Die Gruppe »Wolfsberger helfen Wolfsbergern« hat in Corona-Zeiten mehr Anfragen denn je Ausgabe 15 | Mittwoch, 8. April 2020

Die derzeitige Krise beschert der Facebook-Gruppe einen Anstieg von 20 Prozent bei den gestellten Fragen. Mittlerweile sind mehr als 9.000 Menschen bei der Plattform dabei. Mitgründerin Katharina Gehmacher erzählt, wie die Mitglieder ausgewählt werden.

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Wolfsberg. Zuletzt waren es rund 9.240 Mitglieder, die sich auf der Plattform tummelten – um 160 mehr als noch vor einem Monat. Sie alle erstellten 370 Beiträge in den vergangenen 30 Tagen. Diese Zahlen zeigen: Auf der Facebook-Site »Wolfsberger helfen Wolfsbergern« ist einiges los. Und es wird immer mehr. Im Jänner 2017 gründeten Katharina Gehmacher und ihre Schwester Sophie die Plattform, deren Ziel Gemeinnützigkeit und die Förderung der Region Lavanttal ist. »Teile unserer Familie sind damals von Hermagor nach Wolfsberg gezogen«, erzählt Katharina. »Und wir hatten viele Fragen: Wohin kann man auf einen guten Kaffee gehen, wo trifft man sich mit Freunden, wo gibt es einen guten Tischler? Also haben wir die Gruppe gegründet, um Antworten zu bekommen.«

Gab es anfangs nur einige wenige Mitglieder, ist das »Internet-Baby« der Schwestern mittlerweile ordentlich gewachsen. Sophie lebt derzeit in Estland, betreut mit Katharina aber weiterhin die Site. Auch zwei Freundinnen sind dabei, alle gemeinsam investieren täglich etwa drei Stunden Zeit«, sagt Katharina, die im Brotberuf als IT-Entwicklerin arbeitet.

Sie selbst erledigt die anfallende Arbeit meist abends oder während der Mittagspause, wenn ihre beiden Kinder ein Schläfchen halten. Zu tun gibt es viel: So wird jeder Facebook-User, der Mitglied bei »Wolfsberger helfen Wolfsbergern« werden will, gecheckt. Katharina: »Wir haben etwa 200 Anfragen pro Monat, von denen 150 aufgenommen werden.« Die abgewiesenen 50 wurden als Fake-Profile entlarvt und ausgesiebt.

Wie geht das? »Wir sehen uns an, ob der Bewerber Freunde in der Gruppe hat, bei welchen Gruppen er noch angemeldet ist oder ob das Profilbild zu den vorhandenen Freunden passt. Dubiose Geldverleiher und ähnliches wollen wir nicht haben«, so Katharina.

Eilig, eilig ...
Außerdem wird jeder einzelne Beitrag, den ein Mitglied auf die Seite stellen will, angesehen und erst danach veröffentlicht. »Da haben es manche sehr eilig. Es gab schon Nachfragen am frühen Sonntagmorgen, warum  es ›so lange‹ dauert, nachdem der Beitrag erst kurz vorher eingestellt worden war«, sagt Katharina, die auch eingesteht: »Ich wollte schon den Hut drauf hauen, denn die Leute sind manchmal sehr fordernd.« Und zu verdienen gibt es mit der Site nichts: Alle, die dabei sind, wenden ihre Zeit ehrenamtlich auf. Auch die Kommentare, die zu den Beiträgen verfasst werden, stehen ständig unter Beobachtung – nicht aus Neugier. »Wir müssen öfters unfreundliche Posts löschen und an die Höflichkeitsregeln erinnern«, sagt Katharina. »Trotzdem überwiegt das Positive. Wir wollen weiter die Menschen und den Bezirk unterstützen, damit die Leute regional einkaufen. Das ist gerade jetzt sehr wichtig.«

Die Coronakrise, auf die sie anspielt, hat nicht nur zu 20 Prozent mehr Fragen auf der Site geführt. Auch die behandelten Themen haben sich verändert. Katharina: Die Leute fragen jetzt, wo man noch Kopierpapier kaufen kann, wo es selbstgenähte Masken gibt und ob man jetzt Spielsachen für Kindern kaufen soll. Dabei kommt es manchmal zu Debatten, denn die Meinungen, ob diese oder jene Dinge wirklich notwendig sind, gehen auseinander.« Inzwischen werden auch wieder vermehrt Wohnungen angeboten und nachgefragt, ein Bereich, der zu Beginn der Krise völlig weggefallen war.

Generell bemerkt Katharina eine Steigerung anonymer Anfragen: Egal, ob es um die Suche nach Häusern oder die Entfernung von Haaren geht – viele wollen ihre Namen nicht angeben.« In solchen Fällen fragt Katharina selbst bei der Gruppe nach.

Was nicht geht, sind gewerbliche Posts oder solche, die sich mit der Vermittlung von Tieren befassen. »Erstere wollen wir nicht, letztere verbietet Facebook«, sagt Katharina und wendet sich dem nächsten eingegangenen Anliegen zu. Die Gruppe wächst und wächst ...

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