Kampf um die Wiedereinführung der AdelstiteAusgabe | Mittwoch, 4. Juli 2018

In Ungarn bezeichnet man Ulrich Habsburg-Lothringen als Kaiserliche Hoheit, in Tschechien als Erzherzog und in Österreich kämpft er für die Wiedereinführung der Adelstitel. Dabei schlägt er dem Staat sogar eine neue, millionenschwere Geschäftsidee vor.

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Wolfsberg. Ulrich Habsburg-Lothringen ist ein leutseliger, netter, älterer Herr, aber wenn es sein muss, steigt er auf die Barrikaden wie 1848 die Revolutionäre gegen das Kaiserhaus. So hat er durchgesetzt, dass Habsburger für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren dürfen. »Darüber wurde sogar in Japan berichtet. Nur in unseren Zeitungen war wenig zu lesen«, erzählt er stolz. Seit ein paar Jahren kämpft er nun dafür, dass die Adelstitel in Österreich wieder eingeführt werden. Da lässt er sich auch nicht dadurch beirren, dass ein Gericht vor kurzem das Führen des »von« im Namen nicht nur für Adelige verboten hat. »Das Ganze ist ein schlechter Witz«, lächelt Habsburg-Lothringen. Trotz des Urteils glaubt der streitbare Habsburger, dass zum Jubiläum »100 Jahre Republik« im November Zeit wäre, um die Verfassung zu ändern, die das Führen von Adelstiteln in Österreich unter Strafe stellt.

Vollkommener Blödsinn In Österreich wären von der Wiedereinführung rund 50.000 Personen betroffen. »Die meisten davon gehören dem Klein- und Beamtenadel an. Im 19. Jahrhundert wurde viele Militärs oder Beamte aufgrund ihrer Leistungen ein Adelstitel verliehen«, erklärt Habsburg-Lothringen die erkleckliche Zahl und meint weiter: »Diese kleinen Adeligen wie die Bartensteins oder Ambrozys würden sich sicher freuen, wenn sie den Titel tragen dürften.« Der ehemalige Kärntner SPÖ-Landeshauptmann Peter Ambrozy, der dann den Titel eines »Edlen« führen dürfte, kann darüber nur den Kopf schüttelt. »Das ist vollkommener Blödsinn. Wir leben im 21 Jahrhundert.« Bei einer Wiedereinführung dürfte sich Ulrich Habsburg Erzherzog nennen. Ob ihm das gefiele? »Mir reicht es, wenn man zu mir Dr. Dipl-Ing. sagt. Ich brauch keinen Adelstitel, bei einem Habsburger weiß eh jeder, dass er adelig ist.« Dominik Habsburg-Lothringen, ein Neffe Ulrich Habsburgs, hat einen pragmatischen Zugang zu Adelstiteln: »Wir leben in einer Demokratie, in der die Mehrheit beschlossen hat, dass es keine gibt.« Ob er nicht doch gerne ein Erzherzog wäre? »Mein Wunsch ist nicht groß. Entscheidender ist doch, dass man aus sich etwas macht.«

Titel verkaufen Sein Onkel kann er sich sogar vorstellen, dass der Staat mit der Verleihung von Titeln ein Geschäft machen könnte. 100.000 Euro schweben ihm für einen Fürstentitel vor. »Manche Leute sind ja geil drauf. Da wären schon ein paar Millionen drinnen.« Allerdings soll der Titel nur auf Lebenszeit vergeben werden. Schließlich muss Erbrecht bleiben, was Erbrecht ist. Überhaupt glaubt er, dass sich Österreich den Habsburgern, die rund 600 Jahre seine Geschicke bestimmt haben, versöhnen sollte. »Bei einem Vortrag in Ungarn hat man mich als königliche Hoheit bezeichnet, bei einer Veranstaltung in Tschechien als Erzherzog. Nur in Österreich ist es ein Problem. Da gibt es sogar noch die Sippenhaftung. Ich bekomme immer wieder Drohbriefe, in denen mir die Taten meiner Urahnen vorgeworfen werden.« Einen Schritt weitergehen will Nicole Fara, die Obfrau des Vereins »Die Schwarzgelbe Allianz - die Monarchisten«. Sie will, dass Österreich wieder von einem Kaiser regiert wird. Ulrich Habsburg-Lothringen hat keine Ambitionen, Monarch zu werden: »Ich sehe, was um die Thronfolger in anderen Ländern von klein auf für ein Gschisti Gschasti gemacht wird, das möchte ich meinen Kindern und Enkerln nicht zumuten.«

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