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Seit 1. Mai läuft im Stift St. Paul die diesjährige Sonderausstellung »Frau:Macht:Kunst«. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Die Besucher sind sehr zufrieden – das Thema berührt und regt zum Nachdenken an. Es ist spannend, weil es nicht nur Kunst zeigt, sondern auch gesellschaftliche Entwicklungen spiegelt. Wir wollten auch bewusst einen Beitrag zur neuen Koralmbahn‑Verbindung leisten und haben das Kunsthaus Köflach als Partner gewählt. Diese Zusammenarbeit ist eine Art Symbiose zwischen Kärnten und der Steiermark. Ulrike Jannach, die Leiterin des Kunsthauses, ist mit der Idee von Frauen in der Kunst an uns herangetreten, und ich fand das Thema sofort faszinierend.
Was erwartet die Besucher in der Ausstellung?
Im Nordflügel des Museums widmen wir uns drei Frauen aus einer Familie, drei Generationen, die sich in der Kunstwelt behaupten wollten. Im Zentrum stehen Olga Holzhausen, Margarethe Martiny-Holzhausen und Elisabeth-Charlotte Martiny, deren künstlerische Entwicklung über Generationen hinweg den Weg in die Moderne nachzeichnet. Diese Frauen waren tough, mussten sich aber auch dem Zeitgeschmack anpassen. Sie haben versucht, durch Qualität zu überzeugen. Man spürt, wie schwierig es war, sich als Frau in der Kunst zu etablieren – Männer hatten es leichter. Diese drei Künstlerinnen zeigen, dass Durchhaltevermögen und Leidenschaft entscheidend sind. Ein weiterer Strang führt zu St. Paul selbst: zu Gerhart Ellert und zu Christine Lavant, die beide starke weibliche Stimmen der Region waren.
Was wird neben der Sonderausstellung noch alles geboten?
Mir war es auch wichtig, Schüler einzubinden. Am 8. Juli präsentieren wir einen Bereich, den die Schüler der 7b des Stiftsgymnasiums gestaltet haben. Die 6b hat weiters einen Film über Frauen in Bildung und Kultur gedreht – er wird ebenfalls gezeigt. Außerdem zeigen wir das Hochzeitskleid von Kaiserin Elisabeth. Es steht symbolisch für eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war: Elisabeth hat das Frauenbild des 19. Jahrhunderts neu geprägt, Mode und Selbstbewusstsein revolutioniert – eine echte Vorreiterin.
Sie sind seit 30 Jahren Museumsdirektor des Stifts St. Paul. Wie viele Ausstellungen haben Sie in dieser Zeit kuratiert?
Weit über dreißig eigene, dazu kommt die Mitarbeit an rund 400 internationalen Projekten. Meine erste Ausstellung war 1994 »Tischkultur und Lebensfreude«. Ab 1997 folgten jährlich Sonderausstellungen, manchmal zwei pro Jahr. Ein Höhepunkt war sicher der Umbau und die große Europaausstellung im Jahr 2009. Das war ein Meilenstein für das Stift und für mich persönlich.
Seit wann gibt es die jährliche Sonderausstellung im Stiftsmuseum?
Die erste Ausstellung gab es im Jahr 1989. Der Titel damals war »Von Albrecht Dürer bis Lovis Corinth«. Diese Schau hat damals noch Igor Pucker kuratiert.
Woher kommen nach all den Jahren Ihre Ideen für immer neue Ausstellungen?
Oftmals beim Autofahren. Ich höre nie Radio, während ich mit dem Auto unterwegs bin, sondern denke nach. Da entstehen die Konzepte, Texte und Rahmenprogramme. Wenn ich doch einmal Radio höre, dann klassische Musik, die beruhigt die Nerven. Diese stillen Momente sind meine Kreativwerkstatt.
Wechseln wir nach St. Andrä: Die Domspiele fanden heuer zum zweiten Mal statt. Wie lautet hier Ihre Bilanz?
Sehr positiv. Erich Graf, der Obmann des Vereins Lavantinum, organisiert das hervorragend und investiert auch privat viel Herzblut und Geld. Mit Anton Meyer und Michael Lammer (Anm.: Initiatoren der Domspiele) gibt es weiters zwei Menschen, die sich stark engagieren. Natürlich ist immer Luft nach oben – ein Festival braucht drei bis vier Jahre, bis es sich richtig etabliert. Aber der Zuspruch heuer war sehr gut. Das »Himmlische Mahl« bei den Domspielen war gleich zweimal ausgebucht. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Welche Pläne für künftige Veranstaltungen haben Sie?
Wir werden künftig etwas weniger Veranstaltungen machen – heuer war das Programm sehr dicht. Der Opernsommer in St. Andrä im Juli bleibt fix. Ab nächstem Jahr planen wir außerdem die St. Andräer Orgelwochen im Herbst. Wir haben im Lavanttal zwei der besten Orgeln – die Mauracher‑Orgel in der Basilika und jene in der Domkirche. Diese Instrumente verdienen Aufmerksamkeit. (Anm.: Die Familie Mauracher war eine bis ins 20. Jahrhundert tätige österreichische Orgelbauerfamilie, die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt)
Die Domspiele werden fortgeführt. Sie sind für uns wichtig, weil sie das Gebäude der Kirche öffnen. Zu den Veranstaltungen kommen nicht nur Kirchgänger, sondern auch zahlreiche Menschen, die die Location spannend finden. So entsteht ein neuer Zugang zur Kirche über Kultur.
Welche Ausstellungen kann man sich von Ihnen in den kommenden Jahren erwarten?
Wir haben bereits langfristig geplant. Bis zum Jahr 2029 ist schon alles durchgeplant. 2027 steht unter dem Motto »Die Welt in Schwarz‑Weiß« – eine Ausstellung über Wahrnehmung, Kontraste und gesellschaftliche Perspektiven.
2028 feiern wir 800 Jahre Bistum Lavant mit einer großen Ausstellung in St. Paul und Veranstaltungen in St. Andrä. In der Domkirche wird es zeitgenössische Kunst geben, flankiert von einem Rahmenprogramm.
2029 folgt dann das 1.500‑Jahr‑
Jubiläum des heiligen Benedikt von Nursia, das wir groß begehen wollen. Dabei wird es unter anderen auch eine Drei‑Länder‑Wallfahrt mit Italien und Slowenien in St. Andrä geben.
Was wurde eigentlich aus der Lavantiade?
Die Idee zur Lavantiade entstand um 2014. Damals hat Manfred Mörth (Anm.: Kulturberater der Stadt St. Andrä) mit dieser Veranstaltung begonnen. Daraus entwickelten sich die Domspiele.
Bei der Domkirche in St. Andrä stehen umfangreiche Sanierungen an. Wie ist der Stand der Dinge?
Wir haben die Kostenerhebung abgeschlossen und wissen, wo wir stehen. Das Projekt ist in fünf Module gegliedert. Jetzt laufen Gespräche mit der Diözese, dem Land und privaten Förderern. Die Pfarre ist groß, aber ohne Eigenkapital – wir sind stark von Förderungen abhängig. Insgesamt sprechen wir von über 5,5 Millionen Euro – die Sanierung ist dringend nötig, vieles wurde über Jahrzehnte vernachlässigt.
Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr mit dem Verbindungstrakt zwischen Dom und Bischofshaus beginnen können. Das zweite Modul betrifft die Kirche selbst.
In fünf Jahren sollen alle Module abgearbeitet sein, sodass wir 2032 fertig sind. Solche Arbeiten benötigen ausreichend Zeit. Mit der Sanierung der Basilika haben wir im Jahr 2012 begonnen, heuer werden die Arbeiten abgeschlossen.
St. Andrä und St. Paul waren immer ein Fixpunkt bei der »Langen Nacht der Kirchen«. In diesem Jahr gab es keine Veranstaltungen. Warum?
Das haben wir bewusst so gemacht. Es ist ohnehin so viel los – noch eine weitere Veranstaltung hätte den Rahmen gesprengt. Wir haben in St. Andrä zum Beispiel die Domspiele, Aufführungen in der Basilika, Firmungen, und in St. Paul 20 Events des Kultursommers. Qualität ist wichtiger als Quantität.
Was mich besonders freut ist, dass es erstmals eine Abstimmung zwischen St. Andrä und St. Paul gab, um Überschneidungen bei den Veranstaltungen zu vermeiden – das war ein wichtiger Schritt.
Die Austritte aus der katholischen Kirche sind seit 2020 n Kärnten rückläufig. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Das hat mit Bindung zu tun. Menschen wollen frei sein, sich nicht zwingen lassen. Der Kirchenbeitrag wird oft missverstanden – er dient nicht nur der Kirche, sondern auch dem Kulturerhalt. Die Kirche ist in Österreich nach der öffentlichen Hand der zweitgrößte Arbeitgeber: über 160.000 Vollzeitäquivalente. Laut einer Studie des Joanneum Research sorgt die römisch-katholische Kirche für 2,36 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Österreichs.
Natürlich haben auch Krisen Einfluss auf den Zuspruch, aber interessant ist: Die Kirchenbesuche nehmen bei Festen wie Erntedank, Weihnachten und Ostern zu. Der klassische Sonntag mit voller Kirche ist selten geworden, aber die Festkultur lebt.
Was treibt Sie persönlich an, nach drei Jahrzehnten immer neue Ideen zu entwickeln?
Neugier. Ich sehe das Stift als lebendigen Organismus, nicht als Museum im klassischen Sinn. Kultur ist Bewegung, und Bewegung hält uns wach. Wenn ich durch die Räume gehe und sehe, wie Menschen staunen, weiß ich: Es lohnt sich. Das Lavanttal hat eine unglaubliche kulturelle Dichte – von der Kunst bis zur Musik, von der Geschichte bis zur Gegenwart. Wir müssen sie nur sichtbar machen.

Von Michael Swersina
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