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Was hat Sie persönlich dazu bewegt, in der Jugendarbeit tätig zu werden?
Nachdem ich in Graz den Zivildienst in einem Pflegewohnheim absolviert hatte, entdeckte ich meine soziale Ader. Ich begann mit dem Studium, arbeitete währenddessen schon als Familienintensivbetreuer mit jugendlichen Klienten.
Dann bot sich die Möglichkeit im Jugendzentrum Wolfsberg JUZ zu arbeiten. Dabei kam mir auch mein Interesse an Musik entgegen, da ich neben dem offenen Betrieb für die Organisation der Konzerte zuständig war. Ich konnte mein Hobby mit dem Beruf verbinden, Jugendliche auf ihrem Werdegang begleiten und bei ihnen etwas bewirken. Es war auch die Überzeugung, dass jeder junge Mensch einen Ort braucht, an dem er bedingungslos angenommen wird.
Sie sind seit 2011 im Jugendzentrum beschäftigt. Was ändert sich für Sie nun, da Sie die Leiterposition innehaben?
Durch die Leitung kommen administrative Tätigkeiten wie Organisation, Förderabwicklungen, Verantwortung über die Finanzen etc. dazu. Aber ich bin natürlich trotzdem auch noch im offenen Betrieb dabei, plane mit den Kollegen gemeinsam das Programm unserer Einrichtung und biete, wie alle in unserem Team, ein offenes Ohr für die verschiedenen Anliegen unserer Jugendlichen.
Welche Prioritäten setzen Sie?
Die Prioritäten liegen klar bei den Bedürfnissen der Jugendlichen. Es geht bei unserer Arbeit hauptsächlich darum, die Niederschwelligkeit zu erhalten: Das JUZ muss ein sicherer Hafen für alle Jugendlichen bleiben. Psychische Gesundheit: Wir müssen vermehrt Angebote zur mentalen Entlastung schaffen. Partizipation: Die Jugendlichen sollen ihr JUZ noch aktiver selbst gestalten.
Welche Themen und Sorgen begegnen Ihnen bei den Jugendlichen aktuell am häufigsten?
Dabei sind wir mit der gesamten Palette von Problemen des Heranwachsens konfrontiert. Von Beziehungskrisen, Entscheidungsfragen über den Werdegang, Probleme in der Schule oder in der Lehre, aber auch mit den Eltern – es ist wirklich alles dabei.
Mit welchen sozialen Problemen haben Jugendliche in Wolfsberg besonders zu kämpfen?
Wie in vielen ländlichen Regionen sehen wir auch hier Probleme wie Perspektivlosigkeit nach Schulabbrüchen, familiäre Konflikte, Armutsgefährdung und die Herausforderung der Mobilität – wer kein Moped oder Auto hat, ist oft isoliert.
Wie groß ist das Drogenproblem in Wolfsberg?
Das Thema Substanzkonsum existiert in Wolfsberg genauso wie in jeder anderen Stadt. Wir beobachten, dass der Konsum von illegalen Substanzen bei Jugendlichen oft ein Ventil für tieferliegende Probleme ist. Wir betreiben hier keine Kriminalisierung, sondern Schadensminimierung und Aufklärung. Leider werden die Konsumenten immer jünger, daher arbeiten wir eng mit Suchtberatungsstellen zusammen und bieten einen suchtfreien Raum, in dem man aber offen über das Thema sprechen und sich informieren kann.
Was ist Ihre Vision für das Jugendzentrum Wolfsberg in drei Jahren?
Ich hoffe, es steht noch immer in der Kirchbichlstraße 2a. Wir sind mit dem Standort sehr zufrieden, da er rund um das JUZ so viele Sportstätten und schöne Plätze gibt. Spaß beiseite: Wir werden uns gemäß den Lebensrealitäten und Wünschen der Besucher weiterentwickeln und versuchen, noch mehr Jugendliche auf unsere Einrichtung und unser Tun aufmerksam zu machen.
Dabei hoffen wir auf weitere Unterstützung der Stadtgemeinde Wolfsberg, mit der wir bis dato sehr gut zusammenarbeiten. In drei Jahren ist das JUZ Wolfsberg ein moderner, digital und analog bestens ausgestatteter Hotspot, der fest in der regionalen Bildungs- und Soziallandschaft verankert ist. Wir wollen die erste Adresse für Jugendliche sein, wenn es um Freizeitgestaltung, aber auch um Krisenbewältigung im Lavanttal geht.
Welche Angebote möchten Sie ausbauen oder neu einführen?
Als Jugend- und Kulturzentrum sind wir bemüht, für Jugendliche aber auch junge Erwachsene ein interessantes Programm zu bieten. Von Kabarett bis zu nationalen und internationalen Bands wird alles dabei sein, wobei geplant ist, für Jugendliche ermäßigte Eintrittspreise für die Kulturveranstaltungen anzubieten. Junge Bands finden bei uns die Möglichkeit kostenfrei zu proben und ihre ersten Bühnenerfahrungen zu sammeln, sie werden ins Programm eingebaut, gefördert und können sich in der Szene vernetzen. Eine weitere Neuerung, die wir kürzlich eingeführt haben, sind unsere Wochenfixpunkte. Dabei wird an jedem Tag ein spezielles Angebot gesetzt.
Was steht konkret am Programm?
Zusätzlich zu unseren wechselnden Monatsprogrammen, bei denen verschiedene Aktivitäten wie Turniere, Workshops, Konzerte etc. angeboten werden, haben wir zum zweiten Mal das »Inklusive Ferienabenteuer«-Projekt in Zusammenarbeit mit der Alpenvereins-Inklusionsgruppe und der Schule für Sozialberufe Wolfsberg bei uns. Dabei wird Betreuung für Kinder mit Beeinträchtigung angeboten. In den Ferien gibt es im Rahmen unseres Ferienprogramms besondere Angebote wie einen Skateboard-Kurs, Graffiti-Workshop, einen Insekten-Workshop, Ausflüge und den Besuch des Teams der Skatehalle Klagenfurt »Megapoint«. Dabei können den ganzen Tag die Skatepark-Sportarten ausprobiert werden. Das Team bringt Skateboards, Scooter und BMX samt Schutzausrüstung mit und erklärt und führt in die jeweilige Sportart ein.
Außerdem werden wir einen Tag der offenen Tür veranstalten, bei dem sich Leute allen Alters das JUZ ansehen und veraltete Klischees ausgeräumt werden können.
Sie sagen, sie betreiben offene Jugendarbeit. Was bedeutet das genau?
Offene Jugendarbeit basiert auf vier Grundprinzipien: Freiwilligkeit, Offenheit, Lebensweltorientierung und Partizipation. Zu uns kann jeder Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren kommen – ohne Anmeldung, ohne Mitgliedsbeitrag, ohne Konsumzwang und ohne Leistungsdruck. Wer nur auf der Couch sitzen und am Handy spielen will, darf das. Wer ein tiefes Gespräch braucht, bekommt es. Wer einfach nur unsere Angebote nutzen will, kann das machen.
Kommen auch Jugendliche aus anderen Gemeinden?
Ja, absolut. Wolfsberg ist der zentrale Knotenpunkt im Lavanttal. Durch die Schulen und die Infrastruktur zieht es auch Jugendliche aus den umliegenden Gemeinden von Bad St. Leonhard bis Lavamünd zu uns, besonders an den Wochenenden oder am Nachmittag nach der Schule. Den Skatepark nützen teilweise auch Personengruppen, die aus der Steiermark oder von weiter weg anreisen.
Welche Rolle spielen Social Media, Gaming und digitale Räume in Ihrer Arbeit?
Eine große Rolle. Digitale Räume sind für Jugendliche reale Lebensräume. Wir verteufeln das nicht, sondern holen sie dort ab. Wir nutzen die sozialen Medien, die sie gerade nutzen, um mit ihnen zu kommunizieren, und nutzen Gaming im JUZ als Beziehungsmedium. Gleichzeitig klären wir über Cybermobbing, Fake News und Mediensucht auf.
Wie gelingt es, Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und Lebensrealitäten zusammenzubringen?
Indem wir gemeinsame Nenner schaffen. Beim Billard, Balanka, Gaming oder beim gemeinsamen Kochen ist es völlig egal, woher jemand kommt oder welches Budget die Eltern haben. Wir achten penibel auf einen respektvollen Umgang. Im JUZ gelten klare Regeln gegen Diskriminierung und Gewalt jeglicher Art. Das gemeinsame Erleben baut Vorurteile schneller ab als jede theoretische Belehrung.
Welche Rolle spielt Ihre persönliche Verbindung zur Region in Ihrer Arbeit?
Ich bin selbst im Lavanttal aufgewachsen und bin wieder hergezogen, weil es wunderbar ist, hier groß zu werden. Das möchte ich auch meiner kleinen Tochter bieten. Beruflich ist es ein Vorteil, die Region und die lokalen Strukturen – Schulen, Vereine und Betriebe – zu kennen. Vernetzung und Vertrauensaufbau fallen so viel leichter.
Wie möchten Sie das Team im Jugendzentrum weiterentwickeln?
Uns ist Vernetzung und kontinuierliche Weiterbildung extrem wichtig, besonders in den Bereichen psychische Gesundheit und digitale Medien. Dabei nutzen wir immer wieder die Fortbildungs- und Vernetzungsangebote des Netzwerks für Offene Jugendarbeit Kärnten und des bundesweiten Dachverbands Boja. Bei uns gibt es flache Hierarchien, wobei jedes Teammitglied seine individuellen Stärken und Hobbys – sei es Musik, Sport oder Handwerk – in die Arbeit einbringen kann.
Welche Wünsche und Ideen bringen die Jugendlichen selbst am häufigsten ein?
Meistens geht es um ganz praktische Dinge: Längere Öffnungszeiten am Wochenende, mehr Ausflüge, Veranstaltungswünsche, besseres WLAN oder die Anschaffung von neuen Konsolenspielen oder Sportgeräten. Manchmal wünschen sie sich aber auch einfach einen Raum, in dem sie ungestört laute Musik hören und sich aufhalten können.
Was braucht moderne Jugendarbeit, um auch in den nächsten Jahren relevant zu bleiben?
Jugendliche verändern ihr Verhalten recht schnell. Wir dürfen als Institution nicht starr werden. Wir müssen dorthin gehen, wo die Jugendlichen sind und auch hinausreichende Jugendarbeit forcieren. Und wir brauchen die nötigen finanziellen und personellen Ressourcen, um mit den gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten. Jugendarbeit ist eine Investition in die Zukunft der gesamten Gemeinde.

Von Michael Swersina
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