Bei Cappuccino und Mineralwasser: So verlief die geheime Versöhnung der SPÖ-Granden in WolfsbergAusgabe 30 | Mittwoch, 28. Juli 2021

Landeshauptmann Kaiser habe viel telefoniert, um SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Landeshauptmann Doskozil an einen Tisch zu kriegen, heißt es aus der SPÖ. Dann wurde der Seminarraum im Gasthof Stoff reserviert. Die Mitarbeiter mussten draußen bleiben.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Hans Peter Doskozil reiste im Auto nach Wolfsberg, um sich im Gasthof Stoff (Bild oben) in St. Margarethen mit Pamela Rendi-Wagner zu treffen. Das »Versöhnungsgespräch« hatte Landeshauptmann Peter Kaiser eingefädelt, der danach mit Rendi-Wagner am Wörthersee zu einer Pressekonferenz spazierte. Foto: UN/much

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Wolfsberg. In Medien wird bereits vom »Wolfs­ber­ger Pakt« gesprochen. Die Rede ist von der – im Vorfeld geheim gehaltenen – Versöhnung zwischen der SPÖ-Bundesparteivorsitzenden Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil, dem roten Landeshauptmann des Burgenlands, der zuletzt vor allem als Kritiker seiner Chefin von sich reden gemacht hat. Über die Bühne ging das Treffen (wie berichtet) am Dienstag, 20. Juli, im Gasthof Stoff in St. Margarethen – auf »neutralem« Wolfsberger Boden. Wie es dazu kam und was sich dort abspielte, war jetzt aus den Reihen der SPÖ zu erfahren.

Rendi-Wagner und Doskozil – er war im Auto angereist, sie hatte den ersten Tag ihres schon länger geplanten Kärnten-Besuchs vor sich – trafen sich um 9 Uhr im Seminarraum des Gasthofs. Die Initiative dazu war vom Kärntner Landeshauptmann ausgegangen, der den Termin etwa zehn Tage zuvor eingefädelt hatte. »Kaiser hat viel telefoniert, um das Treffen zu arrangieren. Der Kärnten-Besuch der Bundesparteivorsitzenden war dafür eine gute Gelegenheit«, heißt es.

»Nein, laute Worte waren aus dem Seminarraum nicht zu hören«
Aus der Partei über das geheime Treffen

Als sich beide Seiten zu einem Gespräch bereit erklärt hatten, wurde der Seminarraum für die Zusammenkunft reserviert. Dort kam es zu einer Zusammenkunft »unter sechs Augen: Rendi-Wagner, Doskozil und Kaiser saßen am Tisch« – sonst niemand. Die Mitarbeiter und Begleiter der drei SPÖ-Granden, von denen sie sonst ständig umgeben sind, mussten vor der Türe bleiben.
Knapp anderthalb Stunden dauerte die Unterhaltung, bei der Kaffee – »der burgenländische Landeshauptmann bestellte Cappuccino« – und Mineralwasser getrunken wurden. Laute Worte sollen in dieser Zeit nicht aus dem Seminarraum gedrungen sein ...

Fotoverzicht
Danach soll sich Doskozil sofort zu seinem Wagen begeben und Kärnten in Richtung Osten verlassen haben. Die Verabschiedung erfolgte noch im Seminarraum, über das jeweilige Minenspiel ist also nichts bekannt. Es wurde auch kein Foto geschossen – was heutzutage durchaus unüblich ist.

Bilder gibt es erst wieder, als Rendi-Wagner am selben Vormittag über den Hohen Platz spazierte, begleitet vom Wolfsberger Bürgermeister Hannes Primus, LAbg. Claudia Arpa und dem Kärntner Landeshauptmann – alle in sichtlich gehobener Laune. Eine weitere Aufnahme zeigt eine herzlich lachende SPÖ-Chefin mit Kaiser und der St. Andräer Gemeinderätin Reinelde Kobold-Inthal im Cafè Maxy’s am Hohen Platz. Aus der SPÖ: »Rendi-Wagner war Kaiser sehr dankbar, dass er das Gespräch mit Doskozil vermittelt hatte.«

Im Anschluss begaben sich Rendi-Wagner und Kaiser nach Klagenfurt, wo bei einer Pressekonferenz auf einem Wörthersee-Schiff das Treffen mit Doskozil und die »Versöhnung« bekannt gegeben wurde. Beim Gespräch sei »der gemeinsame Weg im Mittelpunkt gestanden« und wie die SPÖ als politische Kraft wieder an Stärke gewinnen könne, hieß es. Es sei auch vereinbart worden, »den internen Diskussionsprozess konsequent zu forcieren«.

Doskozil beendete den Streit mit Rendi-Wagner in einem Interview mit einer Wiener Zeitung. »Krieg kann niemals das Ziel sein. Es muss immer eine Gesprächsbasis geben«, sagte er darin. Und: »Die öffentliche Diskussion reicht jetzt einmal.«

Die Vorgeschichte
Das klang einige Zeit vorher noch anders. Rendi-Wagner war nach etlichen Attacken Doskozils zum Gegenangriff übergegangen: Sie warf  ihm Inkonsequenz und Unehrlichkeit vor und sprach von »Beflegelung«. Sie hätte in einem Telefonat eine gemeinsame Pressekonferenz zum Thema Asylfragen angeregt, nachdem eine 13-Jährige in Wien ermordet worden war. Doskozil habe gemeint, er sage dazu nichts – um sich kurz darauf allein an die Öffentlichkeit zu wenden.

Burgenlands Landeshauptmann schlug mit dem Sager zurück, »ich hör‘ mir das gar nicht mehr an«, und attestierte seiner Parteivorsitzenden »Kindergartenniveau«. Doch das ist Schnee von gestern ...

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