Bernd Hinteregger: »Der Winter wird fordernd, aber nach Regen kommt wieder Sonnenschein«Ausgabe 51 | Mittwoch, 16. Dezember 2020

Der Wolfsberger Hotelier, Investor, Musiker Bernd Hinteregger (45) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über sein Engagement bei der Puls4-Startup-Show »2 Minuten, 2 Millionen«, wie es ihm als Unternehmer im Coronajahr ergangen ist und sein Musikerleben.

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Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Teil der Puls4-Sendung »2 Minuten, 2 Millionen« sind?
Wie oft im Leben ein toller Zufall. Ich habe guten Kontakt zu vielen Medien und TV-Stationen in Österreich. Ich habe viel mit Medien zu tun und so auch mit Puls4. So wurde ich eingeladen, an einem Casting für Investoren teilzunehmen. Ich bin voll Freude und Energie hingegangen und habe alles gegeben, was ein »Kärntner Bua« geben kann. Und es hat gepasst. Puls4 hat gemeint, dass würde gut passen. Als Betriebswirt und langjähriger Musiker bringe ich zwei Facetten mit, die diese Startup-Show für die Zuschauer interessant machen können.

Was genau ist Ihre Rolle bei dieser Show?
Jetzt, mit 45 Jahren, habe ich eine Aufgabe bekommen, auf die ich mich jahrzehntelang indirekt vorbereitet habe. Einerseits als Betriebswirt und andererseits als jemand, der schon fast 30 Jahre auf der Bühne steht und Leute gern unterhält. Bei dieser Startup-Show geht es darum, die Produkte junger Startups, also Menschen mit tollen Ideen, mit Know-how, das man sich selbst in den vergangenen Jahrzehnten erworben hat und mit einem finanziellen Unterstützungsbackground, groß zu machen.

Meine Aufgabe ist es, die jungen Unternehmen mit meinen Erfahrungen zu unterstützen, aber ab und zu auch ein bisschen den Kärntner Schmäh hineinzubringen.

In wie viel Folgen werden Sie zu sehen sein?
Wir haben über einen Monat lang 14 Folgen aufgezeichnet. Ich bin einer von vier neuen Investoren, und wir wechseln uns immer ab. Ich wechsle mich mit Leo Hillinger ab. In jeder Show sind fünf Startups, zwei Mal pro Sendung kommt Leo Hillinger mit dem burgenländischen Schmäh und drei Mal komme ich aus Kärnten. Ich bin in allen 14 Folgen, die ausgestrahlt werden, zu sehen. 

Im März wird dann die nächste Staffel gedreht, in der ich auch wieder abwechselnd mit Weinkönig Leo Hillinger dabei bin.

Wie sind die Dreharbeiten in Zeiten von Corona verlaufen?
Ich habe viele unterschiedliche Erfahrungen mit Medien gemacht, aber so etwas Professionelles wie das Team von Puls4 und die gesamte Produktion habe ich noch nicht gesehen. Vor jeder Aufzeichnung gab es bei allen Mitwirkenden – rund 100 Personen – einen Coronatest, das Ergebnis lag binnen kurzer Zeit vor. Man hat mit Argusaugen auf uns geschaut. Es ist der ganze Dreh sehr freundlich, aber extrem professionell abgelaufen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und es war eine faszinierende Zeit.

Wann ist die erste Folge mit Ihnen zu sehen?
Die erste Folge wird am 5. Jänner um 20.15 Uhr auf Puls4 ausgestrahlt. Ich bin dabei gleich mit drei Geschichten zu sehen. Es wird sehr spannend werden und ich glaube, gleich zu Beginn wird ein Investment stattfinden. Mehr darf ich dazu aber noch nicht verraten.

Ich würde mich total freuen, wenn an diesem Tag das ganze Lavanttal beim Fernsehen auf die Nummer vier drückt.

2020 war ein besonderes Jahr, nicht zuletzt für den Tourismus. Wie ist es Ihnen mit den HB1-Hotels in diesem speziellen Jahr ergangen?
Es war ein sehr forderndes Jahr, und ich bin seit 15 Jahren Unternehmer. Mein Großvater, der Steinbruchunternehmer Franz Modre, der sagte mir immer: »Bua, pass auf die schlechten Zeiten auf.« Einen guten Unternehmer zeichnet aus, dass er in guten Jahren Reserven aufbaut. Das habe ich die vergangenen 15 Jahre immer gemacht.

Natürlich hat uns die Krise auch getroffen. Der Jänner und der Februar sind super gelaufen – und auf einmal ist es runtergegangen. Mit dem Lockdown steht auf einmal alles still. Es ist alles anders.

Ich habe mir aber gesagt, ich nütze die Zeit, um Strukturen anzupassen und Tätigkeiten durchzuführen, die man sonst nicht erledigen kann. Wir hatten in den vergangenen Jahren so tolle Auslastungen und sind in Wien und Wiener Neudorf nie dazugekommen, einmal zu renovieren, da wir die Zimmer immer gebraucht haben. Wir haben nun sehr viele Renovierungs- und Instandhaltungsarbeiten durchgeführt. 

Wir hatten auch das Glück, dass es im Mai wieder relativ schnell und gut losgegangen ist. Wir hatten in Wien und Umgebung eine gute Auslastung.

Man muss sagen, wir haben auch jetzt im Lockdown in Wien für Businessreisende geöffnet. Von Montag bis Freitag sind meine Hotels unter strengsten Vorkehrungen geöffnet. Die Gäste und das Personal haben nur marginal bis gar keinen Kontakt. 

Es ist keine einfache Zeit, aber ich blicke nach vorne. Im Frühjahr oder im Sommer nächsten Jahres sehe ich wieder Licht am Ende des Tunnels. Der Winter wird sehr fordernd, aber nach jedem Regen kommt wieder Sonnenschein. Es wird wieder bergauf gehen.

Waren die Hilfsmaßnahmen, die der Bund und die Länder gewährt haben, ausreichend?
Ich war generell zufrieden, man kann natürlich immer jammern, aber die Bundesregierung hat grundsätzlich keinen schlechten Job gemacht. Unsere Lavanttaler Tourismusministerin (Anm. Elisabeth Köstinger, ÖVP) hat es für uns im Tourismus wirklich gut gemacht. Ein Betrieb, der vor der Krise gut aufgestellt war, kommt auch durch die Krise durch.

Schade war nur: Es wurde in den zahlreichen Pressekonferenzen der Regierung sehr viel angekündigt, das dann zwar auch gemacht wurde, aber leider wurden die Maßnahmen viel zu langsam umgesetzt.

Sie betreiben nicht nur Hotels, sondern haben auch bereits einige saniert. Gab es in diesem Jahr coronabedingt für Sie mehr Arbeit als Sanierer?
Heuer war ein sehr spezielles Jahr. Ich hatte einige Sanierungs- und Beratungsaufträge, auch in Deutschland. Ich bekomme jede Woche mindestens zwei Anfragen, in denen es darum geht, ein Hotel zu übernehmen, zu sanieren, umzuschulden oder einzusteigen. 

Ich habe heuer bei fünf Hotelsanierungen aktiv mitgearbeitet, vier davon in Deutschland, eines in Österreich. 

Ich bin jetzt mit einer Gesellschaft knapp davor, ein Hotel zu kaufen. Es kommt sehr viel auf uns zu. Die Welle beginnt gerade.

Sie sind auch leidenschaftlicher Musiker und wollten eine Serie unter dem Namen »Im Musikhotel« auf FolxTV starten. Was wurde daraus?
2018 und 2019 habe ich fünf Sendungen »Im Musikhotel« gemacht, die in meinen Hotels und der Umgebung gedreht wurden. Unvergesslich die Folge »Vom Lavanttal nach Wien«. 

Es waren heuer zwei Sendungen geplant. Aber durch Corona wäre der Aufwand zu groß gewesen. Eine Fortsetzung der Sendung wird es sicher geben. Da bin ich nach wie vor mit Leib und Seele dabei. Ich hoffe,dass ich mit 80 oder 90 Jahren noch immer auf der Bühne stehe.

Bei unserem Interview vor einem Jahr fragte ich Sie, ob Sie einmal in die Politik gehen wollen. Damals sagten Sie: Schauen wir einmal, was die Zeit bringt. Wie beantworten Sie diese Frage heute?
Ich bin ein total politischer Mensch. In meinem Freundeskreis wird viel politisiert und zu mir gesagt: »Hör auf zu reden, geh doch endlich in die Politik.« Meine Frau und meine Mutter sagen aber immer: »Lass die Finger davon, bleib Unternehmer und mach Musik.« Meine neunjährige Tochter sagt, ich sollte es machen, denn es müssten Veränderungen her. 

Konkret zur Frage: Es ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. Derzeit steht aber »2 Minuten, 2 Millionen« im Fokus. Es ergeben sich daraus ja auch Unternehmensbeteiligungen, wo ich mich voll reinhauen will.

Wenn ich in die Politik gehen sollte, möchte ich unabhängig reingehen. Und wenn ich in der Politik nichts ändern kann bzw. man mich nichts ändern lässt, möchte ich wieder zurück in mein Unternehmen gehen. Ich glaube wir werden noch ein oder zwei Interviews führen, in denen Sie mir die gleiche Frage stellen werden. Knapp vor dem Fünfziger werde ich dann konkret ja oder nein sagen.

Wie oft sind Sie im Lavanttal?
Ich schaue, dass ich meine Eltern und Brüder regelmäßig besuche. Das Lavanttal ist und bleibt immer meine Homebase. Auch wenn ich schon einige Jahre nicht mehr im Lavanttal lebe, sage ich immer: Ich bin ein Lavanttaler, dort wurde ich geboren, bin ich in die Schule gegangen und aufgewachsen. Im Lavanttal sind meine Wurzeln. Für mich ist das Lavanttal meine Heimat.

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