Schimmel in Genossenschaftswohnung: Junger Wolfsberger fürchtet um Gesundheit und Geld Ausgabe 30 | Mittwoch, 28. Juli 2021

Der 21-Jährige lebt in einer Wohnung im Lindenweg, in der sich immer wieder Schimmel bildet. Er will raus – aber nicht auf die gezahlte Ablöse verzichten. Er möchte eine Gemeindewohnung – und die Ablöse vom Vermieter. Der bemüht sich um eine Lösung.

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Wolfsberg. »Wir wollen hier raus«, sagt Marcel Hanschitz. Der 21-jährige Arbeiter und seine Lebensgefährtin würden ihre Genossenschaftswohnung im Wolfsberger Lindenweg lieber heute als morgen verlassen. Doch es gibt zwei Probleme: Zum einen wollen sie die gezahlte Ablöse von rund 5.000 Euro nicht verlieren, zum anderen hätten sie gerne eine Wohnung der Gemeinde – die ihnen aber erst zugesprochen werden muss. Der Anlass für den »Fluchtreflex«: Schimmel!

Das junge Paar bezog die Wohnung, die von der Genossenschaft »Vorstädtische Kleinsiedlung« vergeben wird, im Oktober des Vorjahrs. Etwa einen Monat später rückte Hanschitz den Schlafzimmer-Kasten, den er vom Vormieter übernommen hatte, zur Seite – »da hat mich fast der Schlag getroffen«. Die Rückseite des Möbels  war mit einem dicken, bläulichen Schimmelpolster bedeckt.
»Ich bin Allergiker«, sagt Hanschitz, »Schimmel ist schlecht für mich.« Er benachrichtigte die »Vorstädtische Kleinsiedlung« – und wartete. »Nach zwei oder drei Wochen kam eine Firma und sah sich den Befall an. Es wurden Messungen gemacht, danach sprühten sie ein Mittel auf und wischten den Schimmel weg«, so Hanschitz, der sich über die schnelle Aktion  wunderte.

Neuer Kasten, altes »Spiel«
Der alte Kasten flog aus der Wohnung, im Februar wurde ein neuer geliefert. Der stand einen Monat an seinem Platz, als abermals Schimmel auftrat. Wieder benachrichtigte er den Vermieter, wieder erschienen Mitarbeiter einer Firma. Hanschitz: »Bei deren Messungen stellte sich heraus, dass die Mauer bis in eine Höhe von etwa einem Meter feucht ist. Mir wurde gesagt, dass eine genaue Untersuchung aber nur im Winter möglich sei.« Der 21-Jährige wandte sich darauf an einen Anwalt, der die Rückzahlung der Ablöse und eine andere Wohnung oder die Behebung des Schadens forderte. »Darauf reagierte die Genossenschaft und brachte Isolationsplatten im Keller unter meiner Wohnung an, außerdem wurde ein Entfeuchtungsgerät aufgestellt«, so der Mieter.

Der Erfolg war überschaubar: Im Juni zeigte sich abermals Schimmel. Der hatte auch gleich im Kasten verstaute Kleidung und ein Saxofon samt Koffer befallen. Reinigungskosten: 800 Euro. Hanschitz hatte genug, wollte ausziehen, ließ wieder einen Anwaltsbrief schreiben und begehrte von der Genossenschaft neben den Ausgaben für die Putzerei auch die Ablöse. Die lehnte mit der Begründung ab, dass der Kasten zu nahe an der Wand stehe (Hanschitz: »Er ist bereits 30 Zentimeter entfernt!«) und die Mieter am Schimmel selbst schuld seien. Die Zahlung der Ablöse solle mit einem Nachmieter besprochen werden. Der Arbeiter: »Wie soll ich für eine schimmlige Wohnung einen Nachmieter finden?«

Inzwischen hat sich das Paar um eine Gemeindewohnung beworben. Eine Unterkunft wurde besichtigt, aber einem anderen Bewerber zugesprochen. Jetzt ist ein weiteres Objekt in Aussicht, doch  Hanschitz und seiner Freundin läuft die Zeit davon: »Uns wäre am liebsten, wenn uns die Gemeinde ihre Entscheidung noch im Juli mitteilen würde, dann könnten wir die jetzige Wohnung mit Ende Juli kündigen.«

Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ) meint: »Wir versuchen nach besten Kräften, eine passende Wohnung zu finden, aber bis Ende Juli wird das nicht möglich sein. Bei der Wohnung, die sie möchten, gibt es mehrere Interessenten, der Ausschuss muss sich damit befassen. Der tagt aber erst im August.«

Das sagt die Genossenschaft
Thomas Kuschnig, Vorstandsobmann der »Vorstädtischen Kleinsiedlung«, befasst sich mit dem Fall persönlich. Er sagt: »Am Montag, 26. Juli, wurden die Leitungen überprüft, aber kein Defekt entdeckt. Das heißt, wir wissen derzeit nicht, was die Ursache des Schimmels ist, wir werden es aber herausfinden. In dieser Wohnung waren von Vormietern keine Probleme mit Schimmel bekannt.«
Zur Frage der geforderten Rückerstattung der Ablöse sagt Kuschnig: »Wir sind kein gewerblicher Vermieter, der Menschen in Schimmelwohnungen leben lässt. Wir sind gemeinnützig und bekommen treuhändisch Geld, um es zu verwalten. Das heißt auch, wir dürfen nicht ohne weiteres eine Ablöse zurückzahlen.« Sollte sich ein Nachmieter finden – den Hanschitz nicht selbst suchen muss – werde man ihn unterstützen, dass er zu seinem Geld komme. Rechtlichen Anspruch gebe es aber keinen.

Die Reinigungskosten werde die Versicherung der »Vorstädtischen« übernehmen, wenn festgestellt wurde, dass die Ursache beim Bauwerk liegt. Kuschnig hofft aber, dass sich noch eine Lösung mit Hanschitz finden lässt: »Er ist uns als Mieter recht, vielleicht einigt man sich und er bleibt in der Wohnung.«  

FPÖ-Stadträtin Isabella Theu-ermann, an die sich die Betroffenen um Hilfe gewandt haben, sagte: »Es muss dringend ein Schutzschirm über jene Gemeindebürger gespannt werden, die diesen so notwendig und dringend benötigen. Es muss mit Hausverstand entschieden werden, ob ein Sonnensegel Priorität hat oder doch Projekte, die direkt den Wolfsberger Mitbürgern zugute kommen.«

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