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Sie wurden am Montag der Vorwoche von Landeshauptmann Peter Kaiser mit dem großen Ehrenzeichen des Landes Kärnten ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Diese Auszeichnung, die ich vom Landeshauptmann in Anwesenheit von fünf Regierungsmitgliedern erhalten habe, bedeutet mir sehr viel. Sie ist eine große Ehre und eine wertvolle Anerkennung für mein jahrzehntelanges Wirken als Autor, Chronist und Bewahrer regionaler Kultur. Ich empfinde sie als Bestätigung meines Wegs und meines Lebenswerks, das ich stets mit großer Leidenschaft und tiefer Verbundenheit zu meiner Heimat verfolgt habe.
Wofür erhielten Sie diese Ehrung?
Wenn ich an die Laudatio und an die Worte des Landeshauptmanns zurückdenke, dann wurde vor allem meine Bürgernähe und meine 42‑jährige Tätigkeit als Gemeindebeamter hervorgehoben. Auch mein musikalisches Wirken – sowohl bei der Trachtenkapelle als auch bei den Griffner‑Buam – spielte dabei eine Rolle. Besonders erwähnt wurde außerdem meine langjährige Freundschaft mit Peter Handke und die Tatsache, dass er durch mein stilles Zutun wieder einen stärkeren Bezug zu seinen Wurzeln in Griffen gefunden hat. Auch die Handke‑Ausstellung im Stift Griffen, bei der ich Führungen mache und über sein Leben erzähle, wurde genannt.
Und schließlich wurde betont, dass ich über viele Jahrzehnte hinweg so etwas wie ein Kulturbotschafter für die Gemeinde Griffen gewesen bin.
Wissen Sie, von wem Sie für das Ehrenzeichen vorgeschlagen wurden?
Auf der Fahrt zur Verleihungsfeier nach Klagenfurt erzählte mir der Griffner Bürgermeister Josef Müller, dass er es gewesen sei, der aus Überzeugung beim Land Kärnten die Anregung für eine sichtbare Auszeichnung meines sogenannten Lebenswerks eingebracht habe. Bereits im April 2025 hatte mir die Marktgemeinde Griffen den Ehrenring der Gemeinde verliehen. Beide Ehrungen kamen für mich völlig überraschend.
Sie sind mittlerweile seit über 50 Jahren mit dem Literatur-Nobelpreisträger aus Griffen, Peter Handke, befreundet. Inwieweit hat er Sie zum Schreiben animiert bzw. dabei beeinflusst?
Während einer Ausflugsfahrt in die Steiermark vor etwa fünfzehn Jahren drängte mich Peter immer wieder, aus meinem Leben zu erzählen; über Kindheit, Familie, Berufsleben und vieles mehr. Er ermutigte mich, Erinnerungen und Begebenheiten meines Lebens aufzuschreiben.
Sein Vorschlag entlockte mir zunächst nur ein Lächeln. Ausgerechnet mich, einen sprachlich unerfahrenen Laien, dessen Berufsleben vor allem vom nüchternen »Amtsdeutsch« geprägt war, wollte ein weltbekannter Schriftsteller zum Schreiben eines Buches bewegen.
Doch nach einem Jahr gründlichen Überlegens fasste ich den Entschluss, ein Buch über meinen Heimatort Greutschach zu verfassen. Damals ahnte ich nicht, dass in den folgenden Jahren weitere Werke entstehen würden. Tatsächlich entwickelte sich daraus ein kontinuierlicher Schreibprozess: Etwa alle zwei Jahre erschien ein neues Buch – inzwischen sind es bereits sieben.
Gibt es einen Rat oder Moment aus dieser Freundschaft, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gibt viele besondere Momente – heitere ebenso wie sehr ernste –, die mir aus unserer langen Freundschaft in Erinnerung geblieben sind. Unvergesslich sind etwa Peters runde und halbrunde Geburtstagsfeiern in Frankreich, zu denen alle fünf Jahre auch der Griffner Bürgermeister und ich eingeladen sind. Diese Treffen haben immer eine ganz eigene, herzliche Atmosphäre.
Ein besonders berührender Augenblick ereignete sich im August 2010. Peter sprach damals mit mir über mein Buch »Greutschach – Ein Bergdorf erzählt«. Völlig überraschend fragte er, ob er ein Vorwort dazu schreiben darf. Ich sagte ihm, wie sehr mich das stolz machen würde, ich mich aber nie getraut hätte, ihn darum zu bitten. Daraufhin meinte er, auch er habe fünf Minuten gebraucht, um mir diesen Vorschlag zu machen – er war sich nicht sicher, ob es mir recht wäre und wollte sich nicht aufdrängen. Dieser Moment hat mir viel bedeutet.
Haben Sie noch regelmäßig Kontakt zu Handke?
Peter Handke kommt zwei- bis dreimal im Jahr in seine alte Heimat nach Griffen, und während dieser Besuche verbringen wir stets einige sehr intensive Tage miteinander. Vor einigen Monaten war ich auch wieder bei ihm in Paris/Chaville zu Besuch.
Darüber hinaus stehen wir ein- bis zweimal im Monat telefonisch in Kontakt. Peter interessiert sich sehr für alles, was in und rund um Griffen geschieht – auch die periodische Gemeindezeitung lässt er sich regelmäßig schicken.
Sie haben erst recht spät zum Schreiben angefangen. Was war dafür der ausschlaggebende Moment?
Zum Schreiben kam ich tatsächlich erst nach meinem Pensionsantritt. Eigentlich wollte ich nur ein kleines Büchlein über meinen Heimatort Greutschach verfassen, in dem ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe. Doch aus dieser Idee wurde ein umfangreiches Buch – ergänzt durch ein langes, sehr wertschätzendes Vorwort meines Freundes Peter Handke.
Dabei habe ich gemerkt, wie viel Freude mir das Schreiben bereitet. Von diesem Moment an wusste ich: Das ist etwas, das mich nicht mehr loslässt.
Ihre sieben Bücher decken unterschiedliche Themen und Stimmungen ab — was treibt Sie beim Schreiben an?
Nicht nur das Schreiben selbst bereitet mir Freude – besonders spannend ist für mich die Recherche zu den thematisch oft sehr unterschiedlichen Geschichten. Man stößt in alten Zeitungen – wie zum Beispiel in den Unterkärntner Nachrichten – auf eine interessante Notiz, jemand erzählt eine passende Anekdote dazu, und aus zunächst spärlichen Hinweisen formt sich nach und nach eine ganze Erzählung. Diese verdichte ich schließlich in einer klaren, einfachen Sprache zu einer fertigen Geschichte. Dieser Prozess begeistert mich immer wieder aufs Neue und gibt mir die Motivation, weiterzumachen. Und an »Stoff« für weitere Bücher mangelt es wahrlich nicht – davon habe ich noch reichlich auf Lager.
Welches Ihrer Bücher ist Ihnen persönlich das Wichtigste – und warum?
Besonders am Herzen liegt mir das Buch »Die Saualpe – Eine beschauliche Wanderung durch Kultur und Geschichte« aus dem Jahr 2016, versehen mit einem Vorwort von Peter Handke. Zu diesem Werk habe ich unzählige wertschätzende Rückmeldungen erhalten, was mich natürlich sehr freut.
Gleichzeitig möchte ich auch die Publikation »Vergessene Wahrheiten« erwähnen, die 2022 erschienen ist. Für dieses Buch bin ich tief in eine dunkle Phase der Kärntner Geschichte eingetaucht: die NS‑Zeit, die Kriegsjahre, die zwangsweise Aussiedlung der Kärntner Slowenen sowie die Geschichte der Saualm‑Partisanen. Als ich mit Peter Handke darüber sprach, sagte er zu mir: »Valentin, du wächst in das Thema hinein. Ich merke, du hast Freude am Schreiben, und allmählich kannst du gut mit der Sprache umgehen.« Diese Worte haben mich sehr berührt – und sie bedeuten mir bis heute viel.
Sie waren Gründer der »Griffner Buam« und haben mit ihnen in der Zeit von 1968 bis 1982 zehn Tonträger herausgebracht. Welche Rolle spielt Musik heute noch in Ihrem Leben?
Die Zeit mit den »Griffner‑Buam« war eine sehr schöne. Wir waren fast 15 Jahre lang in vielen deutschsprachigen Ländern Europas erfolgreich unterwegs – auch wenn das inzwischen schon lange zurückliegt. Der volkstümlichen Musik fühle ich mich bis heute verbunden, das wird wohl mein Leben lang so bleiben. Besonders freut es mich, wenn ich nach all den Jahren irgendwo im Radio ein Musikstück der Griffner‑Buam höre – vielleicht sogar eines, das aus meiner eigenen Feder stammt. Solche Momente erfreuen mich immer wieder.
Welche Pläne und Wünsche haben Sie für die Zukunft? Wird es weitere Bücher geben?
Derzeit arbeite ich an einem Buch, das mir schon lange am Herzen liegt. Es wird am 2. Oktober in Griffen präsentiert und trägt den Titel »Ein Stück des Weges mit meinem Freund Peter Handke«. Darin erzähle ich von gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen aus den vergangenen fünf Jahrzehnten.

Von Michael Swersina
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