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Sie werden am 25. April 60 Jahre alt. Wenn Sie zurückblicken: Was hat Sie geprägt?
Es war immer die Kombination aus Arbeit und Fußball. Das hat mein Leben bestimmt. Ich bin meistens den schwierigeren Weg gegangen, aber der liebe Gott hat mich gut geführt. Viele Entscheidungen, die ich getroffen habe, sind gut ausgegangen. Dafür bin ich dankbar. Negatives gab es wenig – und wenn, haben wir es gut gelöst. Heuer feiern wir außerdem 30 Jahre RZ. In der gesamten Gruppe beschäftigen wir rund 900 Mitarbeiter, mit Leasingpersonal über 1.000. Das Kerngeschäft umfasst Pelletsproduktion, Kraftwerke und Sägewerke. Insgesamt bestehen wir aus 23 Einzelunternehmen – die meisten in Österreich, dazu Werke in Italien, Kroatien, Rumänien und Slowenien. Wenn man das so ausspricht, wird einem erst bewusst, was in drei Jahrzehnten entstanden ist.
Gab es einen Moment, in dem klar war, wohin Ihr beruflicher Weg führt?
Eigentlich gleich nach der HTL in Wolfsberg. Für mich war klar, dass ich nicht studieren, sondern direkt in den Beruf einsteigen werde. Ich begann im Kesselbau bei der Firma Urbas in Völkermarkt. 1990 lernte ich Otto Zechmeister kennen, wir arbeiteten an mehreren Projekten zusammen und machten uns 1995 selbstständig. Otto und ich starteten als Planungsbüro und planten in ganz Europa Biomassekraftwerke – rund 70 Anlagen und etwa 700 Heißwasseranlagen. Im Jahr 2000 bauten wir unser erstes eigenes Kraftwerk in Bad St. Leonhard. Für mich als gebürtigen Bad St. Leonharder war das ein besonderer Meilenstein.
Wie hat sich RZ Pellets durch die Veränderungen der Energiebranche manövriert?
Wir waren immer auf grüne Energie spezialisiert – Pellets und Ökostrom. Mit 30 Jahren Erfahrung haben wir einen Vorsprung. Wichtig sind unsere drei Standbeine: Strom, Pellets und Sägewerke. Die Synergien sind entscheidend. Der Rohstoff kommt aus dem Wald, und wir verwerten vom Baum alles: Rinde wird verheizt, Bretter weiterverarbeitet, Sägerestholz pelletiert.
Was motiviert Sie nach all den Jahren noch?
Es macht riesigen Spaß, weil wir immer neue Ideen haben. Jetzt arbeiten wir an großen Energiespeichern, die wir heuer erstmals realisieren wollen. Wir planen Schnellladestationen für Pkw und Lkw und bekommen in Wiesenau Elektro‑Lkw für die Hauszustellung.
Unsere Kraftwerke erzeugen rund 350.000 Megawattstunden Strom in Österreich und 300.000 Megawattstunden im Ausland. 150.000 Megawattstunden brauchen wir selbst, 500.000 Megawattstunden verkaufen wir – an der deutschen Börse oder direkt an Endkunden. Wenn man ständig Neues auf die Beine stellt, bleibt die Motivation automatisch hoch. Und es gibt immer etwas zu verbessern: Wirkungsgrade, Prozesse, Standorte.
Wie kamen Sie zum Fußball – und schließlich zum WAC?
Fußball war immer meine große Leidenschaft. Ich begann im Nachwuchs in Bad St. Leonhard, spielte später in der Kampfmannschaft und wechselte 1988 für ein Jahr zum WAC. Wir stiegen damals in die zweite Division auf, aber beruflich war ich so ausgelastet, dass ich nicht mitgehen konnte. Ich wechselte zum ATSV und beendete dort mit 27 meine Karriere.
Mit 30 begann ich in St. Andrä wieder – in der 1. Klasse. Wir marschierten bis in die Kärntner Liga durch. Mit 33 wurde ich Präsident, mit 34 hörte ich als Spieler auf.
Wie kam es dazu, Verantwortung beim WAC zu übernehmen?
Ich wurde gefragt, ob ich Präsident werden möchte. Zuerst lehnte ich ab, aber Horst Nößler und Klaus Pauscha haben mich überredet. Dann sagte ich: »Gut, ich mach’s.« Und ich habe immer versucht, aus den Gegebenheiten das Beste herauszuholen.
Worauf sind Sie beim WAC besonders stolz?
Ich wollte der Jugend im Lavanttal eine Vision geben: dass man hier Bundesliga spielen und Profifußballer werden kann. Mein Ziel war immer die zweite Liga – dass wir in die Bundesliga aufsteigen, hätte ich nie gedacht. Die Europacupspiele waren etwas Besonderes, Gladbach bleibt unvergessen. Und natürlich der Cupsieg – so etwas passiert nicht alle Jahre. Viele renommierte Vereine laufen diesem Titel bis heute nach.
Was waren die größten Herausforderung?
Wir sind eine Region ohne große Industrie. Wir sind dankbar für jeden, der den WAC unterstützt. Jedes Jahr müssen wir das Budget neu aufstellen – durch Spielerverkäufe oder internationale Auftritte. Das Stadion gehört der Stadt, aber alles, was wir für die Bundesliga brauchten – wie die Tribüne, Flutlichtanlage, Rasenheizung, VIP-Bereich – mussten wir selbst finanzieren. Die Infrastruktur ist nach wie vor ein großes Thema. Jetzt stehen wir an einem Punkt, an dem etwas passieren muss: zusätzliche Trainingsplätze, ein geschlossenes Stadion, eine Akademie in Wolfsberg. Die Bundesliga wird die Anforderungen erhöhen.
Im Vorjahr spielte der WAC um den Meistertitel mit und wurde Cupsieger. Bis zum Abgang von Didi Kühbauer als Trainer lag der WAC auf dem zweiten Tabellenplatz, nun befindet man sich im Abstiegskampf. Wie kam es dazu?
Da sieht man, dass sich sehr viel im Kopf abspielt. Kühbauer hat sicher auch verstanden, die Mannschaft zu motivieren. Es kommt immer drauf an, wie man mit dem Team umgeht. Ich glaube, dass viele von Kühbauer enttäuscht waren und noch immer Zeit brauchen, sich zurechtzufinden. Ich hoffe, dass mit Thomas Silberberger die Diskussion beendet ist und Ruhe einkehrt. Wir hatten eigentlich mit den Trainern immer ein glückliches Händchen bewiesen. In den 14 Jahren, in denen wir in der Bundesliga sind, haben wir viele Trainer verkauft.
Die Qualität der Mannschaft ist da, es wird gut trainiert, aber es muss am Platz umgesetzt werden. Dazu kam viel Pech: rote Karten, aberkannte Tore, Elfmeter gegen uns. Da läuft manchmal alles gegen einen.
Ihr Frau Waltraud ist ständig an Ihrer Seite. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Am Fußballplatz. Ich spielte beim SV Bad St. Leonhard. Und bei einem Spiel in St. Paul war Waltraud – sie kommt aus St. Paul – Zuschauerin. Ihr Mantel ist mir sofort aufgefallen – der hatte alle Farben. Später trafen wir uns öfter in Wolfsberg, wo sie arbeitete und ich zur Schule ging. So kamen wir zusammen. Im Oktober sind wir 36 Jahre verheiratet, davor waren wir sieben Jahre zusammen.
Welche Rolle spielt Waltraud in Ihrem Leben?
Eine sehr große. Wir diskutieren viel – über Fußball, Beruf, Entscheidungen. Ihre Ratschläge sind wichtig, sie hat eine gute Menschenkenntnis und bremst mich manchmal, wenn ich zu euphorisch bin. Das passt sehr gut.
Ihre Frau und Sie sind beruflich und durch den WAC sehr eingespannt. Wie finden Sie gemeinsame Zeit?
Der Vorteil ist: Sie ist fußballbegeistert. Wir sind oft gemeinsam unterwegs, sowohl mit dem WAC als auch beruflich. Und wir verbinden vieles – Werkbesuche in Italien oder Kroatien mit Kurzurlauben und Auswärtsspiele des WAC mit ein paar Tagen zu zweit. Das funktioniert wirklich wunderbar und passt sehr gut.
Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?
Mit 60 denkt man viel über Gesundheit nach. Ich fühle mich fit, auch wenn ich wenig Sport machen kann. Im Unternehmen werde ich noch lange bleiben, später eher in beratender Funktion. Mein Sohn Jakob und Ottos Sohn Maxi arbeiten schon bei uns mit. Ich glaube, dass sie das Unternehmen gut übernehmen und weiterführen können. Und ich möchte mehr Zeit mit Waltraud verbringen – es gibt noch vieles, das wir uns ansehen wollen.
Wie lange werden Sie noch WAC-Präsident bleiben?
Sportlich müssen wir im Verein einiges neu aufsetzen. Wenn man aber irgendwann das Gefühl hat, dass die eigene Arbeit nicht mehr anerkannt wird, muss man sich fragen, ob man sich das noch antun will. Sollte dieser Zeitpunkt kommen, kann es natürlich sein, dass ich mich zurückziehen werde. Aber noch ist es nicht so weit.

Von Michael Swersina
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