Den Wolfsberger Psychiater Martin Strassnig zog es in die Ferne: Er arbeitet im sonnigen FloridaAusgabe 33 | Mittwoch, 14. August 2019

Gleich nach dem Abschluss seines Medizinstudiums in Graz verschlug es den Wolfsberger Martin Strassnig nach Nordamerika. Nach Stationen in Pittsburgh und Toronto hat er sich 2013 in Miami niedergelassen, wo er seitdem im Bereich Forschung und Lehre tätig ist.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Der St. Michaeler Martin Strassnig ist in Miami als Facharzt für Psychiatrie tätig. Kürzlich wurde sein Facharzttitel auch in Österreich anerkannt. Foto: UN/much

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Sie haben an der HAK Wolfsberg maturiert und danach Medizin studiert. Ist das nicht ein wenig ungewöhnlich?
Ich denke, dass es nicht viele HAK-Absolventen gibt, die Arzt wurden. Aber ich hatte schon immer großes Interesse an der Psychologie. Und da man als Arzt in der Psychiatrie mehr Möglichkeiten hat, etwas zu bewirken, habe ich mich für eine solche Laufbahn entschieden.

Was ist Ihr Fachgebiet?
Ich bin seit 2007 Facharzt für Psychiatrie in den USA und seit 2019 auch in Österreich. Ich arbeite seit 2007 in der Forschung und Lehre sowie der Assistentenausbildung. Von Anfang an habe ich mich da-bei auf Schizophrenie, bipolare Störung und behandlungsresistente Depression spezialisiert.

Warum Schizophrenie?
Weil es ein faszinierendes Thema ist. Es ist immer wieder spannend zu sehen, was Patienten glauben zu wissen und wie die Realität aussieht und die Symptomatik.

Sie sind in der Lehre und Forschung tätig. Haben Sie auch schon ein Buch geschrieben?
Ein eigenes Buch habe ich noch nicht geschrieben. Aber ich habe viele Kapitel für Sachbücher und Artikel für Fachzeitschriften geschrieben. Unter anderen habe ich ein Kapitel für das führende Lehrbuch für Psychiatrie in den USA gemacht. Ich hatte auch schon  zahlreiche Präsentationen und ich gab mittlerweile einige Fernsehinterviews.  

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Job in den USA gekommen?
Ich wurde nach meinem Studienabschluss in Graz von einem Kollegen an die Universität Pittsburgh vermittelt, wo ich dann eineinhalb Jahre lang tätig war. Danach kehrte ich nach Europa zurück und war eineinhalb Jahre Arzt im Praktikum an der Universitätsklinik München. Im Anschluss daran wurde mir die Möglichkeit geboten, in Pittsburgh meinen Facharzttitel zu erwerben und im Bereich der Forschung tätig zu werden. 

Sie waren aber nicht nur in den Staaten, Sie arbeiteten auch eine Zeit lang in Kanada?
2011 bekam ich die Möglichkeit mit meinem Mentor für zwei Jahre nach Toronto zu gehen. 2013 kehrte ich schließlich wieder in die USA zurück, seitdem lebe und arbeite ich in Miami.

Haben Sie auch schon einmal über eine Rückkehr nach Österreich nachgedacht?
Wenn es entsprechende Möglichkeiten bzw. Angebote geben würde, liegt es durchaus im Bereich des Möglichen. Durch die Anerkennung meines Facharzttitels in Österreich, tun sich natürlich einige Möglichkeiten auf.

Haben Sie Frau und Kinder?
Ich bin mit Dr. Martina Weinberger verheiratet. Sie kommt aus Reichenfels, wir haben zwei Mädchen, neun und zwölf Jahre alt. 

Und Sie leben mit einer Green-Card in den Staaten?
Ja, meine Frau und ich besitzen eine Greencard. Ich habe diese aufgrund meiner Forschungsleistungen erhalten. Unsere Kinder besitzen ohnehin die Doppelstaatsbürgerschaft, da sie in den Staaten geboren wurden.

Hat sich das Leben in den USA seit Donald Trump Präsident ist, für Ausländer geändert?
Trump ist eine Gegenbewegung zu seinem Vorgänger. Ob seine Vorhaben und Sachen, die er umgesetzt hat, positiv oder negativ sind, ist subjektiv. Ich persönlich halte mich aus der Politik raus. Ich habe mir schon seit zwei Jahren keine Nachrichten mehr im Fernsehen angesehen, da es meist nur um Sensationen geht.

Was vermissen Sie von Österreich bzw. dem Lavanttal am meisten?
Die heimische Küche und den Weißwein, einen guten südsteirischen Sauvignon blanc. Und im sonnigen Florida geht mir auch eine Woche Winter ab.

Florida wird ja immer wieder von Hurrikans heimgesucht. Waren Sie auch schon einmal Opfer eines solchen?
Vor zwei Jahren beim Hurrikan Irma wurden wir evakuiert und sind nach Orlando gefahren. Als wir wieder heimkehrten gab es ein paar umgestürzte Bäume und wir hatten einige Tage keinen Strom. Das war schon sehr belastend. Im Sommer ohne Klimaanlage bei den hohen Temperaturen verbunden mit der hohen Luftfeuchtigkeit war es teilweise unerträglich. Das Schlimme dabei ist, dass die Temperaturen auch in der Nacht nicht wirklich nach unten gehen und sich meist im Bereich von 25 Grad bewegen.

In Florida laufen viele Alligatoren herum. Hatten Sie schon einmal einen im Garten?
Nein. Aber Iguanas, dass sind große Lizzards, laufen überall unzählige herum. Aber diese Tiere sind völlig harmlos.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich gehe sehr gerne Tauchen. Da gibt es in Florida einige schöne Gebiete. Derzeit macht meine ältere Tochter den Open Water Diver, damit wir dann gemeinsam die Unterwasserwelt erkunden können. Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio. Und einmal im Monat gehe ich gemeinsam mit ein paar Arbeitskollegen auf den Schießstand.

Auf den sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel Facebook, sind Sie nicht zu finden. Sind Sie öffentlichkeitsscheu?
Das hat verschiedene Gründe. Zu-nächst sind all diese Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram usw. eine negative Ablenkung. Außerdem fühle ich mich unwohl, wie mit persönlichen Daten und Mitteilungen umgegangen wird. Die Menschen werden profiliert.

Welche Anliegen in der Psychiatrie sind Ihnen besonders wichtig?
Menschen mit psychischen Erkrankungen haben auch heute noch immer mit der Stigmatisierung zu kämpfen. Und das ist traurig. Gerade da Österreich das Geburtsland der modernen Psychiatrie mit Leuten wie Sigmund Freud usw. ist. Es wäre wichtig dieses Stigma abzubauen. Es gibt leider sehr viele unbehandelte Depressionen, die oftmals zu Selbstmord führen. Die Selbstmordrate in Kärnten ist tragisch.

Gibt es ein besonderes Erlebnis, das Sie in den USA hatten?
Da gibt es schon einige. Nicht vergessen werde ich meine zwei Fahrten mit dem Auto von Toronto nach Miami. Eine Strecke ist rund 2.500 Kilometer lang. Ich habe mir dafür zwei Tage Zeit genommen. Es war faszinierend, in Toronto bei Schneefall und tiefen Temperaturen zu starten, die verschiedenen Staaten auf dem Weg in den Süden hautnah zu erleben bis man schließlich bei Badewetter in Florida ankommt.

Sind Sie noch öfters in Österreich?
Jeden Sommer. Den verbringen unsere zwei Mädchen bei den Großeltern in St. Michael.

Haben Sie noch regen Kontakt zu ehemaligen Schul- oder Studienkollegen?
Eigentlich nicht.

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