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Wie kam es zur Entscheidung, den Windpark Bärofen zu realisieren?
Der Windpark Bärofen baut auf einem Projekt auf, das ursprünglich von der Firma Ecowind vorentwickelt wurde. Vor etwa einem Jahr haben wir dann das Projekt übernommen. Als österreichisches Familienunternehmen ist unsere Strategie langfristig ausgelegt – wir wollen eine unabhängige, leistbare und saubere Energieversorgung sicherzustellen. Der konkrete Standort auf der Koralpe bietet gute Windverhältnisse, besonders in den Wintermonaten, wenn andere erneuerbare Energiequellen weniger Strom liefern.
Wie haben Sie die lokale Bevölkerung, Gemeinden und Interessensgruppen in Planung und Bauphase eingebunden und welche Reaktionen gab es?
Seit der Projektübernahme haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Gemeinde sowie die Bevölkerung regelmäßig über den Projektstand zu informieren. Wichtig ist uns, dass die Menschen in der Region gut nachvollziehen können, was am Bärofen passiert. Für die Grundeigentümer gab es vor dem Baubeginn im April 2025 eine eigene Informationsveranstaltung, zusätzlich steht eine Ombuds-stelle für Fragen und Anliegen zur Verfügung.
Die Reaktionen sind gemischt: Die meisten wollen einfach verlässliche Informationen, einige äußern Bedenken, viele sehen Chancen für die Gemeinde Frantschach-St. Gertraud und die Region. Wir nehmen jede Rückmeldung ernst und bemühen uns um einen offenen und sachlichen Austausch.
Es gibt im Lavanttal massiven Widerstand gegen Windräder: Was sagen Sie zur Projektverzögerung wegen des Widerstands?
Verfahren zur Genehmigung von Windkraftprojekten sind in Österreich extrem umfangreich. Umwelt- und Rechtsprüfungen sowie Einsprüche brauchen Zeit und können Projekte verzögern. In einem gewissen Umfang ist das normal und wichtig, um ein umweltverträgliches Projekt realisieren zu können.
Der Windpark Bärofen wurde von Püspök übernommen, nachdem große Teile dieser im konkreten Fall wirklich sehr langen Verfahren bereits gelaufen waren. Wir arbeiten jetzt daran, das Projekt ordentlich umzusetzen.
Wie möchten Sie Windkraftgegner davon überzeugen, dass Windkraft wichtig und sinnvoll ist?
Unser Ansatz ist, Fragen offen zu beantworten und nachvollziehbar zu erklären, warum wir ohne deutlich mehr Windkraft in ganz Österreich schon sehr bald nicht mehr genügend Strom haben werden – was am Ende nicht nur Wertschöpfung ins Ausland verlagert, sondern auch die Preise in die Höhe treibt. Sachliche Aufklärung ist aus unserer Sicht der beste Weg – so kann sich jeder selbst ein Bild machen.
Spüren Sie den Widerstand auch persönlich, zum Beispiel in Mails gegen das Unternehmen, oder werden Sie privat angegriffen? Gibt es kritische Firmenbewertungen?
Kritische Rückmeldungen gehören dazu, aber persönliche Anfeindungen erleben wir bisher nicht. Es gibt engagierte Diskussionen, doch im Kern geht es den meisten Menschen um Verantwortung für ihre Umgebung – das respektieren wir. Wir wollen immer sachlich bleiben und zuhören, auch wenn Meinungen auseinandergehen. Wichtig ist der Dialog mit der Bevölkerung auf Augenhöhe.
Welche wirtschaftlichen Effekte – Arbeitsplätze, Wertschöpfung, Pachtzahlungen – erwarten Sie durch den Windpark Bärofen für das Lavanttal?
Das Projekt bringt nicht nur saubere Energie, sondern auch regionale Vorteile. In der Bauphase entstehen Aufträge für regionale Betriebe – vom Straßenbau über Forstarbeiten bis zu Betonagearbeiten. Auch der laufende Betrieb bringt Einnahmen für Grundeigentümer, Gemeinden und diverse regionale Dienstleister. Darüber hinaus ermöglichen wir durch unsere Infrastruktur-Arbeiten auch lokalen Unternehmen, in die Zukunft zu investieren. Mit unserem Energiekabel werden auch Breitbandinternet, Warmwasser und eine stärkere Stromversorgung mitverlegt. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das eine wichtige Investition in die Infrastruktur.
Welche weiteren Projekte oder Ausbaupläne plant Püspök im Lavanttal bzw. in Österreich in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Wir prüfen und entwickeln derzeit Potenzialgebiete für Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher in ganz Österreich. Das Lavanttal ist eine grundsätzlich gut geeignete Region. Unser Ziel ist es, langfristig mehr erneuerbare Energie bereitzustellen. Erfolgreiche Projekte entstehen immer in Zusammenarbeit mit den Standortgemeinden.
Rentieren sich solche Projekte aufgrund der langen Vorlaufzeit wegen der Widerstände überhaupt?
Solche Projekte sind keine einfachen oder schnellen Investitionen mit kurzfristig hohen Renditen. Die Verfahren sind umfangreich, Verzögerungen können Zeit und Geld kosten. Als Familienunternehmen denken wir in Generationen und entwickeln langfristig auch wirtschaftlich erfolgreiche Projekte.
Volkswirtschaftlich entscheidend ist aber: Erneuerbare Energie wird dringend gebraucht, um auch in Zukunft verlässlich Strom im Energiesystem zu haben. In diesem Sinn »rentieren« sich Projekte nicht nur wirtschaftlich, sondern sind vor allem für eine sichere, saubere und erneuerbare Energieversorgung der Zukunft unerlässlich.
Wie viele Windkraftanlagen betreiben Sie insgesamt in Kärnten bzw. Österreich?
Wir sind der größte private Erzeuger von Strom aus Windkraft in Österreich. Insgesamt betreiben wir 114 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 422 Megawatt. Der Windpark Bärofen mit acht Windkraftanlagen und rund 34 Megawatt Leistung ist unser erstes Projekt in Kärnten.
Wie viele Photovoltaikprojekte betreiben Sie?
Wir betreiben derzeit PV-Anlagen mit einer Leistung von knapp 150 MWp. Weitere Anlagen mit rund 200 MWp sind bereits im Bau. Im ersten Quartal 2026 wird dann unser erster Großspeicher ans Netz gehen. Sonne und Wind sind natürliche Partner, denn sie gleichen sich im Tages- und Jahresverlauf gut aus. Insbesondere mit einem Speicher als Ergänzung sorgen sie im Dreigespann gemeinsam für eine stabilere Stromversorgung.
Sind im Lavanttal irgendwelche Photovoltaikprojekte geplant?
Wir prüfen laufend geeignete Standorte für Photovoltaikanlagen – auch im Lavanttal. Derzeit gibt es jedoch noch keine ganz konkreten Projekte, über die wir sprechen können.
Es gibt eine Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Bildung, Kultur und zur Erhaltung der VS Kamp. Wie kam es dazu, und was ist das Ziel dieser Partnerschaft?
Die Kooperation mit der ARGE ist im Rahmen der Entwicklung des Windparks Bärofen entstanden. Gemeinsam mit der Gemeinde Frantschach-St. Gertraud unterstützen wir über viele Jahre Bildungsinitiativen rund um die Einrichtung »Kamper Käferlein«. Ziel ist es sicherzustellen, dass Kinder vor Ort weiterhin einen Kindergarten in direkter Umgebung haben.
Diese Kooperation passt auch sehr gut mit unseren anderen Initiativen zusammen. Für uns ist es selbstverständlich, in Regionen, in denen wir tätig sind, auch einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.
// Zur Person
Lukas Püspök (46) ist Geschäftsführer der Püspök Erneuerbare Energie GmbH. Im Zentrum seiner Arbeit steht, erneuerbare Energieprojekte verlässlich umzusetzen und Verantwortung gegenüber den Regionen zu übernehmen, in denen das Unternehmen tätig ist. Unter seiner Leitung hat die Püspök-Gruppe bereits zahlreiche Erneuerbare Energieprojekte in Österreich realisiert. 2025 wurde Lukas Püspök mit dem renommierten »EY Entrepreneur of the Year« Preis im Bereich Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Lukas Püspök ist verheiratet, Vater von vier Söhnen und verbringt seine freie Zeit am liebsten mit seiner Familie in den Bergen.

Von Michael Swersina
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