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Sie haben mit 1. Feber die Funktion des Geschäftsführers der Fresenius Kabi Austria sowie des Standortleiters in Graz übernommen. Können Sie uns kurz etwas über Ihren bisherigen Karriereweg erzählen?
Ich bin im Lavanttal aufgewachsen und habe an der HTL Wolfsberg maturiert. Rückblickend war das eine prägende Zeit. Dort lernt man nicht nur Technik, sondern auch eine bestimmte Art zu denken: Dinge genau anschauen, verstehen wollen – und dann eine Lösung finden. Danach habe ich Elektrotechnik mit Schwerpunkt Biomedical Engineering an der TU Graz studiert und für meine Dissertation an der Macquarie University in Sydney geforscht. Das war fachlich und persönlich bereichernd: Diese Grundentspanntheit der Australier täte uns allen hier gut.
Neben dem Studium und schon in den Schulferien habe ich in sehr verschiedenen Jobs gearbeitet, um mir vieles zu finanzieren. So habe ich gekellnert, in Schlossereien sowie im Regionaljournalismus gearbeitet und bin Warentransporte für eine Baumarktkette gefahren. Ich habe sehr, sehr viele Tage auf Baustellen verbracht. Das waren teils konträre Welten, und genau das war wertvoll: Man begegnet vielen Menschen und sieht, wie verschieden Arbeit aussehen kann. Diese Erfahrungen helfen, eine gewisse Bodenhaftung zu behalten – und das begleitet mich bis heute.
Was hat Sie ursprünglich in die Pharma bzw. Gesundheitsbranche geführt?
Seit meinen Praktika bei Hermes Pharma in Wolfsberg während meines Studiums wusste ich, wie sorgfältig und präzise in dieser Branche gearbeitet wird. Im Berufsleben bin ich der Gesundheits- und Pharmaindustrie von Anfang an treu geblieben: Ich bin seit 13 Jahren in der Fresenius Kabi tätig, in verschiedenen Funktionen – von der technischen Projektleitung über globale Digitalisierungsprogramme bis hin zur Produktionsleitung in Graz. Mich fasziniert die Verbindung aus Technologie, Wissenschaft und medizinischer Anwendung. Das jetzt als Geschäftsführer mitgestalten und verantworten zu dürfen, ist extrem spannend.
Können Sie das international tätige Unternehmen Fresenius Kabi unseren Lesern vielleicht kurz vorstellen?
Fresenius Kabi ist Teil des Gesundheitskonzerns Fresenius, gegründet 1912. Die Produkte, Technologien und Dienstleistungen des Unternehmens werden für die Therapie und Versorgung kritisch und chronisch kranker Patienten eingesetzt. Jährlich verbessern wir das Leben von rund 450 Millionen Menschen weltweit mit unserer Gesundheitsversorgung.
Wie viele Mitarbeiter gibt es weltweit und in Österreich?
Fresenius Kabi zählt mehr als 41.000 Mitarbeitende in über 100 Ländern. In meiner Rolle als Geschäftsführer bin ich für alle in Österreich verantwortlich, das sind rund 1.800 Beschäftigte an unseren vier Standorten in Graz – hier liegt auch das Hauptquartier –, Werndorf, Grambach und Linz.
Welche zentralen Aufgaben übernehmen Sie als neuer Standortleiter in Graz?
Ich übernehme das Produktionswerk in Graz und zusätzlich mit meinem Co-Geschäftsführer für Österreich, Michael Mayr, die Geschäftsführung der Fresenius Kabi Austria. In Graz bin ich für das operative Geschäft zuständig, das heißt gesamtverantwortlich für Produktion, Qualität und Sicherheit sowie für die strategische Weiterentwicklung des Standorts. Mit einem klaren Anspruch: die verlässliche und sichere Versorgung von Patienten. Sie gibt unserem Handeln Sinn und Richtung.
Was wird am Grazer Standort produziert?
Graz ist ein hoch spezialisierter Produktionsstandort für sterile Arzneimittel mit langjähriger Expertise und modernsten Technologien. Zu den Kernkompetenzen gehören die Herstellung intravenös verabreichter Medikamente wie Anästhetika, Analgetika sowie großvolumiger Infusionslösungen für Ernährung und Diagnostik. Zudem gewinnt die Produktion von Biosimilars (Anm.: Ein Nachahmerprodukt eines Biopharmazeutikums, das nach Ablauf der Patentzeit des Originalwirkstoffs zugelassen wird) zunehmend an Bedeutung. Das Werk Graz beliefert sowohl Österreich als auch Märkte weltweit auf allen fünf Kontinenten.
Gibt es auch Lavanttaler, die am Standort in Graz arbeiten?
Ja, mehrere – man erkennt es am Dialekt. Das klingt nach daheim.
Gibt es ein Erlebnis oder eine Person, die Ihren Lebensweg besonders beeinflusst hat?
Es waren über die Jahre vor allem viele Begegnungen. Und ich hatte immer einen starken Rückhalt in meiner Familie.
Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre abseit ihrer Karriere gesetzt?In de
n vergangenen Jahren hat sich viel getan – Hausbau, Kind und auch beruflich. Sie waren von sehr viel Arbeit geprägt. Das, was wir geschaffen haben, will ich jetzt mit meiner Frau, die auch aus dem Lavanttal kommt, und unserem kleinen Sohn genießen. Er hilft mir, die Dinge im richtigen Maß zu sehen.
Welche Rolle spielt das Lavanttal heute noch in Ihrem Leben?
Ein große. Unsere Familien leben dort, ich bin etwa einmal im Monat im Tal. Die Landschaft ist wunderschön, ich schätze auch die Gediegenheit der Menschen.
Welche Hobbys oder Ausgleichsaktivitäten helfen Ihnen, den Kopf frei zu bekommen?Am b
esten funktioniert es draußen. Wandern, Laufen, Radfahren – Bewegung in der Natur. Wenn Zeit bleibt – oder es einen Anlass gibt – backe ich ganz gerne. Und ich bin schon draufgekommen, dass ein Haus und ein Garten nie fertig werden. Das erdet zwar ungemein. Ruhephasen liegen mir allerdings überhaupt nicht. Leider.
// Zur Person
Alexander Hohl (43) ist in Wolfsberg aufgewachsen und hat an der HTL maturiert. Danach hat er Elektrotechnik an der Technischen Universität Graz mit Fokus auf Biomedical Engineering & Healthcare studiert und promovierte in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Graz.
Seine Karriere bei Fresenius begann im technischen Projektmanagement für Produktion und Verpackung in Graz. Hohl ist seit 13 Jahren in unterschiedlichen leitenden Funktionen innerhalb des Fresenius Kabi-Konzerns in Österreich und auf internationaler Ebene tätig. Zu seinen bisherigen Stationen zählen unter anderem die Position als Produktionsleiter im Werk Graz sowie globale Rollen mit Schwerpunkt Digitalisierung und Transformation.
Hohl ist verheiratet und hat mit seiner Frau Margot ein Kind.

Von Michael Swersina
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