Artikel
St. Andrä. Der Garten am Rand der Bischofsstadt selbst hat eine lange Geschichte. Einst war er 20 Jahre lang ein Kneipp‑Garten, später übernahm ihn die Stadtgemeinde, im Jahr 2025 pachtete schließlich die »Freunde naturgemäßer Lebensweise« (FNL) das Areal – und begann, es von Grund auf neu zu gestalten. »Wir haben alles geändert, neu aufgebaut und im Vorjahr intensiv vorbereitet. Heuer wurde der Garten eröffnet und ist nun für die Öffentlichkeit zugänglich«, erzählt FNL-Obfrau Mathilde Friesacher.
Wer durch die Beete schlendert, entdeckt eine Vielfalt, die selbst Kräuterkenner überrascht. Rund 400 Pflanzen wachsen hier, darunter etwa 200 Heilkräuter. Neben Klassikern wie Zitronenmelisse oder Thymian finden sich seltene Arten wie Heilziest, Edel-Gamander oder die wilde Karde. Der Kräutergarten »Geranium« ist ein Schau‑ und Lehrgarten, der die Vielfalt der Natur sichtbar macht. Die Kräuter sind thematisch gegliedert – etwa in eine »Teekanne«, »Bachblüten«, »Lavanttaler Pflanzen«, »Schlifnis Heilkräuter« (Anm.: Ignaz Schlifni war ein Kärntner Kräutergelehrter. Er gründete 1982 den Verein FNL) und viele weitere. Künftig sollen noch weitere Bereiche hinzukommen, zum Beispiel für Nervenpflanzen und aphrodisierende Pflanzen.
Ein besonderes Element ist der eingezäunte Giftgarten. Dort stehen rund 20 Pflanzen, die man besser nicht berührt: Bilsenkraut, Bauerntabak, bald auch Tollkirsche. »Auch Tabak und Hanf zählen zu den giftigen Pflanzen, weil sie bewusstseinsverändernd wirken«, erklärt Friesacher. Jede Pflanze ist mit einer Infotafel versehen – ein offenes Lehrbuch für alle, die mehr wissen wollen.
Hüterin der Urpflanzen
Friesacher sammelt selbst seit Jahrzehnten Kräuter in der Natur. »Mir geht es um die Urpflanzen, nicht um gezüchtete oder veränderte Varianten. Viele moderne Pflanzen haben durch Manipulation und Gen-Veränderungen wichtige Inhaltsstoffe verloren. Die Brennnessel ist ein gutes Beispiel.«
Sie sieht sich als Bewahrerin eines Wissens, das zu verschwinden droht. »Es wird so viel vergessen. Ich bin viel in der Natur unterwegs, ich kenne die Plätze und ich kenne die Pflanzen. Dieses Wissen möchte ich weitergeben – vor allem an die Jugend«, sagt Friesacher.
Daher soll der Garten künftig ein lebendiger Lernort sein: Führungen im Sommer, FNL-Stammtische direkt im Garten, Schulbesuche. Der FNL unterstützt das Projekt ebenso wie die Stadtgemeinde St. Andrä und das Lavantinum, dessen Schüler die Bänke gebaut haben.
Garten der Verbindungen
Der Kräutergarten ist auch ein Symbol der internationalen Freundschaften St. Andräs. Für die Partnerstädte Jelsa und Manzano wurden eigene Beete angelegt. 2027 soll ein »Weg der Freundschaft« entstehen – vom St. Andräer Stadtzentrum über den Kräutergarten bis zur Freizeitanlage St. Andräer See.
Parallel dazu wächst ein weiteres Projekt von Friesacher: der Baumlehrpfad von der Freizeitanlage Richtung Mühldorfer Au. 18 Bäume sind bereits beschildert, über 40 sollen es werden. Auch hier geht es um Wissen, das bleiben soll.
Tag der offenen Tür
Am 15. August lädt der FNL zum »Tag der offenen Kräutergartentür« ein. Ein Termin, der sich lohnt, denn der Garten ist ein Ort, der zeigt, wie reich das Lavanttal an natürlichen Schätzen ist – und wie wichtig Menschen wie Mathilde Friesacher sind, die dieses Wissen bewahren.

Von Michael Swersina
»Fight Night« und »Ride with the Angels«: Ein Tag voller Action und Musik im Drivingpark Lovntol
Betroffene zur Baustelle im Twimberger Graben: »Man muss schauen, dass sie für uns überlebbar ist«
Tierarztpraxis in St. Georgen wurde feierlich eröffnet
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!