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René Moll: »Entlastungen müssen kommen, aber es muss rasch gehen, die Hilfe wird jetzt benötigt« Ausgabe 12 | Mittwoch, 23. März 2022

Manfred (40) und René (35) Moll vom Taxiunternehmen Enterprise sprechen mit den Unterkärntner Nachrichten über die Auswirkungen der steigenden Spritpreise auf die Transportbranche und die Probleme, die die Corona-Krise für die gesamte Sparte verursachte.

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Wann wurde das Unternehmen »Taxi Enterprise« gegründet und über wie viele Fahrzeuge verfügt der Fuhrpark? 
Manfred Moll
: Das Unternehmen wurde 2007 in St. Andrä gegründet. Wir haben 15 Taxis – davon zehn Neunsitzer-Fahrzeuge und fünf Siebensitzer. Dazu kommen noch sieben Busse mit 15 bis 56 Sitzen sowie zwei Stretchlimousinen.

Was bieten Sie Ihren Kunden an? 
René Moll
: Wir haben ein breites Angebot: Vom Taxibetrieb
in den Bezirken Wolfsberg und Völkermarkt mit Standorten in Wolfsberg, St. Andrä, St. Paul, Eberndorf, Völkermarkt, Kühnsdorf und St. Kanzian über Busreisen und Schülertransporte bis hin zu Rollstuhltransporte. Für die Rollstuhltransporte haben wir ein eigenes Fahrzeug, in dem der Fahrgast mitsamt dem Rollstuhl ins Auto befördert wird. Darüber hinaus sind wir noch IST-Mobil-Teilnehmer, haben einen Stretchlimousinenservice, Autoverleih und eine Kfz-Werkstatt mit Kfz-Teile-Handel.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie? 
Manfred Moll
: Insgesamt sind bei uns 35 Mitarbeiter in allen Bereichen angestellt.

»Eine minimale Anpassung der Preise mussten wir durchführen, wir müssen ja unsere Kosten decken«
Manfred Moll, Geschäftsleiter

Seit zwei Jahren beschäftigt die Corona-Pandemie die ganze Welt. Wie ist es Ihnen in dieser Zeit ergangen? 
René Moll
: Es gab natürlich massive Umsatzeinbußen. Über all unsere Bereiche verteilt sprechen wir von 60 Prozent und aufwärts. Ein wenig konnte ja mit der Werkstatt aufgefangen werden. Aber der Busbetrieb stand komplett still. Beim Taxi gab es während der Lockdowns nie ein Betretungsverbot, wodurch man bei Förderungen auch schlechter gestellt wurde. Man muss aber bedenken, dass bei geschlossenen Gasthäusern, vor allem im Nachtgeschäft, nahezu keine Fahrten stattgefunden haben, was einem Betretungsverbot sehr nahekommt. Da wir ein Unternehmen sind, konnten wir nicht für den Busbereich die höhere Förderung und fürs Taxi die niedrigere Förderung beantragen, sondern mussten uns für eine entscheiden, da ein Unternehmen nur eine Förderung beantragen darf. Da gingen wir beim Taxi dann leer aus.

Wie haben Sie diese Zeit überstanden? 
René Moll
: Wir haben den Fuhrpark stark reduziert und einige Fahrzeuge stillgelegt. Mit Stundungen beim Leasing und Förderungen wie der Kurzarbeit sind wir über die Runden gekommen. Geringfügig Beschäftigte mussten wir leider entlassen, wobei die betroffenen Mitarbeiter von uns eine Garantie erhielten, dass sie nach der Krise wieder eingestellt werden. Mittlerweile konnten wir dieses Versprechen teilweise bereits einlösen.

Wie ist die Situation aktuell, nachdem nun wieder alles geöffnet wurde?
Manfred Moll
: Im Taxibereich sind wir bei rund zwei Drittel  von dem, was vor der Krise war. Vor Corona waren wir mit 18 Autos unterwegs, aktuell sind es zwölf. Im Busbereich hat sich noch nicht viel getan.
René Moll: Der Taxibereich hat sich immer schneller erholt als die Busreisen. Im Sommer des Vorjahrs gab es wenige Einschränkungen. Damals ging auch im Busbereich die Auftragslage auf ein gutes Niveau – aber erst nach rund drei bis vier Monaten. Nun merkt man, dass das Geschäft langsam wieder anläuft, aber es ist ein längerer Prozess. Viele Menschen sind noch vorsichtig, es gibt keine Planungssicherheit.

Nun wurde alles gelockert – und plötzlich schießt der Benzinpreis in die Höhe. Wie hart trifft Sie das?
René Moll
: Das trifft uns sehr hart. Alles, was wir machen, ist von Benzin und Diesel abhängig. Früher gab es moderate Steigerungen von zehn bis 20 Cent. Nun sind die Preise innerhalb einer Woche um 70 Cent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Spritpreise verdoppelt. Das ist keine Preissteigerung mehr, das ist eine Preisexplosion.
Manfred Moll: Besonders bei den Bussen ist der Anstieg schlimm. Der 56-Sitzer schluckt auf 100 Kilometer 30 Liter, eine volle Tankfüllung kostet nun rund 1.200 Euro. Die Preise sind auch für alle Ersatzteile angestiegen. Es gibt auch Lieferschwierigkeiten bei den Teilen. Das ist brutal. Wenn ein Auto wegen eines Defekts nicht im Einsatz ist, ist das für uns ein Einnahmenentgang, jeder einzelne Tag an Lieferverzögerung kostet Geld. 

Wird es bei Ihnen nun zu einer Preisanpassung kommen?
Manfred Moll
: Eine minimale Anpassung der Fahrpreise mussten wir bereits durchführen, wir müssen schließlich ja auch unsere Kosten decken.
René Moll: Das hohe Preisniveau  wird aber sicher länger andauern. Deswegen wäre auch schnelle Hilfe der österreichischen Bundesregierung notwendig: Denn die Preise bei Fixverträgen wie den Schülertransporten oder beim  IST-Mobil können nicht verändert werden. Da können wir die gestiegenen Kosten nicht weitergeben und müssen die »Krot« wohl schlucken.

Was würden Sie sich von der Bundesregierung erwarten?
René Moll
: Es geht ja nicht nur um uns als Unternehmer, es trifft ja auch alle Privaten, ganz besonders hart natürlich die Pendler. Ein Pendler, der  früher 200 Euro für den Sprit benötigte, braucht jetzt 400 Euro. Durch die hohen Spritpreise steigen natürlich auch die gesamten Transport- und Energiekosten – und die werden die Unternehmer natürlich auf die Preise aufschlagen, weshalb die gesamten Lebenserhaltungskosten steigen werden.

Deswegen wäre eine vorübergehende Obergrenze beim Spritpreis notwendig oder man wirkt im Bereich der Steuern entgegen, indem man die Mehrwert- und Mineralölsteuer senkt. Aber es muss rasch etwas geschehen, die Hilfe wird jetzt benötigt. Wenn es zu lange dauert, werden viele keine Unterstützung mehr benötigen, da es die Betriebe nicht mehr geben wird. Ich verstehe nicht, warum man solche Maßnahmen in anderen Ländern, siehe Slowenien, rasch durchsetzen kann, bei uns aber ewig darüber diskutiert werden muss. 

Wenn die Preise auf diesem Niveau bleiben, kommen Sie dann noch lange über die Runden?
René Moll
: Als die Corona-Pandemie kam, konnten wir noch mit Rücklagen arbeiten. Nun, nach zwei Jahren Corona, sind wir natürlich auch von der Krise gebeutelt und viele Reserven sind aufgebraucht. Jetzt haben wir auf eine Erholung durch die Öffnungsschritte gehofft – und dann kommt die nächste Krise. Aktuell beschäftigt uns die Spritpreisentwicklung natürlich sehr, aber es weiß derzeit überhaupt noch niemand, wie es mit Corona weitergehen wird, ob es wieder Lockdowns oder Einschränkungen geben wird. Auch kann niemand vorhersagen, ob sich die Treibstoffpreise wieder normalisieren oder doch auf einem höheren Preisniveau bleiben werden.

Was sagen Sie zu der CO2- Steuer, die ab 1. Juli kommt?
René Moll
: Die CO2-Steuer sollte aufgrund der aktuellen Preisentwicklung unbedingt verschoben werden, bis sich die Lage normalisiert hat. 

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