FPÖ St. Andrä verliert einen weiteren Gemeinderat – die blaue Stadtpartei hat aufgehört zu existierenAusgabe 42 | Mittwoch, 20. Oktober 2021

FPÖ-Mandatar Helmuth Dohr wurde von der eigenen Partei aus den Ausschüssen entfernt. Er war nicht einverstanden, wie mit dem früheren Vize Edler umgegangen wurde. Jetzt will auch Dohr zum Team Kärnten. FPÖ-Stadtpartei wurde »aufgelöst« bzw. »überführt«.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Links: FPÖ-Ortsparteiobmann Jürgen Ozwirk mit Helmuth Dohr (r.), als die freiheitliche Welt in St. Andrä noch in Ordnung war. Nun will Dohr dem früheren Vizebürgermeister Gerald Edler (Bild rechts) zum Team Kärnten folgen. Die Freiheitlichen mussten jetzt einen ÖVP-Gemeinderat auf ihren Sessel im Kontrollausschuss setzen. FPÖ, UN-Archiv, Edler

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St. Andrä. Die Turbulenzen bei den Freiheitlichen in St. Andrä gehen weiter. Erst wandte sich der frühere Vizebürgermeister Gerald »Etschi« Edler von der Partei ab (wir berichteten). In der Gemeinderatssitzung am 13. Oktober (siehe Seite 9) wurde nun Helmuth Dohr von der FPÖ aus den Ausschüssen für »Kontrolle und Gebarung« sowie »Bau und Infrastruktur« entfernt. Nur: Dohr ist seit Jahrzehnten freiheitlicher Gemeinderat und damit ihr eigener Mann – was sich nun aber ändern wird. Er will sich Edler und dem Team Kärnten anschließen.

»Die Ausschüsse wurden mir weggenommen, weil ich mit dem Umgang mit Edler nicht einverstanden war«
Helmuth Dohr, St. Andräer Gemeinderat

In der Sitzung wurde mit keinem Wort begründet, warum die FPÖ künftig auf die Arbeit Dohrs verzichtet. Bürgermeisterin Maria Knauder (SPÖ) sagte lediglich, dieses Vorgehen sei das Recht der FPÖ – und erklärte Dohr, der 22 Jahre lang im Bauausschuss saß, nach dem blauen Antrag für abgewählt. Danach dankte sie ihm für seine Arbeit.

Edler, der laut eigenen Angaben mittlerweile Mitglied beim Team Kärnten von Gerhard Köfer ist, sagte zu den Unterkärntner Nachrichten: »Dohr wurde abgesetzt, weil er sich mir zuwandte und mit dem Vorgehen nicht einverstanden war, wie die FPÖ mich nach der heurigen Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl abgewählt hat. Dohr ließ sich nichts zuschulden kommen und hat seine Arbeit wie immer gemacht. Trotzdem wurde er aus den Ausschüssen genommen, was es so noch nie in St. Andrä gegeben hat.«

Öffentliche Kritik 

In der Sitzung übte Edler Kritik am Vorgehen der Freiheitlichen und sagte: »Das zeigt, wie die FPÖ mit Mandataren umgeht. Es ist beschämend, dass ein Gemeinderat so behandelt wird und zeigt die Arroganz und Weltfremdheit gewisser Verantwortlicher der St. Andräer FPÖ.« Gemeinderat Alexander Skledar (FPÖ) konterte: »Ich bin fast gerührt von Edlers Rede. Ich weiß, eine Abwahl ist unangenehm. Aber auch das ist eine Wahl und zu akzeptieren.« 

Dohr bestätigte am Tag nach der Sitzung Edlers Aussagen: »Ich war nicht einverstanden, wie die FPÖ heuer Etschi abgewählt hat. Er hatte ein gutes Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl – und wurde dann entfernt. Das war unmenschlich. Diese Vorgehensweise von Jürgen Ozwirk – das tut man nicht.« Deswegen habe man ihm nun »die Ausschüsse weggenommen«, so Dohr. Er werde jetzt Edler zum Team Kärnten folgen.

Andere Sichtweise

Ozwirk, FPÖ-Ortsparteiobmann St. Andrä-Land, stellte die Vorgeschichte der Abwahl anders dar. Er sagte: »Dohr hat mir mitgeteilt, dass er keine Zusammenarbeit mehr mit der FPÖ möchte. Er nahm zuletzt auch an keiner Fraktionssitzung mehr teil.« Die Absicht Dohrs, zum Team Kärnten zu wechseln, kommentierte Ozwirk so: »Wenn er das will, soll er es tun. Er soll im Guten gehen, wenn er glaubt, mit Edler ist es besser.« 

Weil die FPÖ damit nur noch fünf Gemeinderäte besitzt, von denen aber vier aufgrund ihrer Funktionen als Ausschussmitglieder nicht infrage kommen, gab es eine kuriose Wahl: Die Freiheitlichen setzten ihren Mandatar Patrick Steiner in den Bauausschuss, in den Kontrollausschuss nominierten sie Herbert Hubmann von der ÖVP. Der war erst kurz vorher in der Sitzung für den verstorbenen Manfred Probst als Gemeinderat angelobt worden.

Nun sieht das Kräfteverhältnis so aus, dass die SPÖ mit Unterstützung von Edler und Dohr die absolute Mehrheit hätte. Ozwirk dazu: »Das ist Demokratie. Aber in St. Andrä wird Wert auf den Konsens unter allen Fraktionen gelegt.«

»Verkleinert« haben sich die St. Andräer Freiheitlichen auch an anderer Stelle. Laut dem früheren Obmann Edler – der auf der FPÖ-Homepage noch immer im Amt ist – »löste sich die Stadtpartei auf, weil sich keiner fand, der den Obmann machen wollte«. Ortsparteiobmann Ozwirk weist das zurück und spricht auch nicht von einer Auflösung. Laut ihm wurde die Stadtpartei mit allen Mitgliedern in die Gemeindepartei »übergeführt«: »Wir haben verschlankt und eine einzige große Struktur geschaffen.«

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