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St. Andrä. Ein Jahrhundert Geschichte und vier Generationen – Anton Meyer IV. (41) ist Geschäftsführer der Anton Meyer Raumausstattung GmbH in St. Andrä und hat den traditionsreichen Familienbetrieb längst in eine neue Zeit geführt.
»Die Tapezierwerkstätte ist das, womit 1926 alles begonnen hat«, sagt Meyer. Sein Urgroßvater, Anton Meyer I., gründete das Unternehmen, das zu Beginn als Sattlerei und Tapeziererei geführt wurde, vor 100 Jahren. In den 1960er-Jahren übernahmen Anton II. und sein Bruder Hermann Meyer das Unternehmen, ab dem Jahr 1998 wurde die Firma von Anton III. geführt. Bis zum Jahr 2016, als Anton IV. die Geschäftsführung übernahm.
Der Weg dorthin sei eine Entscheidung gewesen, die »gereift ist«, sagt Meyer, denn: »Mein Papa hat es sehr charmant geschafft, mir diese Welt schmackhaft zu machen.« Nach der Matura an der HAK Wolfsberg hat Meyer die Einrichtungsberaterschule besucht. »Danach habe ich in Saarbrücken meine Lehrjahre in einem Raumausstattungsbetrieb verbracht und in dieser Zeit auch meine Lehrabschlussprüfung gemacht. Ich wollte das Handwerk von Grund auf lernen. Ich wollte mich auskennen, ich wollte nicht der Junior sein, der anschafft«, betont er. Sein Anspruch, selbst mit anzupacken, prägt ihn bis heute. Nach der Meisterprüfung 2009 kehrte Meyer in den elterlichen Betrieb zurück. Mit seinem Vater Anton III. entwickelte er das Unternehmen weiter. »Es war eine sehr gute Übergabe, ein sehr gut begleiteter Prozess«, erinnert er sich. 2016 übernahm er die Führung.
Schon früh hatte er eine Vision: die Gesamteinrichtung. »Meine große Idee war es schon 2014, alles aus einer Hand anzubieten – von Boden über Vorhänge, Küche, Möbel bis hin zum Schlafzimmer. Beratung, Planung und Umsetzung sollten ineinandergreifen.«
Das Angebot ist heute breit gefächert und reicht weit über die klassischen Wurzeln hinaus. Neben Bodenverlegung, Polster- und Tapezierarbeiten sowie Vorhangdekorationen spielt vor allem der Möbelbereich eine immer größere Rolle. Vom maßgefertigten Möbelstück bis zur kompletten Hauseinrichtung – alles ist möglich. »Es kann jeder zu uns kommen, egal ob er ein ganzes Haus einrichten will oder 15 Quadratmeter Vinylboden braucht«, sagt Meyer.
Das Herzstück des Betriebs
Trotz dieser Entwicklung bleibt das Handwerk Herzstück des Betriebs. Vier Tapezierer sind aktuell beschäftigt – in einer Branche, die zunehmend unter Nachwuchsmangel leidet. »Das Handwerk ist leider vom Aussterben bedroht. Unsere größte Herausforderung für die Zukunft ist die Ausbildung und Entwicklung von Fachpersonal. Unsere einzige Chance sind junge Menschen«, sagt der St. Andräer. Derzeit bildet das Unternehmen drei Lehrlinge aus. Meyer: »Wer einen Beruf lernen will, hat bei uns garantiert einen sicheren Job.«
Ein entscheidender Schritt in die Zukunft war auch die Modernisierung des Betriebs, ganz nach den Vorstellungen des heute 41-Jährigen. Bereits 2014 stellte Meyer vieles auf den Kopf, wie er sagt: »Die Geschäftseinrichtung war 25 Jahre alt, wir haben ein halbes Jahr geplant und dann alles neu gemacht – zeitgeistig und passend zu meiner Vision.« 2021 folgte eine Erweiterung mit mehr Präsentationsfläche und zusätzlichen Mitarbeitern. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 20 Personen, darunter vier eigene Planungs-Mitarbeiter. »Für unsere Branche sind wir nicht ganz so klein«, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Dabei empfindet Meyer die Übernahme eines Traditionsbetriebs nicht als Belastung: »Ich hatte damals keinen hohen Druck. Meine Pyramide hatte damals schon eine fette Basis, anders als zum Beispiel ein Start-up-Unternehmen.«
Auch die Digitalisierung spielt für Meyer und sein Unternehmen eine wichtige Rolle. »Wir gehen mit offenen Armen auf das Thema zu. Erste Tools und Anwendungen sind bereits im Einsatz. Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir Digitalisierung und KI nutzen, um Arbeitsabläufe zu verbessern und zu erleichtern«, sagt der St. Andräer, der mit Christina verheiratet ist. Zusammen hat das Paar drei Kinder: Rosalie (8), Anton (7) und Maximilian (4). Ob eines seiner Kinder den Betrieb eines Tages übernehmen wird, lässt er bewusst offen. »Die Generationenfolge hat immer funktioniert. Wir werden versuchen, den Kindern den Beruf schmackhaft zu machen – die Chance liegt bei allen drei.«
Neben der Familie widmet er seine Freizeit seit 25 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr St. Andrä. »Ich gebe meine Freizeit gerne für die Sicherheit anderer«, sagt er.
Neben all den strategischen Überlegungen bleibt für Meyer eines besonders wichtig: die Nähe zum Kunden. »Wenn jemand zu uns kommt, ist die Budgetfrage entscheidend – und wir haben für jedes Budget etwas.«
Am 18. Juni lädt das Unternehmen von 10 bis 17 Uhr zum »100 Jahre Anton Meyer«-Tag. »Wir laden Interessierte ein vorbeizukommen, sich den Betrieb anzusehen, einen Blick in die Tapezierwerkstatt zu werfen und zu sehen, was hier in 100 Jahren passiert ist«, freut sich Anton Meyer auf zahlreiche Besucher.

Von Philipp Tripolt
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