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Postschließung in St. Andrä: Ein Traditionsende – und ein neuer Anfang bei »Graf‘s Markt Café«Ausgabe | Mittwoch, 1. April 2026

Weniger Filialen, mehr Partner: Die Post verändert sich – und in St. Andrä springt das »Graf‘s Markt Café« ein und übernimmt als neuer Postpartner. Damit werden wichtige Dienstleistungen in der Stadt künftig aufrechterhalten und das bei längeren Öffnungszeiten.

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St. Andrä. Über Jahrzehnte war die Post ein selbstverständlicher Bestandteil jeder Gemeinde im Lavanttal. Sie war Kommunikationsdrehscheibe, sozialer Treffpunkt und oft die erste Anlaufstelle für Behördenwege. Doch wie in ganz Österreich hat sich auch im Bezirk Wolfsberg das Bild stark verändert. Wo einst ein dichtes Netz an Filialen existierte, bleiben heute nur noch wenige Standorte übrig. Mit der Schließung der Postfiliale in St. Stefan im Oktober 2025 und nun  auch jener in St. Andrä, hat das Lavanttal zwei weitere traditionelle Standorte verloren. Doch mitten in dieser Entwicklung gibt es auch eine positive Nachricht: »Graf‘s Markt Café« übernahm mit 31. März als neuer Postpartner die Grundversorgung im Ort. Seit vergangenem Dienstag können nun von Montag bis Freitag für 14 Tage von 7 bis 13 Uhr Briefe und Pakete aufgegeben und abgeholt werden, Post-Express-Dienste genutzt und Werbe- und Medienpost erledigt werden. Danach können die Postdienste bei »Graf‘s Markt Café« schließlich von Montag bis Freitag zu den üblichen Öffnungszeiten des Betriebs – von 7 bis 16.30 Uhr – erledigt werden. »Damit können die Menschen auch während der Mittagszeit ihre Briefe aufgeben und Überweisungen tätigen«, sagt Erich Graf. 

Neben den Postdiensten gibt es auch die Möglichkeit, Dienste der Bank99 zu nutzen. So sind Ein- und Auszahlung bis zu 3.000 Euro möglich, Überweisungen können getätigt werden und auch Handyverträge des Mobilfunkanbieters »yellow« können vor Ort abgeschlossen werden. Handys werden aber keine verkauft. 

Die sechs Mitarbeiter des Marktcafés haben die Postausbildung absolviert und übernehmen den Dienst. »Uns ist wichtig, dass die Post im Ort bleibt. Damit erhalten wir nicht nur eine wichtige Infrastruktur, sondern beleben auch das Café. Entscheidend ist, dass Leben im Ort bleibt«, betont Graf. 

Strukturwandel 

Die Post setzt österreichweit auf Partnerlösungen – ein Modell, das längere Öffnungszeiten ermöglicht, aber auch Kritik hervorruft: weniger Personal, weniger Beratung, weniger klassische Postkultur. Gleichzeitig zeigt das Beispiel Graf, dass lokale Betriebe Verantwortung übernehmen und Versorgungslücken schließen können.

Mit der Schließung der Filiale endet ein Kapitel Lavanttaler Alltagsgeschichte. Doch mit dem neuen Postpartner beginnt auch ein neues. Die Post ist nicht mehr das, was sie einmal war – aber sie bleibt. Und dank Betrieben wie Graf bleibt sie vor allem eines: im Ort.

Hochblüte der Post im Tal

Die Geschichte der Post im Lavanttal reicht weit zurück. Bereits im 18. Jahrhundert wurde die erste kaiserlich‑königliche Poststation in Wolfsberg eröffnet. Sie versorgte Pferdekutschen, stellte Verbindungen nach Klagenfurt und Graz sicher und war ein zentraler Bestandteil des öffentlichen Lebens. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wuchs das Netz rasant: Wolfsberg, St. Andrä, St. Paul, Lavamünd, Bad St. Leonhard, Reichenfels, St. Stefan, St. Marein, Frantschach‑St. Gertraud und weitere Orte verfügten über eigene Filialen. Die Post war präsent – und sie war wichtig.

Doch mit der Digitalisierung, Online‑Banking, E‑Mails und strukturellen Veränderungen begann ein schrittweiser Rückzug. Klassische Filialen wurden geschlossen, Dienstleistungen ausgelagert, Partnerlösungen geschaffen. Heute gibt es im Lavanttal nur noch in der Bezirkshauptstadt einen eigenständigen Poststandort.

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