Parkwächterin Tanja Karner: »Manche Parksünder haben oftmals überhaupt keine Hemmungen«Ausgabe 40 | Mittwoch, 6. Oktober 2021

Tanja Karner (43) arbeitet für ÖWD security in Wolfsberg und ist für die Überwachung der Parkplätze zuständig. Mit den UN spricht sie über den Job, uneinsichtige Parksünder, aber auch schöne Erlebnisse und ob man Strafzettel auch wieder verschwinden lässt.

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Wie sind Sie zum Österreichischen Wachdienst (ÖWD security) gekommen? 
Ich habe die offene Stelle über das Arbeitsmarktservice gefunden. Ich war damals gerade in Karenz und auf Arbeitssuche. Ich habe mir, als ich die Stellenausschreibung sah, gedacht, dass würde mir schon gefallen. Man ist den ganzen Tag unterwegs und unter Leuten – oder in meinem Fall unter Autos. Ich wollte als Kind ja Richterin werden, und auch bei der Parkraumbewirtschaftung kann ich etwas für die Gerechtigkeit tun, und außerdem mache ich etwas für meine Gesundheit, denn man ist sehr viel zu Fuß unterwegs.

Wie viele Kilometer schaffen Sie pro Tag? 
Ich komme so an die 15 Kilometer pro Tag, und das bei jeder Witterung.

Wie wird man eigentlich Mitarbeiter bei der Parkraumbewirtschaftung? 
Man absolviert bei der Bezirkshauptmannschaft eine Ausbildung, muss eine Prüfung ablegen und wird danach von der Behörde  vereidigt.

Sie sind im Bereich der Parkraumbewirtschaftung tätig. Was gehört zu Ihren Aufgaben? 
Ein wichtiger Teil ist natürlich zu überprüfen, ob ein Parkticket gelöst wurde und es gültig ist bzw. ob die Parkuhr gestellt wurde. Wir überprüfen aber auch, ob Fahrzeuge richtig abgestellt werden, also nicht über zwei Parkplätze parken usw. Ein besonderes Anliegen sind mir die Behinderten-Parkplätze, die sind ja nicht ohne Grund da. Auch hier überprüfen wird, ob das abgestellte Fahrzeug überhaupt eine Berechtigung hat. Aber auch die Park- und Halteverbote werden von uns überprüft, die haben ja auch einen Sinn. Wie zum Beispiel das absolute Park- und Halteverbot bei der ehemaligen Generali. Wenn dort Autos parken, kommt der Bus nicht mehr um die Kurve.

Wie groß ist Ihr Einsatzgebiet? 
Es geht vom Stadionbad im Süden bis hin zum Bahnhof im Norden.

Was sind denn die häufigsten Ausreden der Parksünder? 
Es kommen eher selten Leute gerade dann zu ihrem Fahrzeug zurück, wenn ein Organmandat ausgestellt wird. Die meisten sagen, dass sie die Zeit übersehen oder gedacht hätten, man könne hier länger parken.

Wenn ich ein paar Minuten drüber bin, wird also kein Auge zugedrückt? 
Wenn die Zeit abgelaufen ist, dann ist sie abgelaufen. 

Fragen manche Leute auch nach, ob Sie den Strafzettel nicht einfach verschwinden lassen könnten? 
Natürlich kommt das immer wieder vor. Aber wir können keinen Strafzettel zurücknehmen, wenn er einmal ausgestellt ist. Aber wenn jemand glaubt, er habe ihn zu Unrecht erhalten, dann kann er im Rahmen eines Verwaltungsstrafverfahrens seine Rechtfertigung abgeben.

Wurden Sie von Menschen auch schon verbal attackiert oder gar schon einmal körperlich angegriffen? 
Verbale Angriffe kommen immer wieder vor. Meist werden die Menschen dann sehr tief und zweifeln die Intelligenz der ausstellenden Person an. Sie verhalten sich oft auch äußerst primitiv. Da Interessante dabei ist, dass sich das primitive Verhalten durch sämtliche Gesellschaftsschichten zieht, vom Arzt und Professor bis hin zum Arbeiter.

Das Schlimmste ist, dass viele Menschen oft schon aggressiv werden, wenn sie mich nur in der Nähe ihres Autos sehen. Viele geben uns Parkwächtern die Schuld daran, dass Geschäfte schließen und die Innenstadt verlassen. Wir sorgen nur dafür, dass die Parkplätze korrekt benutzt werden.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis im Job? 
Einmal hat mich jemand, der einen Strafzettel bekommen hatte, wüst beschimpft. Als ich weiterging, ist er mir noch eine lange Zeit hinterher gegangen. Da hatte ich wirklich Angst, denn er hatte absolut keine Hemmungen. Da sind Wörter gefallen, die mir nicht im Traum einfallen würden.

Und was war Ihr schönstes Erlebnis? 
Als ich einmal einen Strafzettel für ein SUV-Maserati ausstellen konnte. Damit wurde gezeigt, dass die Regeln für alle gelten.

Haben Leute, denen Sie ein Ticket ausstellten, auch schon mal versucht, der Strafe durch flirten zu entgehen? 
Na ja, es sagen schon öfters Leute, »ich würde Sie lieber auf einen Kaffee einladen, als das Geld für einen Strafzettel auszugeben«. Aber einen Strafzettel gibt es trotzdem.

Braucht Wolfsberg mehr Parkplätze? 
Ich bin keine Stadtplanerin. Was ich aber von Autofahrern immer wieder höre, ist, dass ein Tagesticket eine gute Idee wäre. Von auswärtigen Besuchern hört man immer wieder, dass sie überrascht sind, wie billig bei uns in Wolfsberg das Parken ist und dass eine Stunde parken kostenlos ist. 

Führen Sie noch weitere Tätigkeiten aus, abgesehen von der Parkraumbewirtschaftung? 
Hauptsächlich ist es natürlich die Parkraumbewirtschaftung. Durch Corona wurden wir auch anderwertig eingesetzt. So haben wir die Corona-Zugangskontrollen bei den Amtsgebäuden übernommen und bei den Gemeinderatssitzungen. Ich wurde außerdem heuer bereits zum zweiten Mal beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel eingesetzt, wo ich für die Zugangskontrolle zuständig war. Das war schon ein cooles Erlebnis, österreichische Skifahrer-Größen wie Franz Klammer und Armin Assinger zu treffen, und dann wedelt der Hansi Hintersee an einem vorbei.

Welche Voraussetzungen benötigt man für Ihren Job?
Ein einwandfreies Leumundszeugnis ist die Grundvoraussetzung. Darüber hinaus sollte man eine dicke Haut haben, um die Kritik der Menschen, denen man ein Ticket ausstellt, auszuhalten.

Wann ist Ihr Job eigentlich angenehmer: im Sommer oder im Winter? 
Definitiv im Winter. Denn da kann man sich immer noch ein wenig der Kleidung entledigen. Im Sommer kann es wegen der Hitze schon brutal werde. Die Sonne brennt nieder, und dann kommt auch noch die Gegenhitze vom Asphalt dazu.

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