und die Abstimmung. Gerade bei Hardenduro-Rennen können die richtige Reifenwahl oder ein perfekt abgestimmtes Fahrwerk entscheidend sein. Meine Mama unterstützt mich ebenfalls überall, wo sie kann. Natürlich hat sie manchmal Angst, aber sie steht immer hinter mir. Auch meine Freundin unterstützt mich sehr und begleitet meinen Weg. Dafür bin ich wirklich dankbar«, sagt Steinkellner.
Vater Franz ist nicht nur Mechaniker, Betreuer und Motivator, sondern auch der Grund für die Startnummer 74, die Lorenz bei seinen Rennen trägt: »Die hatte mein Papa früher schon. Deshalb habe ich sie übernommen.«

Von Philipp Tripolt
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