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Frantschach-St. Gertraud. Seit vielen Jahren erzählt Edith Kienzl aus Obergösel Geschichten, die direkt aus dem Leben gegriffen sind – und das im feinsten Lavanttaler Dialekt. Die 65-Jährige bezeichnet sich selbst ohne Zögern als »100-prozentige Lavanttalerin« – und genau das lässt sie ihre Leser in jeder ihrer Zeilen spüren.
Mit den Wurzeln am Kamperkogel und aufgewachsen in Lading, hat sie nach Obergösel »rauf geheiratet«, wie sie sagt. Viele Jahre prägte die Arbeit am eigenen Milchviehbetrieb ihren Alltag, heute ist sie in Pension. »Ich helfe noch ein bisschen mit«, sagt sie schmunzelnd. Neben der Landwirtschaft bestimmte vor allem die Familie ihr Leben: drei Söhne, »drei liebe Schwiegertöchter«, wie sie betont, und mittlerweile auch zwei Enkelkinder gehören zu ihrem engsten Kreis.
Eigentlich hatte Kienzl einen ganz anderen Berufswunsch. »Ich wollte Volksschullehrerin werden«, erzählt sie, doch die Umstände ließen das nicht zu: »Wir waren daheim sechs Kinder, es war nicht möglich für mich, weiter die Schule zu besuchen.« Stattdessen erlernte sie den Beruf der Schneiderin. »Deutsch hat mich aber nie losgelassen, das war mein Lieblingsgegenstand in der Schule«, blickt Kienzl zurück.
Den Weg zur Dichterin schildert sie wie folgt: »Immer wieder wurde ich von Vereinen gefragt, ob ich passende Gedichte für Kinder kenne. Aber ich habe nichts gefunden. Also begann ich selbst zu schreiben, zunächst für Kinder, später für Geburtstage und verschiedenste Anlässe.« 2002 verwirklichte sie einen Traum: »Ich wollte immer ein Buch veröffentlichen. 2002 erfüllte ich mir diesen Wunsch mit dem ersten Gedichtband.«
Seither sind fünf weitere Werke entstanden, zuletzt präsentierte sie ihren sechsten Band mit dem Titel »Låchn Leutln kostet nix« vor mehr als 300 Gästen im Hotel-Gasthof Stoff in St. Margarethen. Der Andrang war groß, der Saal voll, die Stimmung ausgelassen – ganz im Sinne der Autorin. »Die Leute sollen lustig heim gehen, sie sollen etwas zum Lachen haben«, betont Kienzl. Ein Teil der Texte wurde von ihr selbst gelesen, andere Beiträge übernahmen an diesem Abend Wegbegleiter und Freunde sowie Gäste.
»Ich brauche eine Pointe«
»In meinen Büchern befasse ich mich mit Themen des Alltags – Pfarrergeschichten, Urlaub, Arbeit, einfach quer heraus«, beschreibt sie ihren Zugang. Dabei ist eines für sie unverzichtbar: »Ich suche Geschichten, die eine Pointe haben. Wenn ich die nicht habe, dann brauche ich nicht zu schreiben.« Geschrieben wird konsequent in Mundart. »Das kommt lustiger an als auf Hochdeutsch«, sagt sie, und ergänzt mit einem Augenzwinkern: »Ich habe die Mundart in der Muttermilch mitbekommen.« Gleichzeitig ist ihr die sprachliche Vielfalt ein Anliegen: »Es hat mich immer interessiert, was es früher für Wörter gab.« Um diese auch der jüngeren Generationen zugänglich zu machen, fügt sie ihren Werken Übersetzungen bei: »Die Wörter sollen nicht in Vergessenheit geraten.«
Inspiration holt sie sich aus vielen Quellen. »Ich lese selber lustige Sachen, damit ich auf lustige Geschichten komme, oder die Leute erzählen mir etwas«, berichtet sie. Auch Vorbilder haben sie geprägt, etwa die Dichterin Tini Suppantschitsch oder der frühere Kapellmeister Franz Tatschl.
Ihr aktueller Gedichtband ist im Eigenverlag erschienen und umfasst 110 Geschichten. Für Layout und Zusammenstellung zeichnete Michaela Brunner-Weber verantwortlich, die Illustrationen stammen von Marie-Louise Liebhard. Gedruckt wurde das Buch bei Samson Druck in Salzburg: »Es war mir wichtig, dass das Buch in Österreich gedruckt wird.«
Auch mit 65 denkt Kienzl noch lange nicht ans Aufhören. »Mir hat einmal jemand gesagt: Zehn Bücher müssen es werden«, erzählt sie lachend. Ob sie dieses Ziel erreicht, lässt sie offen: »Ich mache weiter, aber ob es noch ein Buch wird, weiß ich noch nicht.«
Erhältlich ist »Låchn Leutln kostet nix« um 18 Euro bei Morawa – Kärntner Buchhandlung in Wolfsberg und Klagenfurt, bei »Libellus« und in der Buchhandlung »San Damiano« in Wolfsberg sowie in der Trafik Vallant in Bad St. Leonhard. Mit persönlicher Widmung ist das Buch bei der Autorin in Obergösel 3 erhältlich. Kontaktmöglichkeiten: 0664/216 15 16 oder per E-Mail an kienzledith@gmx.at. »Dauchigroasti (Anm.: Auslandslavanttalern) wird das Buch auch zugeschickt«, sagt Kienzl.

Von Philipp Tripolt
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