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Christoph Knauder von ALP.Lab: »Mit Einführung des autonomen Fahrens entstehen auch neue Jobs«Ausgabe 21 | Mittwoch, 20. Mai 2026

Der gebürtige Lavanttaler Christoph Knauder (41) verbindet Technik und Regionalität: Als Geschäftsführer von ALP.Lab setzt er auf automatisierte Busse und digitale Verkehrslösungen. Für ein Pilotprojekt mit autonomen Bussen im Lavanttal fiel der Startschuss.

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Wie hat Ihr beruflicher Weg begonnen und welche Stationen waren entscheidend dafür, dass Sie heute bei ALP.Lab sind?  
Ich bin Absolvent der HTL Wolfsberg, und mein weiterer Weg hat mich nach Graz an die Technische Universität geführt. Nach Abschluss des Diplomstudiums Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau mit Schwerpunkt Verkehrstechnik im Jahr 2012 startete ich meine berufliche Laufbahn als Forscher bei der Virtual Vehicle Research GmbH. Anfang 2016 absolvierte ich parallel zum Job ein Doktoratsstudium im Fachbereich Maschinenbau an der TU Graz, das ich 2021 erfolgreich abschloss. Im September 2020 übernahm ich die Position als Manager Operations bei der ALP.Lab GmbH, wo ich die übergeordnete, operative Koordination der Unternehmensaktivitäten verantwortete und die strategische Ausrichtung sowie Akquise und Entwicklung neuer Geschäftsfelder unterstützte. Seit April 2024 bin ich als Geschäftsführer der ALP.Lab GmbH tätig.

Ein Projekt von ALP.Lab ist ein »Autonomer Bus« in St. Paul. Wie sind Sie auf die Idee für dieses Projekt gekommen?
Die Initiative wurde Anfang 2025 in Kooperation mit der Area Süd rund um die Bezirksstellen der Wirtschaftskammer in Deutschlandsberg und Wolfsberg gestartet. Es geht um Anschluss-Mobilitätslösungen mit automatisierten Bussen zum Bahnhof St. Paul. Hier wurden erste Konzepte erarbeitet, um Innovationen aus Österreich voranzutreiben und Möglichkeiten zur Wertschöpfung in Österreich darzustellen. Nicht nur zuschauen, wie international die Systeme entwickelt und ausgerollt werden, sondern mitgestalten lautet hier nach wie vor die Devise.

Wo steht das Projekt aktuell und welche Meilensteine wurden bereits erreicht?  
Das Vorhaben wurde erfolgreich durch den Gewinn eines österreichweit ausgeschriebenen Leitprojekts der Forschungsförderungsgesellschaft des Infrastrukturministeriums auf eine neue Ebene mit nationaler und internationaler Strahlkraft gehoben. Gemeinsam mit einem Konsortium aus 19 Partnern unter der Leitung der FH Oberösterreich konnten wir das Leitprojekt – mit dem Arbeitstitel »Roberta« – gewinnen und damit auch in die Region Lavanttal ziehen, ein toller Erfolg. Wir von der ALP.Lab GmbH treten als Leiter der Pilotregion auf und arbeiten mit Partnern aktuell in der Planungsphase die Gestaltung der Pilotregion  – Strecken, Betrieb und Fahrzeuge – aus.

Gibt es bereits einen Zeitplan, ab wann in St. Paul erste Tests oder Pilotphasen starten könnten?
Für die Pilotregion sollen erste Vorab-Tests im Laufe des Jahres 2027 gestartet werden. 2028 ist der eigentliche, mehrmonatige Betrieb angesetzt.

Wie sieht die Pilotphase aus und ab wann könnten die autonomen Busse in den regulären Betrieb gehen?
Die Pilotphase zielt auf sichere, schrittweise Einführung der automatisierten Busse im öffentlichen Personennahverkehr ab, also ein Betrieb mit Sicherheitsfahrer, zentralem Flottenmanagement-System als Ergänzung zu aktuellen Leitstellen-Ausstattung sowie Begleitung und Monitoring des Betriebs. Ziel ist es, in der Projektlaufzeit von vier Jahren unser System auf den Einsatz von automatisierten Bussen vorzubereiten – von der Planung, Ausschreibung, Überführung in den Betrieb durch die Verkehrsunternehmen und der Umsetzung. Das Lavanttal nimmt somit eine nationale und internationale Vorreiter-Rolle ein und sendet ein starkes Innovationssignal aus Österreich. Wenn die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen vorliegen, ist ein regulärer Betrieb in den nächsten acht bis zehn Jahren durchaus realistisch.

Ein oft diskutiertes Thema ist die berühmte »Letzte Meile«, also wie die Menschen aus umliegenden Ortschaften zum Koralmbahnhof in St. Paul kommen können. Gibt es dazu Konzepte von Ihnen, wie das aussehen könnte?
Hierzu gibt es einige Ideen und Studien, wie die effiziente, komfortable und kostengünstige Überwindung der ersten bzw. letzten Meile eines Mobilitätsbedürfnisses erfolgen kann. Das könnte eine Ergänzung des bestehenden Linienverkehrs im Sinne einer Verdichtung zu den Stoßzeiten, Erweiterung von Fahrten zu den Tagesrandzeiten, flexible Nutzung der automatisierten Fahrzeuge als kleinere Gefäße in den Zeiten, wo weniger Fahrgäste die Busse nutzen, sein. Auch die Einführung von sogenannten On-Demand-Verkehren ist denkbar.

Viele befürchten, dass durch autonome Busse und Fahrzeuge Arbeitsplätze verloren gehen. Wie sehen Sie das?
Das ist ein wesentlicher Punkt und sehr wichtiges Thema, das meist zu Beginn der Diskussion zum hoch-automatisierten Fahren angesprochen wird. Technologische Neuerungen rufen immer Skepsis und Angst bei uns Menschen hervor. Das war schon beim Übergang von der Pferdekutsche auf das Automobil oder in jüngerer Vergangenheit bei der Einführung der Elektro-Mobilität zu sehen. Der Einsatz automatisierter Busse soll nicht ersetzen, sondern ergänzend wirken. Schon heute haben wir es mit einem Mangel an Fahrern im Bereich des öffentlichen Verkehrs, aber auch beim Güterverkehr zu tun. Aktuelle Studien weisen zusätzlich auf eine Verschärfung dieses Umstands in der Zukunft hin. Gleichzeitig steigt unser Mobilitätsbedarf. Hier müssen wir Lösungen bereitstellen, um diesem Umstand begegnen zu können. Es ist aus aktueller Sicht unausweichlich, dass wir Lösungen für die Mobilität der Menschen schaffen, die unseren Bedarf decken können. Gleichzeitig entstehen bei der Einführung des automatisierten Fahrens auch neue Berufe. Sei es im Bereich der Leitstellen für automatisierte Fahrzeugflotten z. B. als Remote Assistent. Das bedeutet, dass das Fahrpersonal nicht mehr zwingend im Fahrzeug anwesend sein muss. Remote-Assistenten können eine Vielzahl von automatisierten Fahrzeugen überwachen und managen. Wie bei jeder Entwicklung entstehen neue Möglichkeiten und in diesem Fall auch neue Jobs.

Welche bisherigen Projekte oder Tests waren für ALPLab prägend oder erfolgreich?  
Success Storys sind unsere Entwicklung, Akkreditierung und Etablierung als Testdienstleister für die internationale Automobilindustrie. Die Akkreditierung als Testlabor für die Durchführung von EuroNCAP Tests war ein wesentlicher Meilenstein.

Weitere Services und Dienstleistungen sind im Bereich der Nutzung von Sensor-Systemen für Verkehrserhebungen und vertiefte Verkehrsanalysen entstanden. So erheben wir mit moderner LiDAR-basierter Sensor-Technologie beispielsweise Unfallhäufigkeitsstellen im Straßenverkehr und bewerten die Gefährlichkeit von Interaktionen zwischen den Verkehrsteilnehmern. Daneben spielen unsere Beratungsleistungen für die Einführung automatisierter Mobilitätssysteme eine große Rolle. Unsere Kompetenz und Expertise konnte dabei bei mehreren Projekten zum Einsatz gebracht werden, z. B. für Gemeinden und Regionen, aber auch für Verkehrsunternehmen oder in spezifischen Nischen für die Industrie.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei Ihren Projekten?
Künstliche Intelligenz wird immer leistungsfähiger und spielt dadurch auch bei unseren Projekten eine immer größere Rolle. Mittlerweile sind sogenannte End-to-End Systeme als automatisierte Fahrsysteme am Markt, die für die Durchführung der Fahraufgabe ein großes neuronales Netz verwenden. Das bedeutet, ein lernbasiertes System erzeugt aus den Sensordaten eine Fahrentscheidung. Auch bei der Verarbeitung der Daten im Bereich innovativer Verkehrserhebungen wird in der Umfelderkennung auf KI gesetzt. Hier werden z. B. die Trajektorien der Verkehrsteilnehmer über die Laufzeit des Systems laufend optimiert.

Wie sieht Ihrer Meinung nach der Verkehr der Zukunft aus?
Der Verkehr ist kooperativ, vernetzt und automatisiert. Dadurch entsteht ein modernstes Mobilitätssystem im Verbund aus Privatfahrzeugen, öffentlichem Verkehr und multimodalen Mobilitätsangeboten für die Bevölkerung. 

Welche technischen und regulatorischen Hürden müssen dabei überwunden werden?  
Auf technischer Ebene gab es in den vergangenen 5 Jahren enorme Fortschritte. International betrachtet gibt es bereits einige Unternehmen die automatisierte Mobilitätssysteme als produktreife technische Lösungen auf den Markt gebracht haben und für die Personenmobilität (Robotaxis, Shuttles, Busse), Gütermobilität (LKWs) und Arbeitsmaschinen (Mining, Baustellen, kommunale Dienste) einsetzen. Vorreiter sind die USA und der asiatische Raum zum Beispiel China. Aber auch hier erfolgte eine stufenweise Einführung angepasst an lokale regulatorische Vorschriften und Rahmenbedingungen. Eine laufende Begleitung, Analyse des Betriebs sowie von Vorfällen durch Verkehrsbehörden wie etwa durch die NHTSA in den USA wird durchgeführt. Aktuelle Hürden in Europa sind die Zulassung von automatisierten Fahrzeugen und die Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen. D.h. die Änderung bestehender und Erlass neuer Gesetze und Verordnungen (Gesetze zum hoch-automatisierten Fahren). Sollte es uns in Europa gelingen, eine einheitliche Regelung zur Zulassung und zum Betrieb zu schaffen wäre das ein internationaler Meilenstein.

Welchen Mehrwert erwarten Sie sich durch den Bus für St. Paul bzw. das Lavanttal?
Durch den zukünftigen Einsatz automatisierter Busse erwarte ich: Innovationssignal für Wirtschaftsstandort Kärnten, verbesserte Anbindung der Gemeinden/Städte/Gewerbegebiete an den neuen Bahnhof, Technologieentwicklung und Wertschöpfung in Österreich,Vorbereitung auf die breite Einführung und Skalierung hoch-automatisierter ÖPNV-Services, Einsatz und Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz für sichere, effiziente Mobilitätssysteme.

Was kostet ein solcher „Autonomer Bus“, wie er in St. Paul eingesetzt werden soll?
Die Busse, die im Projekt ROBERTA in Sankt Paul zum Einsatz kommen, werden nicht angeschafft, sondern für die Projektlaufzeit gemietet. Ziel ist es wie vorhin erwähnt unser ÖPNV-System vorzubereiten und eine skalierbare Lösung für die Zeit nach dem Projekt zu erarbeiten. Die Anschaffung der Busse und der Betrieb soll dann wie heute üblich über die Verkehrsunternehmen, konform zum Ausschreibungsprozess der Verkehrsverbünde erfolgen.

Können Sie das Unternehmen AlpLab kurz beschreiben: Wie würden Sie die Kernaufgaben von AlpLab zusammenfassen?  
Die ALP.Lab GmbH ist ein österreichisches Innovations- und Testzentrum für automatisierte und vernetzte Mobilität mit Sitz in Graz. Das Unternehmen wurde 2017 gegründet und unterstützt die Entwicklung, Validierung und Implementierung moderner Mobilitätslösungen – vom akkreditierten Testen von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) bis hin zu hoch-automatisierten Fahrzeugen und intelligenter Infrastruktur-Systeme. Als Testdienstleister für Fahrzeuge ist ALP.Lab eines von nur wenigen nach EuroNCAP akkreditierten Testlaboren in Europa. Unterstützt durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) betreibt ALP.Lab ein Innovationslabor, um Österreich auf die hoch-automatisierte Mobilität vorzubereiten und diese sicher auf die Straße zu bringen. ALP.Lab ist seit 2017 offizielle Testumgebung für automatisiertes Fahren in Österreich.

Welche Partner aus Industrie, Forschung oder öffentlicher Hand sind für Ihre Arbeit besonders wichtig. Gibt es Partner im Lavanttal?
Die Bildung eines starken nationalen und internationalen Netzwerks rund die ALP.Lab GmbH ist seit der Gründung wesentlicher Bestandteil und wichtige Basis für den Betrieb unseres Innovationslabors. So sind wir sehr eng mit Partnern aus Forschung & Entwicklung, Industrie sowie der öffentlichen Hand vernetzt. Dies ermöglicht uns mit starken Konsortien Anträge für Forschungsprojekte erfolgreich abzuwickeln und dadurch neue Projekte zu gewinnen. Das Projekt ROBERTA ist ein gutes Beispiel dafür. Im Lavanttal gibt es bis dato erste Partner, aber das wird sich in naher Zukunft hoffentlich ändern.

Welche technologischen Trends werden für Ihre Arbeit in Zukunft relevant sein?  
Das Mobilitätssystem ist vernetzt, um den Menschen das Mobilitätsangebot möglichst einfach und barrierefrei zur Verfügung zu stellen. Zentral sind Digitalisierung, Automatisierung, und Vernetzung. Dabei verschmelzen Fahrzeuge zunehmend mit KI-, Software- und Energietechnologien.

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