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Wie ist das Fest der Barmherzigkeit in Wolfsberg entstanden und welche Motivation stand vor zehn Jahren hinter der Einführung?
Mein Herz ist erfüllt von der Sehnsucht, alle mir anvertrauten Menschen im Glauben an Gott zu stärken. Im deutschsprachigen Raum gibt es viele große Gebetsveranstaltungen wie »Adoratio« in Altötting, das »Pfingstfest« in Salzburg, das »Jugendtreffen« in Kremsmünster oder die »MEHR-Konferenz« in Augsburg und viele weitere, die zahlreiche Menschen anziehen und zeigen, wie attraktiv und lebendig eine persönliche Gottesbeziehung sein kann. So entstand das Fest »Ocean of Mercy« in Wolfsberg, das inzwischen auch in Österreich zu einem wichtigen Fixpunkt und Begriff geworden ist.
»In einer Welt voller Verwirrung und Unfrieden sehnen sich die Menschen nach Halt«
Christoph Kranicki, Stadtpfarrer Wolfsberg
Welche Personen oder Gruppen haben das Fest in den vergangenen zehn Jahren besonders geprägt oder getragen?Es gibt zwei Gruppen, die hier besonders erwähnt werden sollten: Zum einen das Kernteam, bestehend aus Menschen aus dem Lavanttal, die selbst stark an Gott glauben und diese Erfahrung weitergeben möchten. Zum anderen unsere Gäste – jedes Jahr besondere Persönlichkeiten, die von ihrer Gotteserfahrung berichten. Das ist für uns stets ein großes Geschenk.
Wie hat sich das Fest im Laufe der Jahre verändert?
Begonnen haben wir ohne Namen; mit der Zeit entstand der Titel »Ocean of Mercy«, weil uns bewusst wurde, dass Gott an diesen beiden Tagen unzählige Gnaden schenkt. Ins Vorbereitungsteam kamen einige junge Menschen, darunter die U-Turn Band aus Graz – eine Gruppe von Jugendlichen, die sich regelmäßig trifft, um zu beten, Katechismus zu lesen und durch Lobpreis Gott zu ehren. Ich denke, wir haben uns aus der Phase des »Suchens« heraus zu einem klaren Profil entwickelt und sind sehr stark zusammengewachsen. Seit einigen Jahren bieten wir auch ein eigenes Kinderprogramm und ein Angebot für Familien an.
Gab es Momente oder Entwicklungen, die für Sie persönlich zu Wendepunkten in der Geschichte dieses Festes wurden?
Jedes Jahr spüre ich große Dankbarkeit von Menschen aus nah und fern, die hier etwas Besonderes erfahren und gestärkt nach Hause zurückkehren. Wir werden jedes Jahr von Gott reichlich beschenkt. Besonders bewegend war für mich persönlich das Zeugnis von Torsten Hartung – einem Mörder, der sich bekehrt hat und nun stark an Gott glaubt –, sowie der Besuch von Andreas »Boppi« Boppart aus der Schweiz mit seinem beeindruckenden Vortrag damals im Jahr 2019.
Wie hat sich die Teilnahme der Gläubigen über die Jahre entwickelt — eher wachsend, stabil oder schwankend?
In den ersten Jahren wuchs das Fest stark an. Dann kam das Jahr 2020 mit der Corona-Pandemie. Doch Bischof Josef Marketz kam trotzdem nach Wolfsberg und hat in der leeren Markuskirche die Heilige Messe gefeiert, die online gestreamt wurde. 2021 starteten wir neu, und wir können inzwischen von rund 1.000 Teilnehmenden an beiden Tagen – Samstag und Sonntag – sprechen.
Was ist heuer zum zehnjährigen Jubiläum besonders oder neu — liturgisch, musikalisch oder organisatorisch?
Das absolute Highlight in diesem Jahr sind unsere Gäste, die als Publikumsmagnete wirken. Unter anderem Johannes Hartl – ein renommierter Buchautor, Gründer des Gebetshauses in Augsburg und Initiator der »MEHR-Konferenz«. Viele kommen allein wegen ihm nach Wolfsberg. Außerdem Professor Ralph Weimann aus Rom, Schwester Kerstin Oswald aus Medjugorje und der Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana, als Vertreter des Papstes – eine besondere Ehre – sowie viele weitere. All das wird diese zwei Tage zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.
Welche Schwerpunkte möchten Sie heuer setzen, und warum gerade diese?
Der einzige »Schwerpunkt« jedes Jahr ist Gott selbst. Er steht im Zentrum dieses Festes. Alles, was an den beiden Tagen geschieht, dient ihm und dem Ziel, allen Teilnehmern, egal ob sie der Kirche nahe- oder fernstehen, eine tiefe und persönliche Begegnung mit ihm zu ermöglichen. Er schenkt uns Lebendigkeit und Fruchtbarkeit – deshalb wächst dieses Fest: weil er allein im Mittelpunkt steht, nicht wir als Team.
Was können die Besucher heuer konkret erwarten — sowohl spirituell als auch gemeinschaftlich?
Wie bereits erwähnt, gibt es Impulse von sehr bekannten und renommierten Speakern, die wirklich viel Inspirierendes zu sagen haben. An beiden Tagen wird ein vielfältiges Programm angeboten, das einfach auf unserer Webseite, im Markusblatt oder in Schaukästen zu finden ist. Für mich persönlich ist immer der Abend der Barmherzigkeit unglaublich berührend – diesmal beginnt er am Samstag, 11. April, um 19.30 Uhr und endet gegen 22 Uhr. Niemand sollte Angst vor solchen Momenten haben, in denen Gott hautnah erfahrbar wird. Das ist etwas Wunderschönes und Stärkendes!
Wie wichtig ist Ihnen die Verbindung zwischen Barmherzigkeit als theologischer Botschaft und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Wolfsberg?
Wichtig ist zu unterscheiden, dass dieses Fest nicht der menschlichen, sondern der göttlichen Barmherzigkeit gewidmet ist. Es geht also nicht um unsere Hilfsbereitschaft oder darum, wie barmherzig wir Menschen sind, sondern um Gott und seine Barmherzigkeit – um unsere Bedürftigkeit und seine Erlösungskraft. Abgesehen von diesem Begriff »Barmherzigkeit« bin ich überzeugt, dass dieses Fest mit so viel Lobpreis und so vielen Gebetsstunden enorme Auswirkungen auf unsere Stadt hat. Die Gnaden, die Gott schenkt, bleiben nicht in den Kirchenmauern, sondern berühren viele Herzen, vor allem unsere Jugend, die nach Klarheit und Orientierung sucht und sich immer mehr für den Glauben interessiert.
Wie sind die diesjährigen Osterliturgien und -feiern – von der Karwoche bis zur Osternacht – aus Ihrer Sicht verlaufen?
Wir pflegen in Wolfsberg eine schöne Liturgie. Ein großes Team bemüht sich, die Karwoche so würdevoll wie möglich zu gestalten – Gründonnerstag, Karfreitag, und die Osternacht. Wenn ich nach dem Osterwochenende viele Nachrichten erhalte, wie »Ich hatte Gänsehaut«, »Ich war zutiefst bewegt und berührt« oder »Ich habe Gottes Wärme und Nähe tief im Herzen gespürt«, dann weiß ich, dass Gott am Werk ist. Das erfüllt mich immer wieder mit großer Demut.
Wie war die Beteiligung bei Ostermessen und Speisesegnungen — eher höher, niedriger oder ähnlich wie in den Vorjahren?
Seit dem Jahr 2020 beobachte ich konsequent steigende Zahlen der Kirchenbesucher und sinkende Zahlen der Kirchenaustritte. Vor allem viele junge Menschen im Lavanttal entscheiden sich neu für den Glauben und sind aktiv dabei – am Ostermontag durfte ich einen Jugendlichen taufen. Ich kenne zahlreiche Jugendliche in Wolfsberg, die sich zur Kirche und zu Gott bekennen, Gottesdienste besuchen und beten – auch wenn die Familie dies nicht besonders unterstützt. Es kommt eine neue Generation von Christen auf, die nicht mehr unsicher oder schwankend ist.
Welche Gründe sehen Sie für den wachsenden Zuspruch zur katholischen Kirche und bei der Teilnahme am Osterfest — gesellschaftliche Trends, Wetter, Familienstrukturen, Glaubensleben?
In einer Welt voller Verwirrung und Unfrieden sehnen sich die Menschen nach Halt, Beständigkeit und Klarheit. Und das schenkt uns Gott durch seine Kirche – wir brauchen die 2.000 Jahre alte Linie, die Gebetsformen und die Sakramente mit enormer theologischer und intellektueller Tiefe. Vor allem brauchen wir Jesus in der Eucharistie – in seinem Leib – und das kann man zu Hause privat nicht selbst »machen«.
In Detroit (USA) wurden zu Ostern 2026 über 1.428 Menschen in die katholische Kirche aufgenommen, weil sie bewusst entschieden haben: »Ich will katholisch werden.« Während viele über den Niedergang der Kirche reden, schreibt Gott selbst aber eine eigene Geschichte.
Was nehmen Sie persönlich aus dem heurigen Osterfest mit — spirituell, pastoral oder organisatorisch?
Je mehr Jesus in diesen Tagen im Zentrum steht, desto reichlicher werden wir beschenkt. Traditionen sind wichtig, aber nur, wenn sie unserem Glauben dienen. Die Osterjause mag den Bauch voll machen, aber nur Gott kann das Herz wirklich erfüllen.

Von Michael Swersina
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