Seit 1887 | Das unabhängige Wochenblatt für Unterkärnten

Mit viel Leidenschaft bringt Erna Kienleitner die Dichterin Christine Lavant der Öffentlichkeit näherAusgabe 37 | Mittwoch, 9. September 2026

Christine Lavant begleitet Erna Kienleitner heute fast täglich. Seit zwei Jahren ist sie Präsidentin der Christine Lavant Gesellschaft und setzt in dieser Funktion auch auf neue Veranstaltungsformate, junge Künstler und einen niederschwelligen Zugang zur Literatur.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Artikel

Wolfsberg. Seit Juli 2024 steht Erna Kienleitner (69) an der Spitze der Christine Lavant Gesellschaft (CLG). Die pensionierte BHAS-Lehrerin möchte die Wolfsberger Dichterin stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken – und Literatur für alle zugänglich machen. »Es ist fast täglich Christine Lavant in meinem Leben«, sagt Erna Kienleitner. Zur Literatur von Lavant kam sie über ein Schulprojekt: »Ich wurde angesprochen, ob ich Mitglied bei der Christine Lavant Gesellschaft werden möchte.« Daraus entwickelte sich nur wenig später mehr. Kienleitner war zunächst Schriftführerin, später Vizepräsidentin und übernahm schließlich im Sommer vor zwei Jahren die Präsidentschaft.

Ihre eigene Beziehung zur Kultur beschreibt die Wolfsbergin wie folgt: »Kultur war für mich immer wichtig.« Schon während ihrer Studienzeit besuchte sie Konzerte und die Staatsoper. Sie lernte Orgel und spielte rund 20 Jahre lang in der Stadtpfarrkirche. In anderen Kirchen spielt sie die Orgel nach wie vor.

Was sie an Christine Lavant besonders fasziniert, ist deren Sprache. »Die Lyrik ist für mich eine verdichtete Sprache, und da schafft es Christine Lavant mit Wortschöpfungen und Kombinationen von Formulierungen sehr dicht und ausdrucksstark zu schreiben. Manche Sätze oder Gedichte muss man öfter lesen, um sie verstehen und deuten zu können.«

Viele Texte seien von Schwermut geprägt. Krieg, Zwischenkriegszeit und persönliche gesundheitliche Probleme hätten Lavants Leben beeinflusst. »Ihre Werke sind eher düster und trauriger formuliert.« Doch Kienleitner betont: »Es gibt auch heitere und lebensfrohe Momente.« Besonders treffend findet sie Lavants Satz: »Ich habe ja auch Zeiten, wo ich grundlos glücklich bin.« Die Dichterin habe Gegensätze verbunden: »Sie verbindet Lachen mit Weinen, hat einen fröhlichen Moment und redet dann am Schluss vom Tod.«

Literatur für alle
Als Präsidentin möchte Kienleitner die Gesellschaft öffnen und neue Zielgruppen erreichen. »Wir wollen junge Künstler bei unseren Veranstaltungen einbinden« – sowohl im literarischen als auch im musikalischen Bereich, besonders aus dem Lavanttal und Kärnten.

Literatur und Musik könnten dabei gut zusammenspielen. »Wir glauben, dass wir Literatur mit Musik gut miteinander verbinden können. Christine Lavant steht dabei natürlich im Vordergrund, aber unsere Veranstaltungen lassen sich auch mit anderen Genres gut verbinden, auch mit Tanz und bildender Kunst«, sagt Kienleitner.  

»Manche Gedichte muss man öfter lesen, um sie verstehen und deuten zu können«
Erna Kienleitner, Christine Lavant Gesellschaft

Ein wichtiges Anliegen ist der Wolfsbergerin dabei der niederschwellige Zugang. Bei Adventlesungen etwa setzt die Gesellschaft auf kostenlose, kurze Formate. »Eine halbe Stunde, keine Überforderung, damit es für jeden geöffnet ist«, weiß Kienleitner. Gleichzeitig müsse man bei größeren Veranstaltungen Eintritt verlangen, so die Präsidentin: »Wir müssen und wollen die Künstler, die bei unseren Veranstaltungen auftreten, ja auch bezahlen.«

Rund 150 Mitglieder hat die Gesellschaft derzeit. »Unsere Mitglieder sind uns das Allerwichtigste«, sagt Kienleitner. Gerade weil die öffentliche Unterstützung »leider immer weniger« werde, seien die Mitglieder eine wichtige Basis.

Ein sichtbares Zeichen ist die Gedenkbank, die im Frühjahr am Gassersteig in Wolfsberg aufgestellt wurde. »Wir sind draufgekommen, dass es im Wolfsberger Stadtgebiet keine Gedenkstelle für Christine Lavant gibt.« Bei Stadtspaziergängen wird die Bank bereits als Station genutzt. Ein QR-Code ermöglicht Besuchern außerdem, sich zusätzlich über Lavant zu informieren. »Auch damit wollen wir Christine Lavant in die Öffentlichkeit bekommen«, erklärt Kienleitner. Um die Jugend anzusprechen, setzt man auch auf Schulen. Spaziergänge auf den Spuren der Dichterin mit Schülern seien »sehr gut angekommen«. Für Volksschulkinder werde das Thema entsprechend ihrem Alter »sehr spielerisch« vermittelt.

Das Ehrenamt
Dass sie selbst so viel Zeit in die Gesellschaft investiert, liegt auch an ihrer Freude am Organisieren: »Die organisatorischen Sachen mache ich gerne.« Erfahrungen sammelte sie bereits als Chorleiterin. Vor allem aber versteht Kienleitner ihr Engagement als gesellschaftlichen Beitrag, wie sie sagt: »Ich finde es reizvoll, ein Ehrenamt auszuüben, weil ich glaube, dass wir Menschen alle eine gewisse Leistung für die Mitmenschen bringen können.« Mit ihrem Vorstand arbeitet sie dabei gerne zusammen: »Wir haben große Freude miteinander, arbeiten gut zusammen. Alle beteiligen sich, engagieren sich und bringen sich ein.«
Einige Veranstaltung der CLG stehen bevor. Unter anderem »Lyrik unter Sternen« am kommenden Freitag (siehe auch S. 13), ein »Spaziergang auf den Spuren von Christine Lavant« am Freitag, 25. September, mit anschließender kostenloser Lesung beim Haus der Musik, eine Lesung im Wolfsberger Rathaus am 6. November, und erstmals wird die Gesellschaft im nächsten Jahr einen Poetry Slam veranstalten.

Und könnte die CLG-Präsidentin an Christine Lavant noch einen persönlichen Satz richten, wäre es der: »Betrachte die Welt mit allen Sinnen, nimm Einzelheiten nicht zu ernst und verfasse mit der Schreibmaschine weiterhin Lyrik und Prosa.«

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren