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St. Andrä, Wien. Wenn Ursula Magnes (54) am 1. September ihr neues Büro in der Wiener Hofburg betritt, öffnet sich für sie nicht nur eine Tür, sondern ein Kapitel Musikgeschichte. Die gebürtige Lavanttalerin übernimmt die Leitung einer Institution, die seit 1498 besteht: Sie wird Direktorin der Wiener Hofmusikkapelle. Sie ist die erste Frau, die diese Position innehat. Ein historischer Moment, den sie selbst mit einem knappen, fast schelmischen Satz kommentiert: »Nice to have«. Doch hinter dieser Gelassenheit steckt eine beeindruckende Karriere.
Dass Magnes aus St. Andrä stammt, überrascht viele. Sie besuchte die Volks- und Hauptschule St. Andrä, später das BORG Wolfsberg. Musik war immer da – nicht als Pflicht, sondern als Selbstverständlichkeit. »Die Familie meines Vaters war und ist sehr musikalisch. Klassische Musik war bei uns allgegenwärtig. Mein Vater war ein leidenschaftlicher Ö1-Hörer, er legte den Grundstein. Ein Instrument zu spielen war selbstverständlich. Und ich habe es immer gemocht«, erzählt Magnes von ihrer Kindheit. Sie begann mit der Blockflöte, es folgten Schlagzeug und Klavier – bis sie schließlich bei der Wiener Oboe landete.
»Klassische Musik war bei uns allgegenwärtig. Ein Instrument zu spielen war selbstverständlich«
Ursula Magnes darüber, wie sie zur Musik kam
»Rückblickend hat alles, was ich beruflich gemacht habe, letztendlich in die Wiener Hofmusikkapelle geführt«, sagt Magnes. Und tatsächlich: Wer ihre Laufbahn betrachtet, erkennt eine seltene Mischung aus musikalischer Expertise, journalistischer Präzision und dramaturgischem Feingefühl.
1999 entdeckt Magnes eine kleine Annonce: Der junge Klassiksender »radio klassik Stephansdom« sucht Moderatoren. Sie bewirbt sich – und moderiert eine Woche später bereits live. »Eingeschult hat mich übrigens Susanne Höggerl (Anm.: heute Moderatorin der ZIB1) – erstmals auf Sendung war ich Pfingstsamstag 1999. Das war aufregend«, blickt Magnes zurück. Von 2001 bis 2025 war sie dann Musikchefin des Senders.
In ihrer Zeit als Musikchefin gab es für die Lavanttalerin zahlreiche Highlights: »Die Begegnung mit großen Künstlern und Menschen, meine Sendereihen Bach 2000, Der Klassik-Tjek, Melange mit Dominique Meyer, die Wiener Domkonzerte in der Coronazeit, die unzähligen Rubato-Sendungen mit Live-Gästen, Live-Übertragungen aus dem Wiener Musikverein und nicht zu vergessen die Reisen als Journalistin und Rezensentin«, erzählt Magnes.
Daneben hat sie auch als Moderatorin, Autorin und Dramaturgin gearbeitet. »Das Liederreisebuch mit Angelika Kirchschlager, unser Festival Manufaktur der Künste in der Wiener Zacherlfabrik und die Künstlergespräche bei den Salzburger Festspielen sowie Konzerteinführungen von Wien bis Brüssel waren schon einige Highlights«, erzählt Magnes.
Neue Aufgabe
Die neue Direktorin wird künftig die künstlerischen, organisatorischen und kaufmännischen Belange der Hofmusikkapelle verantworten. Im Zentrum stehen die berühmten Sonntagsmessen um 9.15 Uhr in der Hofburgkapelle – ein Ritual, das seit Jahrhunderten besteht und heute von Ensembles getragen wird, die weltweit Rang und Namen haben: die Wiener Sängerknaben, die Wiener Chormädchen, die Wiener Philharmoniker, die Herren des Staatsopernchors, die Choralschola sowie mehrere Dirigenten und Organisten. Magnes nennt ihr Konzept die »klingende Schatzkammer«. Ein Bild, das sofort hängen bleibt: Die Hofmusikkapelle als Ort, an dem musikalische Tradition nicht museal verwahrt, sondern lebendig gehalten wird.
Kunst- und Kulturminister Andreas Babler würdigte ihre Bestellung, ebenso Peter Schipka, der kirchlich Verantwortliche für die Gottesdienste in der Hofburgkapelle. Beide betonten die Hoffnung, dass Magnes die Hofmusikkapelle weiter öffnen und Menschen für dieses musikalische Erbe begeistern wird.
Kleines Team
Das Team der neuen Direktorin ist klein, aber hoch spezialisiert: Dreieinhalb Mitarbeiterstellen gibt es. Sie kümmern sich um die Verwaltung, das künstlerische Betriebsbüro, die Archivforschung und die Bereitstellung liturgischer Gewänder. Magnes selbst wird auch neben ihrer Tätigkeit als Direktorin weiterhin moderieren, schreiben, kuratieren.
Ihre Heimat - das Lavanttal
Wenn Magnes über das Lavanttal spricht, erzählt sie von der Saualm, den Sommern auf der Almhütte oberhalb von Forst, dem frühen Wunsch, »hinaus in die Welt zu gehen – mit festen Wurzeln«.
Ihre Verbindungen sind heute familiär und emotional: das Grab der Eltern, ihre beste Freundin, die Firmpatin. Und ein modernes Symbol der Nähe: »Ich bin hellauf begeistert über den Koralmtunnel!« Ein Satz, der zeigt, dass Heimat auch Infrastruktur sein kann. Sie ist zwar nicht mehr oft im Lavanttal, »aber sehr wohl in Gedanken« mit der alten Heimat verbunden.
Ursula Magnes wurde 1971 geboren, sie ist mit Andreas Pichler verheiratet, hat vier Stiefkinder – und eine Biografie, die zeigt, wie weit man kommen kann, wenn man Musik nicht nur hört, sondern lebt.
Sie ist die erste Frau an der Spitze einer Institution, die älter ist als die meisten Staaten Europas. Eine Frau, die aus St. Andrä hinausging, um die Welt der Musik zu erobern – und nun eine der bedeutendsten musikalischen Einrichtungen Österreichs leitet.

Von Michael Swersina
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