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St. Andrä. Die Anrainer sollen erst im Zuge der Verlegung von Glasfaserleitungen entdeckt haben, wem die Straßen vor ihren Haustüren in Wahrheit gehören: dem deutsch-schweizerischer Immobilienunternehmer und Milliardär Henning Conle. Weil darüber kein Freudengeschrei aufkommt, gäbe es jetzt die Möglichkeit, die Straßen ins öffentliche Gut zu überführen. Die Frage ist: Wird der Unternehmer den dafür nötigen Antrag stellen und auf sein Eigentum verzichten?
Wie jetzt öffentlich wird, hat der heute 82-jährige Conle beim Kauf der Jesuitengründe im Lavanttal vor einigen Jahren auch die Straßen der Burgstall-Siedlung in St. Andrä zwischen der Hauptschule und den Schrebergärten erworben. Dass dieser Besitz ernst genommen wird, zeigte sich vor kurzem, als in der Siedlung ein Container auf einem Grundstück des Milliardärs platziert wurde. Die Folge war ein Schreiben der hiesigen Verwaltung Conles, in dem auf die Eigentumsverhältnisse hingewiesen worden sein soll. Die Begeisterung in der Siedlung hielt sich in Grenzen ...
Nun werden Vorwürfe laut: Die Stadt St. Andrä habe es in mehreren Jahrzehnten nicht geschafft, eine Vereinbarung zur Übernahme der Straßen in die Tat umzusetzen.
Der St. Andräer Vizebürgermeister Andreas Fleck (SPÖ) lässt all das so nicht stehen. Er sagt: »Es war immer klar, dass diese Straßen früher den Jesuiten gehörten.« Und sich ergo jetzt im Besitz des deutsch-schweizerischer Unternehmers befinden.
Auch die Sache mit dem Behälter ist laut Fleck nicht ideal abgelaufen: »Einen Container ohne Wissen des Eigentümers auf dessen Grund aufzustellen – das macht man nicht. Man hätte fragen sollen.« Es sei auch nicht »okay«, wenn auf Conles Grund ohne dessen Zustimmung gemäht werde, so der Vizebürgermeister.
Doch es gibt die Lösung. Fleck: »Die Gemeinde hat diese Straßen schon betreut, als sie noch den Jesuiten gehört haben, es gab einen Vertrag mit der Gemeinde. Der Eigentümer kann jetzt einen Antrag auf Übernahme der Straßen ins öffentliche Gut stellen. Dann würden der Stadt- und der Gemeinderat darüber beraten. Ist die Mehrheit dafür, wird es so gemacht.«
»Einen Container einfach aufstellen – das macht man nicht. Man hätte fragen sollen«
Andreas Fleck, Vizebürgermeister
Voraussetzungen sind eine Asphaltdecke sowie die intakte Oberflächengestaltung. »Meiner Meinung nach werden die Bedingungen der Übernahme in Burgstall erfüllt«, sagt Fleck – und fügt an: »Aber der Besitzer muss diesen Antrag stellen, der formlos möglich ist. Von uns aus können wir die Straßen nicht übernehmen.«
Der Vizebürgermeister sieht in einer Übergabe auch Vorteile für den Eigentümer: »Dann wäre er die Haftung los.« Es soll dazu ein Gespräch zwischen Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) und Conles Verwalter stattfinden.
Keine Reaktion
Aber wäre der Milliardär bereit, seine Straßen an die Stadt abzutreten? Die Unterkärntner Nachrichten fragten bei Conles Anwalt nach. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe traf keine Stellungnahme ein.
Conle besitzt seit 2002 einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb im Lavanttal. 2021 wurde bekannt, dass er auch 173,6 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen in St. Andrä, Wolfsberg und St. Paul gekauft hatte – den gesamten Grundbesitz des Jesuitenordens im Tal, darunter die Loretowiese in St. Andrä, auf der seit Jahrzehnten das »Gackern« stattfindet.
Heimische Landwirte fühlten sich ausgebootet, Protest wurde laut sowie die Befürchtung, der Milliardär werde diese Gründe früher oder später umwidmen wollen, wodurch sie für die Landwirtschaft verloren wären. Conles Anwalt wies das zurück und betonte, durch den Kauf würden die Flächen langfristig für die landwirtschaftliche Nutzung gesichert.
Danach hoffte man im Lavanttal auf die Grundverkehrskommission, die den Verkauf von land- und forstwirtschaftlichen Flächen genehmigen muss. Vergebens. Die Kommission erteilte dem Handel die Zustimmung.
Die Befürchtungen der Landwirte ist seither übrigens nicht eingetreten: Es wurde kein Umwidmungsantrag Conles bekannt.
Gemunkel und ein weiterer Kauf
Seither wurde immer wieder über neue Grundkäufe Conles im Lavanttal gemunkelt, Bestätigungen gab es keine. Dafür sorgte ein weiterer Erwerb für Schlagzeilen: der von Schloss Thürn.
Der herrschaftliche Sitz wurde 2020 von der Milliardärin Heidi Horten um 3,5 Millionen Euro erworben, die die rund 2.000 Quadratmeter Gesamtwohnfläche aufwendig sanieren ließ. Sie wollte auf dem Schloss ihren Lebensabend verbringen. Dazu kam es nicht: Noch ehe sie einziehen konnte, starb Horten am 12. Juni 2022 im Alter von 81 Jahren.
Thürn wanderte im Dezember 2023 um 4,8 Millionen Euro weiter an die »Bivil Errichtungs GmbH« mit Herbert Waldner als Geschäftsführer und alleinigem Gesellschafter. Waldner ist Geschäftsführer der »Riedergarten Immobilien GmbH«, die später auch die Horten-Villa am Wörthersee kaufte.
Thürn blieb aber nicht lange in Waldners Besitz. Im Dezember 2025 wurde bekannt, dass die »Barramundi AG« mit Sitz in Vaduz in Liechtenstein, die Conle zugerechnet wird, die »Bivil Errichtungs GmbH« mittels »Share Deal« übernommen hatte. Diese Form des Besitzerwechsels hat den Vorteil, dass der Verkaufspreis vertraulich bleiben kann. Bis heute ist keine Summe bekannt ...

Von Horst Kakl
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