MS: die Krankheit mit den vielen GesichternAusgabe | Mittwoch, 23. Januar 2019

Die »Krankheit mit den vielen Gesichtern« wird am häufigsten bei Menschen in einem Alter zwischen 20 und 40 Jahren diagnostiziert. Eine Heilung gibt es, trotz intensiver Forschung, bis heute noch nicht.

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Lavanttal. Multiple Sklerose (MS), auch Encephalomyelitis disseminata genannt, ist eine autoimmune, chronisch-entzündliche neurologische Erkrankung, die am häufigsten bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren diagnostiziert wird. Seltener kann MS auch bei Kindern und Jugendlichen auftreten. Ebenso sind Erstdiagnosen ab dem 60. Lebensjahr möglich. Bei Frauen wird die Krankheit mehr als doppelt so oft diagnostiziert wie bei Männern. Bei jungen Erwachsenen gilt sie als die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weltweit sind geschätzt 2,5 Millionen Menschen betroffen – davon rund 12.500 in Österreich, wo es jährlich 350 bis 400 Neuerkrankungen gibt.

Aber was ist MS eigentlich? Vereinfacht heruntergebrochen bedeutet Multiple Sklerose »viele Narben« (multiple = viele; Sklerose, von skleros, = Narben). Beschrieben wird damit eine Schädigung im Bereich von Gehirn und Rückenmark, also dem zentralen Nervensystem. MS ist eine Entzündung dessen, mit ganz unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Einzelne Nervenfasern verhalten sich wie elektrische Kabel. Sie sind mit einer Schutz- bzw. Isolierschicht umgeben (Myelin), die durch die Entzündung angegriffen wird. In der Folge kommt es zu einer Störung der Fasern und des zentralen Nervensystems, welches im menschlichen Körper das Denken, Aktivitäten und Funktionen steuert. Deshalb kann der Krankheitsverlauf auch bei jedem Patienten unterschiedlich ausfallen. Aufgrund dessen wird MS auch als die »Krankheit mit den vielen Gesichtern« bezeichnet.

Je nach betroffenen Nerven, entstehen verschiedene Symptome. Wenn neue Störungen im Nervensystem auftreten, spricht man von einem Schub. Dieser kann sich über mehrere Stunden und Tage entwickeln und benötigt in der Regel auch in etwa die gleiche Zeit, bis die aufgetretenen Symptome wieder abklingen. Die Rückbildung kann vollständig oder unvollständig sein. Verläuft die Rückbildung über einen längeren Zeitraum unvollständig, können zunehmende Behinderungen die Folge sein.

MS-Schub
Am Beginn der Krankengeschichte steht in rund 90 Prozent der Fälle das sogenannte »klinisch isolierte Syndrom«. Damit bezeichnet man den ersten Erkrankungsschub. Meist tritt dieser zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die häufigsten Symptome zum Erkrankungsbeginn sind Seh- und Sensibilitätsstörungen. Die weiteren Schübe, die während der Krankheit auftreten, bezeichnet man als schubförmigen Erkrankungsverlauf. Besonders am Anfang ist eine vollständige Rückbildung der Symptome möglich, weshalb es wichtig ist, so früh wie möglich mit einer medikamentösen Schubprophylaxe zu beginnen. Ein immunmodulierend wirkendes Arzneimittel kann eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes hervorrufen. Die Schübe werden vermindert und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt. Weitere prophylaktische Maßnahmen sind eine immunmodulierende Therapie, der Abbau von psychosozialem Stress und die Vermeidung viraler Infekte.

Die Entwicklung der Krankheit ist, aufgrund der individuellen Verlaufsformen, erst nach zwei bis drei Jahren möglich einzuschätzen. Häufigkeit und Intensität der Schübe bzw. die Nachhaltigkeit der Beeinträchtigungen ermöglichen erste Prognosen.

Für die Erkrankten stellt die Ungewissheit, wie sich ihre Erkrankung entwickelt, eine große Herausforderung dar. Denn so unterschiedlich die Krankheitsverläufe sein können, so unterschiedlich ist auch der Umgang der einzelnen Patienten mit der Diagnose und dem Verlauf.

ThemenGesundheit, Lavanttal, Multiple Sklerose, Diagnose, Nerven, zentrales Nervensystem

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