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Wolfsberg. Glück gehabt. Zwar ist es schön, wenn man – wie die Stadt Wolfsberg – ein Bauwerk sein Eigen nennt, das von Experten als schützenswert betrachtet wird. Allerdings hätte das auch massive Auswirkungen, die ins Geld gehen können.
Zuletzt gab es Überlegungen des Bundesdenkmalamts, das Wolfsberger Stadionbad, das heuer 60 Jahre alt wird (wir berichteten), unter Denkmalschutz zu stellen. Experten des Amts waren vor Ort, die sich die Freizeiteinrichtung ganz genau ansahen. Letztlich rückten sie von ihrem Vorhaben aber wieder ab.
Die Gründe nennt Dieter Ra-bensteiner, bei den Wolfsberger Stadtwerken für das Stadionbad zuständig: »Es wurde festgestellt, dass die Überbauungen in den 1980er Jahren und die Änderungen im Zusammenhang mit dem Bau des Kinos so umfangreich waren, dass von der ursprünglich als schützenswert eingestuften Architektur der 1960er Jahre zu wenig Sichtbares mehr erhalten ist.«
Architektonische Perle
Denn was in Wolfsberg nicht allgemein bekannt ist: Das Stadionbad war nach seiner Eröffnung am 25. Juni 1966 nicht nur ein Meilenstein für die Stadt, sondern auch eine architektonische Perle in Kärnten. Geplant von den Architekten Adolf Bucher und Hermann Schmidhofer, errichtet im Stil des »Brutalismus«, galt es als herausragendes Beispiel der Baukunst der Spätmoderne.
Was damals der »letzte Schrei« war, ist mittlerweile als »ästhetischer Vandalismus« in Verruf geraten: Von den 1960er bis in die 1980er Jahre wurde im »brutalistischen« Stil gebaut, also mit viel sichtbarem Beton und offenliegenden Konstruktionen, aber auch geometrischen Formen.
Ein Beispiel ist das »Wahrzeichen« des Bads, der Sprungturm. 2021 stand sein Abriss im Raum: Während der Zustand des Betons tadellos war, hatten Rost und Materialermüdung den Eisenstiegen und -geländern arg zugesetzt. Die Stadtwerke als Betreiber des Bads entschieden sich für die Sanierung, die 2022 um 140.000 Euro durchgeführt wurde.
Außerdem war im Stadionbad einst eine stützende Betonwand samt Loch in der Mitte platziert – ebenfalls ein Merkmal des »Brutalismus«. Heute existiert die Konstruktion nicht mehr, sie musste dem neuen Kino weichen.
»Die Überbauungen waren so umfangreich, dass von der Architektur zu wenig erhalten ist«
Dieter Rabensteiner, Stadtwerke Wolfsberg
Doch Stadt wie Stadtwerke werden über die Entscheidung des Bundesdenkmalamts, auf die Unterschutzstellung des Bads zu verzichten, nicht unglücklich gewesen sein. »Die Zerstörung sowie jede Veränderung eines Denkmals bedarf der Bewilligung des Bundesdenkmalamts. Die Beweggründe sind von Antragstellerseite nachzuweisen«, steht auf der Homepage des Amts zu lesen. Das bedeutet, bei allen künftigen Vorhaben hätte das Bundesdenkmalamt ein Wörtchen mitzureden gehabt – Auswirkungen auf die Höhe der Kosten wären möglich und wahrscheinlich gewesen.
Und weil das Stadionbad ein jährliches Minus im mittleren sechsstelligen Bereich schreibt, ist es den Verantwortlichen wohl lieber, weiter alleiniger Hausherr zu sein und nicht für teure Schutzmaßnahmen aufkommen zu müssen. Den Gästen – im Schnitt sind es laut Stadtwerke jährlich 100.000 Besucher – ist es gleichgültig, ob sie sich in einem architektonisch unversehrten Juwel oder einem »normalen« Bad abkühlen. Hauptsache, die Wassertemperatur stimmt ...

Von Horst Kakl
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