Peter Handkes unerwarteter Auftritt in GriffenAusgabe | Mittwoch, 16. Oktober 2019

Mit großem Applaus empfingen Gemeindevertreter gestern Abend den Literaturnobelpreisträger in seinem Heimatort. Eine kritische Journalistenfrage brachte den Poeten jedoch aus der Fassung. Ein für heute geplanter Pressetermin wurde ersatzlos abgesagt.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteurin Simone Jäger Von Simone Jäger jaegerno@spamunterkaerntner.at
Landeshauptmann Peter Kaiser, Valentin Hauser, Literaturnobelpreisträger Peter Handke und Bürgermeister Josef Müller beim Betreten des Foyers. Foto: Jäger

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Griffen. Bei der gestrigen Gemeinderatssitzung in Griffen entschuldigte sich Bürgermeister Josef Müller für seine minimale Verspätung mit den Worten, dass er gerade Literaturnobelpreisträger Peter Handke vom Flughafen in Laibach abgeholt habe und dieser um etwa 21.30 Uhr ins Gemeindeamt kommen würde, um von Landeshauptmann Peter Kaiser und dem Griffner Gemeinderat empfangen zu werden.

Kurz vor 22 Uhr war es schließlich soweit und Handke kam zu Fuß von seinem Quartier in Begleitung seines Freundes Valentin Hauser zum Gemeindeamt, wo er bereits vor dem Eingang von Kaiser und Müller erwartet wurde. Auch Journalisten waren vor Ort, was Handke nicht gefiel, da er mit einem informellen Treffen gerechnet hatte. Der herzliche Empfang ließ ihn aber zunächst darüber hinwegsehen.

Unter dem Applaus der Gemeinderäte betrat Handke das Amtsgebäude. Im Foyer überreichte ihm zuerst Bürgermeister Müller ein Bild des Künstlers Walter Heimhilcher, das den Stiegenaufgang von Stift Griffen zeigt. „Griffen ist stolz auf dich und auch du kannst wahnsinnig stolz sein. Wir fühlen uns geehrt, dass du gekommen bist“, so der Bürgermeister.

Der Landeshauptmann überreichte ihm eine Pfeffermühle, gefertigt aus Kärntner Holz, damit er seine „Speisen so schärfen könne, wie seine literarischen Werke“.

Handke gab sich wortkarg und wollte zunächst keine Fragen beantworten, ließ dann aber auf Drängen einer Journalistin doch Fragen des ORF zu. Als er in der zweiten Frage auf die Kritik von Sasa Stanisic angesprochen wurde, der Handkes Literatur zu Serbien scharf kritisiert, holte er zu einem verbalen Rundumschlag gegen die Medien aus. Handkes Kritik wörtlich: „Ich steh vor meinem Gartentor und da sind 50 Journalisten. Und alle fragen nur wie Sie und von keinem Menschen, der zu mir kommt, höre ich, dass er sagt, dass er irgendetwas von mir gelesen hat, dass er weiß, was ich geschrieben hab, es sind nur die Fragen: Wie reagiert die Welt, Reaktion auf Reaktion. Ich bin ein Schriftsteller, komme von Tolstoi, ich komme von Homer, ich komme von Cervantes, lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen.“ Handke brach das Interview brüsk ab und sagte noch weiter, dass er nie wieder Fragen von Journalisten beantworten will. Hauser griff schließlich ein und erklärte das Interview endgültig für beendet.

Ein für heute, Mittwoch, um 17.30 Uhr, angekündigter offizieller Pressetermin mit dem Literaturnobelpreisträger im Gemeindeamt Griffen wurde heute Früh ersatzlos gestrichen.

 

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