»Der Mönch« Heimo Luxbacher: »Bis man von Kunst richtig leben kann, dauert es sehr lange« Ausgabe 27 | Mittwoch, 7. Juli 2021

Der Lavanttaler Künstler Heimo Luxbacher (55) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten: Wie er zu seinem Namen »der Mönch« gekommen ist, warum er Künstler wurde und wie es ist, ein Atelier im Kirchturm der Wolfsberger Stadtpfarrkirche zu haben.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
In der Abgeschiedenheit der ehemaligen Wohnung des Turmwächters in der Markuskirche holt sich der Künstler Heimo »der Mönch« Luxbacher seine Inspiration und erschafft neue Werke, auch für den Kirchenshop in der Stadtpfarrkirche. Foto: KK

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Wie sind Sie überhaupt Künstler geworden?
Das begann schon in der Kindheit. Ich habe schon damals gesagt, ich werde Künstler. Ich habe es geliebt zu malen und Modelle zu bauen. Wenn man am Land aufwächst, ist es zwar nicht so leicht, so einen Berufsweg einzuschlagen. Aber wenn man etwas gerne macht, schafft man es.

Ihr Künstlername ist »Der Mönch«. Wie ist es dazu gekommen? 
Ich habe immer an religiösen Orten mit Jugendlichen gearbeitet und wollte ihnen Kunst näher bringen. Und diese nannten mich irgendwann scherzhaft Mönch. So richtig durchgesetzt hat sich der Name aber erst nach der Protestaktion vor der Kirche in Völkermarkt.

Diese Protestaktion hat damals für viel Aufsehen gesorgt. Was war da genau los?
Ich habe 15 Priester und 15 Jugendliche zu einer Diskussion darüber, was man in der katholischen Kirche ändern könnte, eingeladen. Die Kirche sagte, dass niemand hingehen dürfe. Da dachte ich mir, dann komme ich halt zu ihnen. Ich habe dann eine Aktionskunst vor der Stadtpfarrkirche in Völkermarkt gemacht. 2001 inszenierte ich den »Altar der Sünde«: Eine nackte Frau, die von Männern in Bettelordenskutten kniend angebetet wird und gleichzeitig mit Kreuzen in der Hand »ausgetrieben« werden soll. Ich habe angekündigt, die Aktion jeden Sonntag vor einer Kirche in Kärnten zu machen. Und darauf hat die Kirche reagiert, und es hat schließlich die Diskussion mit Priestern und Jugendlichen stattgefunden.

Ich habe immer wieder Aktionskunst zu Themen zum Nachdenken, das ist mir sehr wichtig. Ich habe das auch damals, als der Pyramidenkogel gesprengt wurde, an den letzten Tagen vor der Sprengung im Turm gemalt und so den Turm verewigt. Die Bilder wurden bei zwei Ausstellungen gezeigt.

»Ich bin sehr gläubig, aber auf meine Art. Ich bin nicht einer, der jeden Sonntag in die Kirche geht«
Heimo Luxbacher, Künstler

Wie ist Ihr Verhältnis zur Kirche?
Das Verhältnis passt und man sieht auch, dass sich die Kirche nun öffnet. 

Wie lebt man so als Künstler, geht sich das finanziell aus?
Bis man davon richtig leben kann, dauert es eine Zeit lang, mindestens zehn Jahre. Man wird als Unternehmer eingestuft und muss seine Steuern zahlen. Man muss sich halt breiter aufstellen, und das habe ich auch gemacht. Wenn eine Richtung nicht so gut läuft, kann man eine andere wählen. Das ist sehr wichtig. Ein Künstler, der nur eine Linie hat, tut sich sehr schwer. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich mache Projekte, Skulpturen, Skizzen, Bilder, Installationen. Künstler ziehen sich oft zurück. Natürlich ziehe ich mich auch hin und wieder zurück. Aber man muss dann auch wieder hinaus gehen, unter die Leute.

Was ist Ihre bevorzugte Richtung?
Wenn ich eine Skulptur mache, muss ich auch Skizzen und Modelle machen. Da sind alle Techniken vereint. Ich mache alles gerne. Bei Skulpturen geht es von der Platzauswahl über die Skizze, das Modell bis hin zur fertigen Skulptur. Dazu gehören natürlich auch die Materialauswahl und vieles mehr. Da ist es wichtig, alles perfekt zu machen. Da gehören alle Techniken rein, von der Malerei bis zum Fertigen der Skulptur. Ich kann von Anfang bis zum Ende alles selbst machen.

Sie haben gesagt, Sie arbeiten gerne mit Jugendlichen und fördern deren Kreativität. Wie machen Sie das?
Ich mache Workshops an Schulen oder wo immer ich gebraucht werde. An der Fachberufsschule Wolfsberg habe ich das Projekt »Kunst in der Lehre« eingeführt, das von den Jugendlichen sehr gut angenommen wird. Es ist auf Lehrlinge abgestimmt. Auch wenn heute sehr viel über Computer läuft, muss man kreativ sein. Ein Computer macht nur, was man ihm vorgibt. Es ist dabei ganz wichtig, dass Jugendliche über den Tellerrand hinausschauen. 

Seit Kurzem haben Sie ein Atelier im Kirchturm der Markuskirche in Wolfsberg. Wie ist es dazu gekommen?
Im Jänner hat mir der Wolfsberger Pfarrer Christoph Kranicki den Auftrag gegeben, ein spezielles Jesus-Bild für die Kirche zu fertigen. Dieses wurde dann zu Ostern von Diözesanbischof Josef Marketz eingeweiht. Im Zuge dieser Arbeiten haben wir über eine Idee von Kranicki gesprochen, einen Kirchenshop einzurichten. Im Zuge der Gespräche sind wir dann auf die alte Wohnung des Turmwächters gekommen und ich meinte, ich würde sie gerne als Atelier nutzen. Kranicki war davon sofort begeistert, und wir haben im Rahmen der »Langen Nacht der Kirchen« eine Ausstellung gemacht.

Mittlerweile steht die nächste Ausstellung an. Am 23., 24. und 25. Juli ist der Kirchturm offen und neben mir stellen Astrid Komposch und Gerhart Weihs ihre Kunstwerke aus. Ulrich Habsburg-Lothringen wird am Samstag um 17 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr sein neues Buch »Verortungen« präsentieren und signieren. Die Ausstellung läuft bis 7. August, vor dem Besuch ist aber eine Anmeldung erforderlich.

Wie ist das Arbeiten in Ihrem Atelier im Turm?
Man weiß, dass Kirchenbauten immer auf Kraftplätzen gebaut werden. Ich habe bei mir zu Hause auf der Pack zwar auch meine Ruhe, aber in der Kirche ist es etwas anderes. Wenn man in der Nacht arbeitet, spürt man die Energie und die Inspiration, es geht einfach alles leichter.

Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Ich bin sehr gläubig, aber auf meine Art und Weise. Ich bin nicht einer, der jeden Sonntag in die Kirche geht.

Sie machen auch generationsübergreifende Projekte für das Land Kärnten. Worum handelt es sich dabei?
Ich mache das bereits das sechste Jahr kärntenweit. Das ist für mich eine gute Gelegenheit, mit der Kunst in die Gemeinden zu kommen. Mittlerweile habe ich in fast 30 Gemeinden Spuren hinterlassen. Ich möchte Generationen zusammenzubringen: Es gibt Workshops, wo Großeltern mit den Enkeln arbeiten. Angeboten werde verschiedene Kunstformen. Zum Abschluss findet ein Fotografie-Workshop statt, und mit den Aufnahmen aus der jeweiligen Gemeinde und in Zusammenarbeit mit der Fachberufsschule Wolfsberg entstehen Säulen, die die Aufnahmen präsentieren. Die Säulen werden an wichtigen Punkten in den Gemeinden aufgestellt. In Frantschach-St. Gertraud steht sie im Generationenpark, in Bad St. Leonhard kommt sie vor das Gemeindeamt usw. Es ist immer toll zu sehen, wie sich die Generationen gegenseitig unterstützen. 

Wie ist es Ihnen in der Coronazeit ergangen?
Ich hatte Zeit, Techniken zu entwickeln, für die ich vorher keine Zeit hatte. Ich nutze diese nun für meine Werke im Kirchturm. Dabei handelt es sich um eine spezielle Brenntechnik. Dadurch habe ich gleich viele Aufträge wie vor der Pandemie. 

Natürlich muss man ein wenig umdenken, aber das ist jedem so ergangen. Man darf halt nicht im Eck sitzen und jammern. Man muss flexibel sein.

Was steht in naher Zukunft an?
Ich plane nicht mehr so viel voraus. Es kommt so viel auf mich zu und ich mache diese Sachen gerne, wie zum Beispiel Kunst am Bau usw. Das kommt meist recht kurzfristig. Deswegen plane ich nicht Jahre voraus.

Was war der höchste Betrag, den Sie für ein Kunstwerk erhalten haben?
Das war eine Auftragsarbeit um 108.000 Euro. Dabei hat es sich um eine Skulptur gehandelt. Aber natürlich muss man davon auch das Material bezahlen usw.

Warum leben Sie in der Abgeschiedenheit auf der Pack?
Weil ich einfach meine Ruhe brauche. Wenn ich unterwegs bin, ist es schön, nach Hause zu kommen und in der Ruhe zu sein, sich inspirieren zu lassen, mit dem Hund spazieren zu gehen. Ähnlich ist es auch im Atelier im Kirchturm. 

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