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Neo-Landeschef Fellner: »Das Lavanttal hat sich zu einem wichtigen Produktionsstandort entwickelt«Ausgabe 16 | Mittwoch, 15. April 2026

Am 8. April wurde der Lavanttaler Daniel Fellner (49, SPÖ) als neuer Kärntner Landeshauptmann angelobt. Im Interview erzählt er, welche Projekte er bis zur Wahl 2028 umsetzen möchte, die Zusammenarbeit im Landtag und wie er den ländlichen Raum stärken will.

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Sie sind nach Christof Zernatto (ÖVP), der von 1991 bis 1999 Landeshauptmann war, der zweite Landeschef, der aus dem Lavanttal kommt. Wie sehr hat Sie Ihre Herkunft aus dem Lavanttal geprägt?
Kärnten ist ein großartiges Land, das Lavanttal eine traditionsreiche und gleichzeitig zukunftsfähige Region. Ich würde sagen, diese beiden Aspekte sind die Grundlage meines Zugangs zur Politik. Eine Politik für Kärnten kann nämlich genau daraus ihre Stärke ziehen,  indem sie Bewährtes erhält und schützt und gleichzeitig mutig in neue Chancen investiert. Gewachsene Strukturen, regionale Identität und Zusammenhalt bilden ein stabiles Fundament, auf dem Innovation und Weiterentwicklung aufbauen können.

Sie haben als Landesrat dafür gesorgt, dass es stets reichlich finanzielle Unterstützung für das Lavanttal gab. Werden Sie das auch als Landeshauptmann so beibehalten?
Dafür gibt es ein ganz deutliches Ja. Als Landeshauptmann ist es mir ein Anliegen, mich dafür einzusetzen, dass alle Regionen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, um sich gut weiterentwickeln zu können. Wir müssen öffentliches Geld, also jenes Geld, das wir für die Menschen in unserem Land verwalten, gezielt dort einsetzen, wo es Arbeitsplätze schafft, Lebensqualität sichert und Zukunftsperspektiven eröffnet.

Sie übernehmen das Amt in einer schwierigen Phase. Welche Prioritäten setzen Sie in den ersten 100 Tagen?
In den ersten 100 Tagen geht es mir darum, Orientierung zu geben und Vertrauen zu schaffen und vor allem das Positive hervorzuheben. Wir müssen stolz sein auf Kärnten, auf das, was bereits gelungen ist, und wir müssen daran weiterarbeiten. Kärnten soll ein sicherer Ort sein, an dem Zusammenhalt wächst und alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben. Null Toleranz gibt es für Gewalt, besonders gegenüber Frauen und Kindern. Gleichzeitig werden wir Integration klar und fair gestalten: Wer hier lebt, muss unsere Werte teilen und seinen Beitrag leisten. Ich will Regeln vereinfachen, Chancen für Wirtschaft und Arbeitsplätze nutzen und dabei nachhaltig handeln. 

Welche drei konkreten Projekte wollen Sie bis zur Landtagswahl 2028 unbedingt umgesetzt haben?
Der Technologiepark St. Paul ist ein strategisch wichtiges Zukunftsprojekt, dessen Umsetzung ein entscheidender Impuls für die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung Kärntens und des Lavanttals ist. Ein weiteres wichtiges Ziel ist der Paradigmenwechsel im Bereich der Pflege, denn sie darf kein Gewinn für Betreiber sein, sondern muss ein Gewinn für die Menschen werden. Ich freue mich außerdem auch schon sehr auf den Spatenstich für das Jahrhundertprojekt Wasserschiene. Sie steht für Versorgungssicherheit und den Schutz wertvoller Ressourcen. Das sind einige von vielen Projekten und Ideen, die ich schnellstmöglich in Umsetzung bringen will. 

Wie wollen Sie sicherstellen, dass Kärnten wirtschaftlich konkurrenzfähig bleibt – insbesondere im ländlichen Raum?
Es braucht eine gute Kombination aus Investitionen und kluger Standortpolitik. Dabei geht es freilich um die Stärkung der Infrastruktur, um Digitalisierung und Innovation. Ich sehe aber vor allem in den Möglichkeiten der Bildung und Ausbildung eine ganz große Chance für den Wirtschaftsstandort Kärnten. Mein Ziel ist es, dass in einigen Jahren jeder weiß, dass die klügsten Köpfe in Kärnten zu finden sind. Das wird auch der Grund sein, warum sich Unternehmen hier niederlassen: Kärnten hat sich seine Fachkräfte ausgebildet, die überall anders händeringend gesucht werden.

Wie hat sich das Lavanttal aus Ihrer Sicht in den vergangenen zehn Jahren verändert und wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf für die Region?
Das Lavanttal hat sich zu einem wichtigen Produktionsstandort mit vielen Leitbetrieben entwickelt. Das macht sich auch in den jüngsten Arbeitslosenzahlen bemerkbar, die entgegen dem Österreich-Trend gesunken sind. Die Koralmbahn eröffnet der Region jetzt zusätzlich völlig neue Möglichkeiten. Eines der wichtigsten Zukunftsprojekte ist in diesem Zusammenhang wie schon erwähnt der Technologiepark in St. Paul im Lavanttal. 

Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit ÖVP und FPÖ im Kärntner Landtag und wo sehen Sie derzeit die größten politischen Konfliktlinien?
Die Koalition mit der ÖVP ist eine sehr stabile, die auf Verlässlichkeit und gemeinsamer Verantwortung für Kärnten basiert. Die Zusammenarbeit mit der FPÖ im Landtag ist klar in der Rolle der Opposition verankert. Dort, wo Vorschläge konstruktiv sind und dem Land nützen, unterstützen wir sie selbstverständlich. Gleichzeitig gibt es in zentralen Fragen, wie etwa bei Europa und dem gesellschaftspolitischen Zusammenhalt, deutliche inhaltliche Unterschiede. Mein Zugang ist: klare Haltung zeigen, aber im Ton respektvoll bleiben und immer das gemeinsame Interesse Kärntens in den Mittelpunkt stellen. Diskutieren und am Ende einen Kompromiss finden, so wie in jeder guten Familie auch. Konfliktlinien sind dazu da, um sie zu überwinden. 

Wie gehen Sie mit Kritik aus den Reihen von FPÖ und ÖVP um?
Wenn Kritik Substanz hat, kann sie dabei helfen entweder die eigene Position zu stärken oder nachzuschärfen. Daher unterscheide ich ganz klar zwischen konstruktiver Kritik von Menschen, die mich anhand meiner Arbeit beurteilen, und parteipolitischer Zuspitzung. Letztere soll nur nie dazu führen, dass die Zusammenarbeit für Kärnten blockiert wird.  

»Der Technologiepark in St. Paul ist ein strategisch wichtiges Zukunftsprojekt«
Daniel Fellner, Landeshauptmann

Sie haben in der Vergangenheit gesagt, dass Sie sich auch eine Koalition mit der FPÖ in Kärnten vorstellen können. Rechnen Sie mit so einer Koalition nach der nächsten Landtagswahl?
Ich habe gesagt, dass ich eine Zusammenarbeit mit der FPÖ nicht kategorisch ausschließe. Mir ist die Weiterentwicklung Kärntens wichtig. Es braucht klare gemeinsame Ziele, Verlässlichkeit und Verantwortung für Kärnten. Wo diese Voraussetzungen gegeben sind, sollte man im Sinne des Landes Lösungen nicht von vornherein ausschließen.

Wie würden Sie Ihr Arbeitsverhältnis mit dem SPÖ-Bundesparteivorsitzenden Andreas Babler beschreiben?
Persönlich wertschätzend und in der Sache eng abgestimmt. Uns verbinden nicht nur politische Ziele, sondern auch ein ähnlicher Zugang zu Politik: nah bei den Menschen, klar in sozialen Fragen und mit einem starken Gerechtigkeitsanspruch.

Wo vertreten Sie gegenüber der Bundes-SPÖ bewusst eine eigenständige Kärntner Linie?
Auch wenn uns dieselben Werte einen, so habe ich es immer schon als meine Aufgabe gesehen, maßgeschneiderte Lösungen für Kärnten zu forcieren. Wenn es beispielsweise um leistbare Energie, um Arbeitsplätze oder um die Stärkung des ländlichen Raums geht, müssen wir auf Herausforderungen gezielt reagieren können. 

Wie wollen Sie die Asylpolitik des Landes in den kommenden Jahren gestalten?
Die Gesetze der Republik Österreich gelten für alle. Wir werden keine Parallelregeln dulden, keine Lebensformen, die gegen unsere Grundrechte verstoßen. Wer in unser Land kommt und die Pflichten annimmt, ist auch in Zukunft herzlich willkommen. Dabei sehe ich das Erlernen unserer Sprache als ersten wichtigen Schritt. Das gilt auch für gemeinnützige Arbeit, sie ist eine nicht verhandelbare Bedingung und ein wichtiger Schritt zur Integration. Mit der »Kärntner Hausordnung« stellen wir das klar. Sie ist aber nur Teil einer neuen und ganz klaren Richtung, die Kärnten in der Asylpolitik einnehmen wird. 

Sie haben Anfang März via Facebook-Posting an Babler und Kanzler Christian Stocker einen Spritpreisdeckel gefordert. Wie waren die Reaktionen, und würden Sie das noch einmal machen?
Ich habe sehr viel Zustimmung aus der Bevölkerung, die unter den hohen Kosten leidet, bekommen. Natürlich gab es auch kritische Stimmen, aber die gehören zu einem politischen Diskurs. Daher kann ich nur sagen: Ja, ich werde mich immer wieder stark machen, wenn es darum geht, die Menschen zu entlasten. Ihnen allein bin ich verpflichtet. Dabei zählt jeder Euro, der der Kärntner Bevölkerung am Ende in der Tasche bleibt. 

Gibt es Freundschaften aus Ihrer Schul- und Jugendzeit im Lavanttal, die Sie bis heute begleiten?
Da gibt es viele, ich bin stark verwurzelt im Lavanttal. Eine meiner längsten und engsten Freundschaften, trotz Verwandtschaftsverhältnis, ist aber die zu Tommy Schmid. Uns verbinden unzählige gemeinsame Erlebnisse, er ist ein Freund, auf den ich mich verlassen kann, und dafür bin ich ihm dankbar.  

In der Vergangenheit waren Sie auch musikalisch unterwegs. Sie waren Mitglied der Lavanttaler Vokalformation Voiceberg. Planen Sie auch als Landeshauptmann, sich wieder musikalisch zu betätigen?
Jedes Kapitel hat seine Zeit. Ich werde mich jetzt voll darauf konzentrieren, den Takt auf politischer Ebene anzugeben, gesungen wird dann das eine oder andere Mal hoffentlich innerlich. 

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