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Rudolf Verhounig: »Handel ist Wandel – wenn du nicht mit der Zeit gehst, dann gehst du mit der Zeit«Ausgabe 36 | Mittwoch, 2. September 2026

Rudolf Verhounig ist mit dem Handel aufgewachsen, seit 50 Jahren ist seine Familie in diesem Bereich tätig. Der 63-Jährige führt sechs Adeg-Märkte in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg. Vom Vater hat er gelernt, den Wandel vorherzusehen und mitzuhalten.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Rechts: Der gebürtige Griffner Rudolf Verhounig ist noch immer stark mit dem Fußball und seinem Heimatverein, dem SV Griffen, für den er 13 Jahre als Trainer aktiv war, verbunden. Links: Verhounig vor dem Adeg-Markt in Reichenfels mit Peter Theissbacher, Mitarbeiterin Daniela Baumgarnter und Geschäftsführerin Sabine Tragbauer (v. l.). Fotos: Tripolt

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Griffen, Lavanttal. Adeg-Kaufmann Rudolf Werner Verhounig (63) führt sechs Märkte im Lavanttal und Bezirk Völkermarkt. Was vor 50 Jahren als kleiner Familienbetrieb in Griffen begann, ist heute ein regionales Handelsunternehmen mit 37 Mitarbeitern.

»Ich bin quasi im Geschäft meiner Eltern auf die Welt gekommen«, sagt Verhounig und lacht. Der 63-Jährige ist in Griffen geboren und dort auch zu Hause. Seit fünf Jahrzehnten gibt es den Familienbetrieb Verhounig, den seine Eltern Rudolf und Judith aufgebaut haben. »Mein Papa ist vor 19 Jahren verstorben, meine Mama vor vier Jahren. Aber das, was sie aufgebaut haben, führen wir weiter.« Dabei hat sich der Handel in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. »Früher verkauften wir Mehl, Salz und Zucker offen. Kartoffeln, Staubzucker oder Aranzini haben wir selbst abgepackt, Nägel und Schrauben haben wir selber gemacht. Das war ein ganz anderer Handel als er es heute ist«, erinnert er sich.

Heute präsentiert sich das Unternehmen deutlich moderner. Der Adeg-Markt in Griffen feierte heuer sein zehnjähriges Bestehen am jetzigen Standort mit 540 Quadratmetern Fläche. Verhounig hat zuletzt stark expandiert und betreibt mittlerweile sechs Märkte, im Oktober 2024 kamen die Standorte St. Margarethen, St. Stefan, Tainach und Ruden dazu, im November 2025 wurde in Reichenfels eröffnet.

Der vorgezeichnete Weg
Seine berufliche Laufbahn begann aber nicht im elterlichen Betrieb. Verhounig absolvierte im Euco in Völkermarkt die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Dann erkrankte sein Vater. »Mein Weg war vorgezeichnet. Es war klar, was ich machen werde. Als mein Papa krank wurde, bin ich in den eigenen Betrieb zurückgekehrt«, blickt der Kaufmann zurück. Vor 33 Jahren übernahm er schließlich das Unternehmen und machte sich selbstständig. Seither hat er zahlreiche Aus- und Weiterbildungen absolviert, unter anderem für die Lehrlingsausbildung. »Rückblickend war mein Glück, dass ich die besten Lehrmeister hatte. Ich habe verschiedene Schwerpunkte kennengelernt und überall etwas aufgeschnappt«, so Verhounig.

Bei aller Veränderung legt er besonderen Wert auf die regionale Verankerung, wie er sagt: »Wichtig sind mir die Regionalität und dass die Leute vor Ort Arbeit haben.« Derzeit beschäftigt Verhounig 35 Frauen und zwei Männer – unter anderem seit dem 1. September einen Lehrling, die eine Doppellehre mit Matura macht.

Auch bei technischen Entwicklungen will er nicht stehen bleiben. Seit Mai 2025 wird in seinen Märkten das hybride Kassensystem eingesetzt. Die Idee dazu stammt von ihm selbst. »Ich habe das bei Rewe vorgeschlagen, und es wurde übernommen«, so Verhounig, der das System in allen seinen Märkten, Griffen ausgenommen, eingeführt hat. Für Verhounig ist das ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen: »Vom Papa habe ich die Weitsicht gelernt: Was könnte in ein paar Jahren up to date sein? Handel ist Wandel – wenn du nicht mit der Zeit gehst, dann gehst du mit der Zeit.«

Sechs Standorte kann der Unternehmer längst nicht mehr alleine führen. »Ich habe gute Mitarbeiter. Die Hauptsachen erledigen die Marktleiterinnen«, sagt der Griffner, der selbst regelmäßig in den Filialen unterwegs ist. Dazu kommen administrative Aufgaben, wie er sagt: »Ich muss schauen, dass alles funktioniert.« Unterstützt wird er von Geschäftsführerin Sabine Tragbauer.

Bis zur Pensionierung bleiben Verhounig noch rund zwei Jahre. Ganz zurückziehen möchte er sich danach aber nicht. »Die Überaufsicht mache ich so lange, wie ich normal und gerade denken kann«, lacht der 63-Jährige. Eine Nachfolge sei aber grundsätzlich vorbereitet: »Sabine ist Geschäftsführerin, und ich habe meine Familie im Rücken. Das System muss weitergehen, auch wenn ich es nicht mehr machen kann.«
Die vergangenen Jahre waren allerdings nicht nur von Wachstum geprägt. Das Pfandsystem und die Entwicklung bei den Diskontern haben den Handel verändert. Auch bei Bier gebe es eine negative Tendenz, so habe sich der Umsatz laut dem Völkermarkter in den vergangenen Jahren halbiert.

Die Herausforderungen
Für die Zukunft sieht Verhounig vor allem zwei Herausforderungen: die bestehenden Standorte zu erhalten und gutes Personal zu finden. »Die Personalsituation ist nicht einfach. Wir haben jetzt noch einen Großteil des Personals von früher, aber es wird immer schwieriger, gute Mitarbeiter zu finden«, sagt Verhounig.

Wenn der Griffner über die Arbeit spricht, kommt er immer wieder auf seine Eltern zurück. »Die soziale Seite habe ich vom Papa«, sagt er. Seine Mutter beschreibt er mit einem Schmunzeln: »Mama war scharf, wie eine Rasierklinge.« Sie blieb dem Handel außergewöhnlich lange verbunden. »Meine Mama war an der Kasse, bis sie 83 Jahre alt war. Sie hat 68 Jahre im Handel gearbeitet«, erinnert sich der Griffner.

Neben dem Handel spielt der Fußball eine große Rolle in seinem Leben. Verhounig spielte selbst und war anschließend 13 Jahre lang Trainer in Griffen, bis er 1999 aufgehört hat. Heute verfolgt er aber weiterhin gerne Fußball und Eishockey, ist an den Wochenenden an den Sportplätzen im Lavanttal und in Völkermarkt anzutreffen. Er verbindet auch den Sport mit dem Unternehmertum: »Mir gefällt es, Probleme zu lösen. Je schwerer der Gegner, umso mehr hat es mir getaugt. Ich habe immer nach Problemlösungen gesucht.«

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