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St. Andrä. In der Bischofsstadt flammte in der Vorwoche der Wirbel um das Asylheim in Lamm erneut auf. Anlass war eine »Solidaritätswanderung« am Samstag, 13. Juni, organisiert von der Initiative »Lamm8 schließen«. Der Marsch, an dem rund 25 Personen teilnahmen, richtete sich jedoch nicht gegen die Existenz des Heims, sondern gegen die Lebensumstände der Bewohner.
Der St. Andräer FPÖ-Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Jürgen Ozwirk warf Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) im Vorfeld vor, sie würde zu der »Solidaritätswanderung« aufrufen. Das bestritt Knauder, die für das Zusperren Lamms eintritt: »Ich habe keineswegs dazu eingeladen.«
»Ich habe nicht zur Teilnahme eingeladen, ich habe nur den Gemeinderat darüber informiert«
Maria Knauder, Bürgermeisterin
Die umstrittene Unterkunft steht von mehreren Seiten in der Kritik. Auf der Internetseite des Wiener Vereins »asylkoordination österreich« wurde die »Solidaritätswanderung« angekündigt. Ihr Zweck: die Asylwerber zu unterstützen. Auf der Homepage des Vereins hieß es: »Im Lager Lamm8 leben Menschen oft viele Monate in menschenunwürdigen Verhältnissen. Sie werden sozial und geographisch isoliert und sind daran gehindert selbstbestimmt zu leben.« Danach: »Wir stellen uns entschieden gegen diese menschenunwürdigen Bedingungen und fordern die Schließung des Lagers und die Unterbringung in menschenwürdigeren Unterkünften.« Es wurde zur Teilnahme an der Solidaritätswanderung am 13. Juni aufgerufen, denn »Wir wollen mit den Bewohner:innen in Kontakt treten, auf die Missstände aufmerksam machen und kreativ interagieren, damit Hemmschwellen abgebaut werden.«
FPÖ gegen den Marsch
Der FPÖ-Landtagsklub versandte dazu in der Vorwoche eine Aussendung, in der es hieß: »Die Initiative ›Lamm 8 Schließen‹ will mit der Solidaritätswanderung auf die vermeintlich schlimmen Bedingungen für die Bewohner der Asylunterkunft aufmerksam machen. (...) Wir als FPÖ stellen uns gegen derartige Aktionen, denn die Unterkunft Lamm ist nicht für die Heimbewohner unzumutbar, sondern für die Bürger vor Ort, die um ihre Sicherheit fürchten.«
Danach wurde der St. Andräer SPÖ und ÖVP eine »Kehrtwende« vorgeworfen, denn beide Parteien hatten eine »FPÖ-Petition zur Schließung von Lamm 8« mitgetragen. Weiter heißt es im FPÖ-Schreiben: »Anstatt den besorgten Stimmen der Bevölkerung Gehör zu schenken und entsprechende Maßnahmen zu setzen, ruft die SPÖ-Bürgermeisterin von St. Andrä, Maria Knauder, zur ›Solidaritätswanderung für Lamm 8‹ auf.«
Knauder wies das zurück. »Ich habe nicht zur Teilnahme eingeladen, ich habe den Gemeinderat lediglich über die Wanderung informiert«, sagte sie auf Anfrage der Unterkärntner Nachrichten. »Ich bin weiter überzeugt, dass Lamm als Unterbringungsort nicht ideal ist und die Menschen woanders besser aufgehoben wären«, so die Bürgermeisterin, die ankündigte, an der Veranstaltung nicht teilzunehmen. Und sie sagte: »Die Wanderung wendet sich gegen die Bedingungen in Lamm, das müsste Ozwirk doch eh passen.« Sie wunderte sich darüber, »dass Ozwirk nicht mit mir geredet hat, bevor er das schrieb«.
Knauder steht hinter Beschluss
Grundsätzlich meinte Knauder: »Ich bin für die Aufnahme von Asylwerbern, solange sie unsere Gesetze einhalten und sich den hiesigen Gegebenheiten anpassen. Das gilt für alle Menschen.« Doch sie stehe auch weiterhin hinter dem Beschluss des Gemeinderats, in dem die Schließung des Asylheims in Lamm gefordert wurde.
Wie berichtet hatten im Vorjahr Bewohner von Lamm ihre Ängste an die St. Andräer Stadtpolitik herangetragen. Ursache war das Messerattentat in Villach am 15. Feber 2025, bei dem ein Syrer einen 14-Jährigen getötet und fünf Personen teils schwer verletzt hatte.
Auch in Lamm herrschte danach Besorgnis über einen möglichen Zwischenfall. Bürgermeisterin Knauder zeigte dafür Verständnis und beantragte in der Sitzung des Gemeinderats am 11. Juni 2025 eine Resolution an das Land Kärnten, in der die Schließung der Unterkunft gefordert wurde. Sie wurde einstimmig angenommen.
Danach kam es zu einem Vorfall, der den Protest gegen das Heim lauter werden ließ: Am 17. August 2025 verletzte ein syrischer Bewohner einen anderen Syrer mit einem Messer schwer. Ein Großeinsatz der Polizei war die Folge.
Am 8. Oktober 2025 lud die Stadt zu einem runden Tisch ins St. Andräer Rathaus, bei dem abermals eine Schließung der Unterkunft gefordert wurde. Betroffene berichteten von traumatisierenden Erlebnissen während des Polizeieinsatzes im August.
Doch zur Stilllegung kam es nicht. Im Dezember des Vorjahrs sagte der heutige Landeshauptmann Daniel Fellner, damals für das Flüchtlingswesen zuständig, eine Aufgabe des Heims sei nicht möglich, da es keine andere Unterbringungsmöglichkeit gebe.

Von Horst Kakl
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