Gerfried Sitar im InterviewAusgabe | Donnerstag, 4. April 2019

Pater Gerfried organisierte zahlreiche Ausstellungen im Stift St. Paul, brachte den Carinthischen Sommer nach St. Andrä und ist ein Vertrauter von Bischof Schwarz. Mit den UN sprach er über die aktuellen Vorgänge in der Kirche und seine Pläne für das Lavanttal.

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War es schon immer ihr Traum, Priester zu werden?
Schon mit 13 haben mich die Gottesdienste und die Liturgie fasziniert und sehr bald habe ich beschlossen, Priester zu werden. Zunächst wurde das allgemein nicht ernst genommen, aber ich bin den Weg schließlich konsequent gegangen, weil mich diese Berufung nicht mehr losgelassen und auch in Zeiten des Zweifelns geführt hat.

Sie haben erfolgreich Ausstellungen in St. Paul organisiert, darunter die Europaausstellung. Welche sonstigen Highlights gab es dabei für Sie?
Gewissermaßen als Trostpflaster für die Rückkehr nach Kärnten wurde meiner Verantwortung das Museum übertragen, das ich über 20 Jahre geleitet habe und nach kurzer Unterbrechung nun wieder führe. Es waren viele tolle Ausstellungen dabei – ich denke an die Bibelausstellung 2003, oder Marco Polo 2006 und die Ausstellung »Mönche, Macht, Moneten« 1999. Vieles wurde im Zuge der Europaausstellung verwirklicht, dessen Wert Kritiker erst heute erkennen.

Sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass der Carinthische Sommer nach St. Andrä kommt.  Welche Bedeutung hat das für die St. Andrä?
Für die Etablierung St. Andräs als Kulturstadt war das ein Meilenstein. Heuer wird das Programm ausgesetzt, da der Carinthische Sommer sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, aber für 2020 sind wieder Konzerte geplant.

Die »Lavantiade« ist eine »Erfindung« von Ihnen. Wie wird diese angenommen?
2019 wird die Lavantiade in St. Andrä erstmals mit einem Programm von Mitte September bis Mitte Oktober über die Bühne gehen. Dabei gibt es Schwerpunkte in der Klassik, im Jazz und der Chormusik. Geplant ist eine Reihe »Sommerkino im Arkadenhof«. 

Haben Sie Pläne für Kulturveranstaltungen?
Wir werden in jedem Fall die Zusammenarbeit zwischen St. Andrä und St. Paul intensivieren und haben hier vor, interessante Pakete zu schnüren, die dann offensiv vermarktet werden. Immer noch schwebt uns das Projekt »Lavatinum« für St. Andrä vor, das umgesetzt werden soll. 

Bischof Alois Schwarz hielt immer sehr viel von Ihnen, sind bzw. waren Sie ein enger Vertrauter?
Ich habe ihn als Menschen in all den Jahren sehr schätzen gelernt. Er ist einer, der zuhört, nicht nur redet, sondern auch etwas umsetzt und ich habe ihn als sehr guten Chef empfunden. Und ja, ich zähle mich zum Kreis jener Menschen, denen der Bischof vertraut. Und ehrlich: Ich bin stolz darauf! 

Was sagen Sie zur Affäre rund um Bischof Schwarz?
Wer die Bibel aufmerksam liest, wird dort eine Antwort finden. Da geht es um Brüderlichkeit, um Barmherzigkeit, um Versöhnung, um Achtsamkeit und Respekt. Papst Franziskus sagte vor einigen Monaten bei einer Frühmesse: Rufmord ist der Anfang der Diktatur. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

Wie bzw. wer kann die Diözese Gurk in ruhiges Fahrwasser bringen?
Ein Bischof von Außen. Er muss in erster Linie Mensch sein und entsprechende Führungsqualitäten besitzen, aber auch sehr viel Gelassenheit in sich tragen und er braucht einen klaren Blick, um wirklich sehen zu können und er muss unbedingt über die Gabe der Unterscheidung der Geister verfügen, denn diese wird notwendig sein, um das »Who is Who« der Kirche Kärntens zu erkennen.

War das Krisenmanagement in der Causa Schwarz geschickt?
Nein, alles andere! Eigentlich sehr beschämend und unwürdig. 

Sehen Sie eine Notwendigkeit für personelle Konsequenzen?
Ja. In Gurk werden sich diese durch einen neuen Bischof von selbst ergeben – das liegt in der Natur der Sache. Jeder Bischof kann sich seine engsten Mitarbeiter selbst bestimmen. Bischof Schwarz ist Bischof in St. Pölten und hat dort sehr gute Resonanzen bei den Menschen. Er hat sicher aus dieser Zeit in Kärnten gelernt, vor allem eines, dass Personalentscheidungen lange bedacht und kritisch hinterfragt werden müssen – bei Klerikern und bei Laien.

Stichwort: Missbrauchsvorwürfe gegen Priester. Gibt es Ihrer Meinung nach ein großes Problem mit Übergriffen in der Kirche?
Ja. Aber das ist ein generelles Problem in der Gesellschaft und ich denke, ob Priester oder nicht, jeder muss sich dafür verantworten und darf nicht ungestraft davonkommen. Bei Priestern wiegt der Vorwurf viel schwerer und wird daher medial mehr beleuchtet. Menschen sollten sich vor Pauschalurteilen hüten. Auch das ist leider ein gewaltiges Problem unserer Zeit. 

Was könnte man dagegen tun?
Meines Erachtens müsste man schon bei der Priesterausbildung mehr auf die psychische Ebene achten und Verdachtsmomente unbedingt ernst nehmen und diesen nachgehen. Generell muss aber das Thema Zölibat und seine Folgen überdacht und hier endlich eine zeitgemäße Regelung getroffen werden. Ich bin überzeugt davon, dass dringend auch über Frauen in Weiheämtern nicht nur nachgedacht, sondern konkret gesprochen werden muss. 

Wie kann man den Trend der vielen Kirchenaustritte umkehren?
Jede Firma, die ihre Probleme über die Medien löst, wie das in Kärnten der Fall war, geht unter. Verbesserungen erreicht man nur durch ein konstruktives und respektvolles Miteinander – und daran wird die Kirche arbeiten müssen, um aus diesem fatalen Prangerpopulismus zu lernen. Das ist schlichtweg unchristlich und entbehrt jeglicher menschlicher Reife und führt auch nicht an ein gutes Ziel, sondern in die Zerstörung!

Wie ist die Stimmung in der katholischen Gemeinde im Bezirk Wolfsberg?
Wenn Administrator Dr. Engelbert Guggenberger in seinem »Pastoralbrief«  von einer »wunderbaren Normalität« spricht, dann kann ich das nicht unterschreiben, denn es ist für UNS ALLE an der Basis ein katastrophaler Ausnahmezustand, den erst eine ordentliche Diözesanleitung wieder beheben und langsam heilen kann. Die Menschen sind verunsichert und medial manipuliert. Das ist die Tatsache! Ich denke, es braucht das Gefühl, dass man christlich miteinander umgeht und der Balken in eigenen Auge nicht zur Keule Kains anwächst, die den Bruder oder die Schwester schließlich erschlägt.

Das Image hat in den letzten Jahren gelitten. Wie kann man einen besseren Ruf bekommen?
Wie wäre es mit der Sprache des Heute?

Sie sind nun im bischöflichen Sekretariat St. Pölten, wo Sie Koordinator für Kunst, Kultur und Medien sind. Wie ist diese Aufgabe für Sie?
Ich habe in der Anfangszeit versucht (ich habe das im Mai 2018 zugesagt), Bischof Schwarz im Aufbau mancher Strukturen zu unterstützen und einfach als Freund zur Seite zu stehen. Diese Aufgabe ist mit dem Stift koordiniert und zunächst bis Juni 2019 vorgesehen. Ich erlebe in St. Pölten  sehr viele gute, engagierte  und loyale Mitarbeiter, denen es um das Wohl der Kirche und ihrer Diözese geht, die hinter ihrem Bischof stehen und den Bischof erlebe ich als einen, der auf die Menschen zugeht und dessen Predigten als wohltuend und hilfreich empfunden werden. 

Seit Kurzem betreuen Sie auch die Pfarre Pölling mit. Ist das nicht ein wenig viel?
Es gibt einen pastoralen Stellenplan, der für ganz Kärnten ausgearbeitet wurde. Dieser sieht vor, dass Pölling, Lamm und Wölfnitz künftig zu St. Andrä gehören. Durch den Tod von Pfarrer Wornik ist dieser Plan leider früher zur Umsetzung gekommen, als alle dachten. Ich drücke mich nicht vor meiner Verantwortung als Leiter des Dekanates St. Andrä und ich denke, dass wir mit den Pfarren, die ja sehr klein sind, eine gute Möglichkeit für künftiges Zusammenarbeiten gefunden haben. Wenn das Miteinander gut funktioniert, ist es nicht zu viel, sondern kann auch zur Bereicherung werden. Es ist, wie alles, eine Frage der Perspektive.

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