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Gerhard Veidl: »Wir müssen Jugendliche auf eine schnellere Welt vorbereiten«Ausgabe 13 | Mittwoch, 25. März 2026

Gerhard Veidl (53), der Leiter des Hquadrats, spricht über den Aufbau des Schulclusters, die Bündelung von Ressourcen und welche gemeinsamen Schwerpunkte von HAK und HLW den Schülern heute geboten werden.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Cluster-Leiter Gerhard Veidl mit Bereichsleiterin Judith Schöler (3. v. l.), den Lehrern Petra Röcker (l.), Miriam Planteu (2. v. l.), Alexander Menner (hi. 2. v. l.) und den Schulsprechern, sowie deren Stellvertretern der beiden Schulen des Bildungsclusters Hquadrat. Hquadrat

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Sie leiten seit 2023 den Schulcluster Hquadrat. Wie kam es überhaupt dazu?
Die Entwicklung begann schon früher. Ab dem Schuljahr 2020/21 war ich provisorischer Leiter der HLW, während die HAK und HLW noch getrennte Schulen waren. Zwei Jahre lang liefen beide Systeme parallel. Ab September 2022 wurde ich schließlich zum Clusterleiter bestellt – zunächst provisorisch, ab November 2023 dann offiziell. Seit Herbst 2025 tritt der Schulcluster unter der Dachmarke Hquadrat auf. Ziel war von Anfang an, die Stärken beider Schulformen zu bündeln, ohne ihre Identität zu verwässern.

Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Sehr positiv. Wir konnten Ressourcen bündeln – personell wie räumlich – und dadurch die Qualität für die Schüler deutlich steigern. Besonders stolz bin ich darauf, dass die Schüler bereits im zweiten Schuljahr ihren Ausbildungsschwerpunkt wählen können. Und das schulübergreifend: HAK- und HLW-Schüler sitzen gemeinsam in den Schwerpunktgruppen. Von fünf Schwerpunkten sind in diesem Schuljahr vier zustande gekommen, was zeigt, wie gut das Konzept angenommen wird.

»Neben Schwerpunkten gibt es Freigegenstände, unverbindliche Übungen und Workshops«
Gerhard Veidl, Leiter Hquadrat

Welche Schwerpunkte stehen zur Auswahl?
Wir bieten Finanz‑ und Risikomanagement, Design und Innovation, Wellness, Sport und Gesundheit sowie Sprachen‑ und Kulturvielfalt. Ein fünfter Schwerpunkt, Nachhaltigkeit und Zukunftsmanagement, kam in diesem Schuljahr wegen zu geringer Anmeldungen nicht zustande. Damit ein Schwerpunkt startet, brauchen wir zwischen zehn und fünfzehn Interessenten. Wichtig ist: HAK und HLW bleiben eigenständige Schulformen, aber sie profitieren von gemeinsamen Angeboten.

Wie kam es zum Namen des Bildungsclusters Hquadrat?
Wir haben einen externen Designer beauftragt, eine Dachmarke zu entwickeln – ohne Vorgaben. Er kombinierte HAK und HLW zu H mal H, also Hquadrat. Der Name steht für die Verbindung zweier Schulen, die gemeinsam mehr erreichen können als allein.

Was bringt der Cluster den Schülern konkret?
Vor allem Vielfalt. Jeder Lehrer wird flexibel an beiden Schulen eingesetzt, wodurch wir ein breiteres Angebot schaffen können. Neben den Schwerpunkten gibt es Freigegenstände, unverbindliche Übungen und Workshops – von Moderation über Buchhaltung, Steuerlehre, Bartending und Tanz bis hin zur Schulband. Wir haben viele Talente im Haus, und jetzt können wir sie auch fördern. Die Schüler haben zwischen 32 und 37 Wochenstunden – und ein Angebot, das weit über den Standard hinausgeht.

»Die Koralmbahn ist ein Meilenstein. Infrastruktur allein reicht aber nicht«
Derselbe zur Koralmbahn

Wie haben die Lehrkräfte den Zusammenschluss aufgenommen?
Es war ein Prozess. Die HLW feierte bei der Gründung des Clusters im Jahr 2022 gerade ihr 40‑jähriges, die HAK ihr 50‑jähriges Bestehen. Da gibt es gewachsene Identitäten, die man nicht einfach über Nacht zusammenführt. Natürlich gab es Höhen und Tiefen. Aber mit der Zeit wurde klar, dass sich Rahmenbedingungen ändern und wir uns weiterentwickeln müssen, wenn wir den Standort langfristig sichern wollen.

Welche Kompetenzen müssen Schulen heute vermitteln?
Wir müssen Jugendlichen ein solides Rüstzeug geben: Basiskompetenzen, Flexibilität, Leistungsbereitschaft und soziale Fähigkeiten. Digitalisierung spielt eine zentrale Rolle. KI ist da und wird bleiben. Schüler müssen lernen, wie sie damit umgehen, wie sie Informationen bewerten und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Alles wird schneller – und wir müssen ihnen beibringen, Veränderungen anzunehmen. Individualität wird wichtiger, denn man kann nicht mehr alle über einen Kamm scheren.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Mittelschulen des Tals?
Wir sind seit diesem Schuljahr MINT‑zertifiziert und Teil der MINT‑Region Lavanttal. Das ermöglicht enge Zusammenarbeit mit Mittelschulen, etwa im technischen Bereich oder im Sport mit der MS St. Stefan. Solche Kooperationen stärken die Durchlässigkeit und zeigen jungen Menschen früh, welche Möglichkeiten sie bei uns haben.

Wie funktioniert die Vernetzung mit regionalen Betrieben?
Sehr gut. Wir haben Kollegen, die jeweils drei bis vier Firmen betreuen – Steuerberater, Banken, Versicherungen uvm. Es gibt Workshops, Vorträge, Schnuppertage und Firmenbesuche. Der Austausch ist regelmäßig und die Rückmeldungen sind durchwegs positiv. Praktische Einblicke sind für die Schüler enorm wertvoll.

Welche Projekte sind für Sie besonders richtungsweisend?
Erasmus‑Plus‑Projekte, kreative Schwerpunkte und sportliche Ausbildungen sind wichtig. Ebenso versuchen wir, neue Lehr‑ und Lernformen zu etablieren, damit wir immer am aktuellen Stand bleiben. Ziel ist eine solide Grundausbildung mit mehreren Möglichkeiten zur beruflichen Vertiefung – wirtschaftlich, kreativ oder sprachlich.

Welche Chancen sehen Sie durch die Koralmbahn?
Die Koralmbahn ist ein Meilenstein. Infrastruktur allein reicht aber nicht. Wenn wir wollen, dass Menschen hier bleiben, brauchen wir ein starkes Bildungsangebot – technisch, wirtschaftlich, kulturell. Das Einzugsgebiet ist groß, die Konkurrenz ebenso. Wir müssen attraktiv bleiben. Und man darf nicht vergessen: Die Koralmbahn führt nicht nur ins Lavanttal, sondern auch hinaus.

Wo soll Hquadrat in fünf Jahren stehen?
 Als starkes Bildungszentrum im Lavanttal – für Wirtschaft, Tourismus, Ernährung, Sport und Kreativität. Ein Ort, der jungen Menschen Perspektiven bietet und regionale Bedürfnisse mit nationalen Standards verbindet.

Was wünschen Sie sich von der Politik?
Dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die uns finanziell und strukturell Bewegungsfreiheit geben. Kleine Klassen – rund 15 Schüler –, mehr Flexibilität und gezielte Förderungen würden viel bewirken. Wenn die Politik verlässliche Rahmenbedingungen schafft, können wir mit unserem Angebot sehr viel bewegen.

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