Die MacherinAusgabe | Mittwoch, 13. März 2019

Die Bad St. Leonharderin übernahm 2010 die Geschäftsführung von willhaben.at. Mit den Unterkärntner Nachrichten hat sie über das Geheimnis des Erfolgs von willhaben.at, die Gleichbehandlung von Männern und Frauen sowie ihre Onlineaktivitäten gesprochen.

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Seit 2010 sind Sie Geschäftsführerin bei willhaben.at. Ich habe gelesen, dass Sie diesen Job eigentlich nie haben wollten. Warum eigentlich?
Ganz so stimmt es nicht. Ich habe meinen damals aktuellen Job bei der Presse Digital sehr gemocht: Ich habe sehr gerne für einen Verlag und ein journalistisches Produkt gearbeitet, und ich war Teil eines tollen Teams, das gibt man nicht gern auf.

Sie führen rund 200 Mitarbeiter und den größten Online-Marktplatz in Österreich. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
In meiner Rolle bei willhaben habe ich die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Ich bemühe mich darum, gemeinsam mit dem Managementteam und allen anderen Kollegen, eine wertschätzende Unternehmenskultur zu leben und eine Atmosphäre zu schaffen, in der alle gerne arbeiten und so ihr Bestes geben können. Und dazu gehört auch, sich ständig weiter zu entwickeln, dazuzulernen und nicht stehen zu bleiben. 

willhaben.at wird regelmäßig bei »Great Place to Work« ausgezeichnet. Was tun Sie, damit sich die willhaben.at-Mitarbeiter so wohl fühlen und zufrieden sind?
Zum einen geht es um einen wertschätzenden Umgang, von jedem mit jedem, in jeder Situation. Zum anderen bedeutet das auch, dass die Leistung jedes einzelnen wertgeschätzt wird, dass Freiräume geschaffen werden, in denen sich jeder bewegen und seine Aufgabe erledigen kann. Wir haben gemeinsame herausfordernde Ziele und arbeiten darauf hin, aber es wird nicht vorgegeben, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Jeder Einzelne ist ein Experte, in dem, was er tut, und weiß viel besser, was der beste nächste Schritt sein könnte. Und ich glaube fest daran, dass es mehr Spaß macht, so zu arbeiten, als jeden Schritt vorgeschrieben zu bekommen und dabei auch noch kontrolliert zu werden.

Was haben Sie so alles auf willhaben.at gekauft oder verkauft?
Gekauft habe ich überwiegend Möbel, aber auch Kleider und sogar Hochbeete, verkauft ebenso Möbel, Kaffeemaschinen, alle möglichen elektronischen Geräte, Kleidung,…

Und wie waren Ihre Erfahrungen?
Eigentlich immer gut! Ich bitte vor allem die Käufer meistens um etwas Geduld, weil ich nicht immer sofort Zeit für die Übergabe habe.   

Willhaben.at ist ein Vorreiter in Österreich. Wie wichtig war es, einer der ersten zu sein, die sich auf das Online-Geschäft konzentriert haben?
Es war wichtig, früh dran zu sein, wir waren jedoch nie die Einzigen. Ich denke, wir haben in Summe mehr richtig gemacht als andere, und mit viel Herzblut daran gearbeitet, dass willhaben für alle besser nutzbar wird.

Gibt es Hoffnung für das Kleinanzeigengeschäft in Printmedien?
Ich möchte es lieber anders formulieren, jede Mediengattung hat ihre Vorteile. Unschlagbar im Digitalbereich sind bestimmte Funktionen vor allem das strukturierte Suchen. Ein Printmedium kann diese Menge einfach nicht bewältigen: Ich habe mal ausgerechnet, dass alle Anzeigen von willhaben auf Telefonbuchpapier gedruckt einen Turm in der Höhe des Stephansdoms ergeben würden. 

 

Ihre Familie betreibt eine Café-Konditorei in Bad St. Leonhard. War es nie ein Thema, den Familienbetrieb zu übernehmen?
Eigentlich wirklich nie, das können meine Schwester und ihr Mann eindeutig viel besser.

Sie sind nach dem Studium bei der Styria Media Group eingestiegen und waren fünf Jahre Geschäftsführerin von „Die Presse digital“. War das so geplant?
Ich habe ehrlich nichts derartiges geplant, nicht einmal darüber nachgedacht. Ich hatte immer Lust auf größere Herausforderungen, so hat sich eines nach dem anderen ergeben.

War es schwer, sich in einem eher männerdominierten, technischen Bereich durchzusetzen?
Ich hatte nie den Eindruck mich durchsetzen zu müssen, ich habe immer an Dingen und Themen gearbeitet, die mir Spaß machten. Wenn man Spaß hat, ist man automatisch besser.

Würden Sie sich als Nerd bezeichnen?
Es ist alles relativ, vielleicht bin ich für manche ein Nerd – ich würde mich selbst keinesfalls so bezeichnen.

Sind Sie 24/7 online? 
Es gibt eindeutig Tage und Zeiten, an denen ich nicht telefonisch erreichbar bin – ich bin aber immer online greifbar: Für mich ist tägliches E-Mail lesen kein Problem, weil ich mir einteilen kann, wann ich sie lese. Man muss ja nicht sofort reagieren.

Sind Sie auf sämtlichen sozialen Netzwerken vertreten?
Auf ziemlich vielen, aber ich bin nicht überall aktiv. Ich zähle es zu meinem Job, soziale Netzwerke zu verstehen – dazu muss man sie auch nutzen, und einige davon nutze ich wirklich gern.

In der Vorwoche war der internationale Frauentag. Gibt es im Berufsleben aus Ihrer Sicht noch immer eine Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen?
In unserer eher jungen Branche ist sie meiner Meinung nach gering, es gibt insgesamt trotz technischer Ausprägung viele Frauen und es gibt sie auch in Führungspositionen. Ich würde gern für Gleichbehandlung bzgl. Familienzeiten plädieren, es muss mehr Akzeptanz für Männer geben, die in Karenz gehen, um damit gleiche Ausgangslagen zu schaffen – Frauen wären nicht so lange weg.

Wie schaut es bei willhaben.at mit der Gleichstellung aus?
Wir bezahlen gleich und wir haben viele Männer in Karenz und jetzt auch im Papa-Monat.

Was machen Sie als Ausgleich zu ihrem doch sicherlich sehr stressigen Job?
Ich bin sehr gerne draußen, am liebsten in Bewegung, also Laufen, Radeln, Langlaufen, Skitouren…. und ich gehe gern auf Konzerte.

2017 haben Sie sich auf einen Marathon vorbereitet. Sind Sie diesen dann auch gelaufen?
Leider nein, meine Achillessehne hat gestreikt.

Kommen Sie noch regelmäßig zurück in das Lavanttal?
Im Schnitt ca. einmal im Monat. Leider viel zu selten.

Was gefällt Ihnen im Lavanttal, wo gäbe es Bedarf, Dinge im Tal zu ändern?
Wenn man in der Stadt lebt, gefällt einem vor allem die Landschaft. Mich hat diese Landschaft  im Lavanttal auch geprägt, ich mag diese sanften, grünen Hügel und Felder. Und mir gefällt auch, was an neuem entsteht oder an altem erfolgreich weitergeführt wird. Viele Leute haben gute Ideen und versuchen etwas aufzubauen, dabei entstehen neue oder wachsende Betriebe und Arbeitsplätze. Wenn man das noch besser unterstützen kann, würde ich das gut finden.    

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