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Sie sind seit 5. Mai 2025 Wirtschaftsdirektor des Benediktinerstifts St. Paul. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus?
Sehr positiv. Ich hatte einige Monate die Möglichkeit, mich gemeinsam mit meinem Vorgänger Bernhart Binder in viele Projekte einzuarbeiten und die Potenziale zu sehen – besonders im Zusammenhang mit der Koralmbahn und der Entwicklung rund um den neuen Bahnhof St. Paul. Zahlreiche strategische Vorhaben wurden angestoßen: Der geplante Technologiepark ist weit gediehen, das Pionierquartier steht vor der Umsetzung. Im Juni soll der Architekturwettbewerb abgeschlossen sein, 2027/28 soll mit dem Bau der ersten Gebäude begonnen werden. Als Grundeigentümer spielen wir dabei eine wesentliche Rolle. Parallel dazu wurden mehrere Wohnbauvorhaben und Erneuerbare-Energie-Projekte auf den Weg gebracht.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Technologieparks?
Grundsätzlich positiv. Die Entwicklung der Immobilie ist sehr weit gereift, die konkrete inhaltliche Umsetzung steht nach meiner Einschätzung erst am Anfang. Als Stift sind wir in die Umsetzungsprozesse eingebunden und stellen die Flächen zur Verfügung. Mittelfristig möchten wir auch in der Betriebsphase mitwirken – besonders durch Kooperationen im Bildungsbereich.
Ein Technologiepark heißt nicht nur Wirtschaft, sondern auch Forschung und Bildung. Gemeinsam mit der Babeg und der Universität Klagenfurt arbeiten wir konkret an einem Projekt, das den Schulstandort zukünftig stärker mit dem Technologiepark vernetzen soll. Der klare Fokus dabei ist es, einen Mehrwert für die Schüler zu schaffen.
Welche Bedeutung hat der Wohnbau für das Stift bzw. die Region?
Eine sehr große – weil es aktuell zu wenig Angebot gibt. In St. Paul und am Standort des Bahnhofs wollen wir leistbaren Wohnraum schaffen. Die Region ist wunderschön, sie bietet einen enormen Standortvorteil und die Preise sind günstiger als in den Zentralräumen Graz oder Klagenfurt. Ziel ist es, junge Familien anzuziehen und qualifizierte Arbeitskräfte zurückzuholen. Dafür braucht es Wohnraum, Freizeitangebote und ein starkes Bildungsumfeld. Wenn wir als Region sichtbar sein wollen, müssen wir attraktive Lebensräume schaffen. Wir wollen aber auch leerstehende Gebäude nutzen – etwa die alte Meierei. Dort könnten rund 30 Wohnungen entstehen. Aber auch Gewerbeflächen sind knapp und müssen entwickelt werden. Wir sehen uns in der Verantwortung, Potenziale zu widmen und Entwicklungen zu ermöglichen.
Wie weit sind die Planungen dafür?
Planungen für Bestandsgebäude sind konkret und Wohnbaumittel reserviert, damit bis 2028 die ersten Mietwohnungen entstehen können.
Auch ist die Widmung von 20.000 Quadratmeter für Wohnen in der Nähe des Schwimmbads in Vorbereitung. Interessenten für Grundstücke können ihr Interesse anmelden.
Am Bahnhofsareal denken wir nicht nur an einzelne Gebäude, sondern an eine abgestimmte städtebauliche Entwicklung. Es wird noch heuer einen Ideenwettbewerb geben, um die Fläche südlich der Landesstraße sinnvoll zu gestalten. Wichtig ist, nicht einfach etwas auf die grüne Wiese zu stellen, sondern ein nachhaltiges Konzept umzusetzen. Bis 2028 müssen die Grundlagen der Raumordnung geschaffen sein, um dann die ersten leistbaren Wohnungen neu bauen zu können.
Das Stift betreibt seit Jahrhunderten ein Gymnasium. Welche Projekte stehen dort an?
Bildung liegt in der DNA unseres Hauses. Daher ist es die zentrale Herausforderung, das Gymnasium zukunftsfit zu halten. Die Umsetzung eines Bildungscampus ist unser zentrales Leuchtturmprojekt. Dazu sind wir aktuell mit der Bildungsdirektion und dem Ministerium auf einem guten Weg, ein großes Projekt für das Konviktgebäude zu starten. Wir wollen einen modernen Bildungsstandort schaffen, der die Tradition des Stifts weiterträgt und gleichzeitig neue Perspektiven eröffnet.
Wie wichtig ist die wirtschaftliche Basis dafür?
Essenziell. Wir müssen laufende Überschüsse erwirtschaften, um beispielsweise in Bildung investieren zu können. Das bedeutet betrieblich zu diversifizieren: weg von einer starken Abhängigkeit von Land- und Forstwirtschaft, hin zu nachhaltigen Erträgen aus Immobilien und der Energiewirtschaft. Wir sind zum Beispiel seit sechs Monaten mit unserem Kraftwerk Teil der Energiegemeinschaft Lavanttal. Wir können dort einen guten Teil unserer Energie absetzen und gleichzeitig günstige Energie für die Menschen im Lavanttal bereitstellen.
Im April gab es eine Umweltkatastrophe in der Lavant, als Lauge in den Fluss gelangte. Wie haben Sie diesen Moment erlebt?
Das war einschneidend. Wir bewirtschaften die betroffene Strecke seit Jahrhunderten, es wurde viel in den dortigen Fischbestand investiert. In wenigen Stunden war die Arbeit von Jahren zerstört. Wir sind nun im konstruktiven Austausch mit dem Verursacher. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit zuständigen Stellen und mit Mondi Vorsorge zu treffen, dass Verunreinigungen nicht wieder vorkommen und um einen gesunden, artenreichen Fischbestand sowie eine intakte Flora und Fauna wiederherzustellen.
Welche langfristigen Folgen erwarten Sie?
Der Fischbestand lässt sich nicht von heute auf morgen wiederherstellen. Experten gehen davon aus, dass es zehn Jahre dauern wird, bis sich die Population erholt. Auch gefährdete Arten waren von dem Vorfall betroffen. Eine zentrale Maßnahme wird die Anbindung von Seitengewässern sein. Damit schaffen wir vernetzte Lebensräume, in die Fische ausweichen und aus denen sie später wieder in die Lavant zurückkehren können.
Wie beurteilen Sie Ihre Zusammenarbeit mit dem Konvent?
Sehr gut. Administrator Abt Gerhard Hafner koordiniert das Zusammenleben im Konvent hervorragend. Ich stehe in ständigem und engem Austausch mit dem Konvent. Mein Zugang sind eine transparente Arbeitsweise als Grundlage für eine stabile Zukunft. Wirtschaft und Kloster können nicht ohne einander. Wirtschaft steht im Dienst der Gemeinschaft – darin sehe ich unsere Aufgabe. Im Stift arbeiten rund 30 Personen in Kultur, im Ausstellungsbereich, Verwaltung und Wirtschaft. Für die Vielzahl an Aufgaben sind wir sehr schlank aufgestellt.
Das Stift St. Paul verfügt auch über große Waldflächen. Wie stark spürt das Stift den Klimawandel im Wald?
Sehr stark. Die Fichte ist die dominante Baumart, aber sie ist zunehmend unter Druck. Stürme, Trockenperioden und der Borkenkäfer setzen ihr massiv zu. Gleichzeitig sind die Holzpreise über Jahre gesunken, die Schere zwischen Kosten und Erträgen geht immer weiter auseinander.
Welche Strategien setzen Sie ein, um dem entgegenzuwirken?
In der Forstwirtschaft plant man nicht für zehn oder zwanzig Jahre, sondern für die nächsten 100 Jahre. Wir müssen heute entscheiden, was in einem Jahrhundert Bestand haben soll. Wir möchten von den Fichten-Monokulturen wegkommen. Im Tiefland setzen wir auf Mischwälder insbesondere mit Tanne, Buche und Eiche, in höheren Lagen spielt die Fichte weiterhin eine dominante Rolle, sie ist ein sehr anpassungsfähiger Baum.
Wir müssen die Wälder fit halten. Und das nicht nur aus wirtschaftlichen Überlegungen, sondern auch aus gesellschaftlichen und ökologischen Gründen. Unterschätzt sind unsere bewirtschafteten Wälder als co2-Senken.
Wie hat sich das heurige Wetter auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgewirkt?
Wir bewirtschaften über 200 Hektar selbst – und wollen das auch weiterhin tun. Trockenperioden werden häufiger, aber auch Starkregen und Hagel nehmen zu. Der heurige Frühling war einer der trockensten seit Langem. Ob die Winterkulturen Schaden nehmen, kann man derzeit noch nicht sagen. Entscheidend wird sein, in den kommenden Wochen genug Regen zu bekommen. Die Lage ist angespannt.
Was sind Ihre Prioritäten für die kommenden Jahre?
Nachhaltige Erträge aus den Wirtschaftsbetrieben sicherstellen und wichtige Investitionen tätigen, dazu Wohnraum schaffen, den Campus St. Paul positionieren, erneuerbare Energie ausbauen und die Stiftsgebäude nachhaltig bewirtschaften. Wir arbeiten aus der Tradition heraus – aber mit dem Blick weit nach vorne.
// Zur Person
Johann Steiner (38) absolvierte die HBLFA Raumberg-Gumpenstein in der Steiermark. Danach absolvierte er das Studium für Agrar- und Ernährungswirtschaft an der BOKU Wien und ergänzend betriebswirtschaftliche Fächer an der Wirtschaftsuniversität Wien. 2014 erhielt er die Gewerbeberechtigung zum Immobilientreuhänder. Von 2015 bis 2025 leitete er die Immobilienverwaltung des Stifts Admont. Seit 5. Mai 2025 ist er Wirtschaftsdirektor des Benediktinerstifts St. Paul. Privat wohnt Steiner mit seiner Familie im steirischen Obdach, wo er mit seiner Frau im Nebenerwerb einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb betreibt und auch in der Pfarre aktiv ist. Er ist Vater von zwei Söhnen.

Von Michael Swersina
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