Segler Helmut Buchbauer: »200 Seemeilen von der Küste entfernt gibt es keine Rettung mehr« Ausgabe 28 | Mittwoch, 14. Juli 2021

Der Wolfsberger Helmut Buchbauer (57) kehrte am Wochenende von einer mehrwöchigen Atlantiküberquerung zurück. Dabei galt es, Einreiseschwierigkeiten in die USA und ein Betriebeproblem beim Boot zu überwältigen. Im Herbst ist der nächste Segeltörn geplant.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Links: Helmut Buchbauer (l.) mit seinen beiden Kollegen Gert Hanzl und Martin Buchbauer (r.) auf den Bermudas. Mitte: Buchbauer beim Hochziehen eines Segels in schwindelerregenden Höhen. Rechts: Buchbauer bei seiner Tour zum Nordkap vor einigen Jahren.Foto: KK

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Sie sind am Wochenende von einer Atlantik-Überquerung mit einem Segelboot zurück nach Wolfsberg gekommen. Warum tut man sich so etwas an?
Ein österreichisches Ehepaar war im Vorjahr mit seinem Boot in den USA unterwegs und wollte eine Atlantikrunde machen. Durch Corona und die damit verbundene Rückholaktion österreichischer Staatsbürger aus den USA mussten sie das Boot in Jacksonville, Florida zurücklassen. Heuer hatten sie keine Zeit, ihr Boot zu holen, und da haben sie mich gefragt.

Und Sie haben gleich ja gesagt, und schon ging der Segeltörn los?
So ungefähr. Ich habe sofort ja gesagt. Ich musste mir aber noch zwei Kollegen suchen, denn so eine Fahrt kann man nicht alleine machen. Und die habe ich dann mit Martin Buchbauer und Gert Hanzl auch recht rasch gefunden.

Wie ging es dann weiter?
Dann kam der komplizierte Teil. Denn aufgrund der Corona-Pandemie herrschte in den USA ja ein Einreiseverbot für Europäer. Unser Visa-Antrag wurde zwei Mal abgelehnt. Wir haben dann vom »National Interest Waiver« gehört, einer Ausnahmeregelung, bei der man eine Genehmigung zur Einreise bekommt, weil es im Interesse der USA liegt. Darum haben wir angesucht und erhielten die Antwort: »Ihre Einreise liegt nicht in unserem Interesse.«

»Dass wir im Notfall mit keiner Hilfe rechnen konnten, kommt einem schon zu Bewusstsein«
Helmut Buchbauer, Segler, Kapitän der »Beutel 1«

Aber Sie gaben nicht auf?
Nein. Uns fiel dann noch ein, dass ein Bekannter der Schiffseigner die US-Ehrenbürgerschaft besitzt. Der hat bei der US-Botschaft angerufen, und so sind wir doch noch zu einem Visa gekommen.

Danach gab es keine weiteren Probleme bei der Einreise?
(Lacht.) Gleich am Flughafen Wien tauchte das nächste Problem auf, da nur ich bei dem Visa eingetragen war. Also mussten erst einmal meine zwei Weggefährten hinzugefügt und ein neuer Flug gebucht werden. Aber dann stand der Reise nichts mehr im Wege.

Stachen Sie nach der Ankunft in den Staaten sofort in See oder verbrachten Sie noch einige Tage an Land?
Das Boot lag fast ein Jahr im Hafen, wir mussten ein paar Wartungsarbeiten durchführen. Dafür haben wir drei Tage benötigt, danach ging es los Richtung Bermudainseln.

Das war dann sozusagen das Aufwärmen vor dem Atlantik?
Genau. Die Fahrt zu den Bermudainseln dauerte eine Woche, dort rüsteten wir uns für die Atlantiküberquerung. Wir brauchten ja Proviant für die Überfahrt. Wir hatten 400 Liter Wasser an Bord und einige Biere. Nach ein paar Tagen ging es schließlich los Richtung Azoren.

Wie viele Kilometer wurden auf See überwunden?
Von Jacksonville bis zu den Azoren sind es etwa 3.600 Kilometer.

Und wie haben Sie sich während der Überfahrt versorgt?
Das Wasser hatten wir, wie bereits erwähnt, an Bord. Für drei, vier Tage hatten wir frische Lebensmittel mitgenommen, für die weitere Überfahrt mussten wir uns mit lange haltbaren Lebensmitteln wie Kraut und Dosenfutter begnügen. Natürlich haben wir mittels Schleppangeln auch selbst Fische aus dem Ozean geholt.

Verlief die Überfahrt problemlos?
Es haben insgesamt 15 Squalls erwischt. Das sind Wetterphänomene, bei denen die Windstärke extrem ansteigt und eine Wasserwand auf einen herunterbricht. Nach rund einer halben Stunde ist der Spuk vorbei. Im Großen und Ganzen haben wir diese Phänomena aber gut überstanden.

Gab es trotzdem ein größeres Problem?
Kurz vor dem Ende der Reise hatten wir ein Getriebeproblem. Wir konnten den Vorwärtsgang nicht mehr einlegen und mussten nur mit den Segeln die Fahrt zu Ende bringen. Dadurch hat sich die Fahrt um ein paar Tage verlängert.

Und dann habt Ihr endlich die Azoren erreicht?
Ja, und es gab auch gleich wieder Probleme bei der Einreise. Aufgrund der Coronavorschriften mussten wir einen Test machen, denn unsere Impfungen haben die Behörden nicht interessiert. Also mussten wir vor Horta (Anm.: Ortschaft auf den Azoren) den Anker auswerfen und auf das Testergebnis warten. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt kein Wasser- und Nahrungsmittelreserven mehr an Bord, und wurden vom bekannten »Peter Café« versorgt. Nach 51 Stunden durften wir endlich einreisen und das Boot an die Eigentümer übergeben.

Also Ende gut, alles gut. Lebensbedrohliche Situationen gab es keine?
Wenn man 200 Seemeilen (Anm.: 370 Kilometer) von der Küste weg ist, können einen Hubschrauber nicht mehr retten. Wir waren immer so weit von den Schifffahrtsrouten weg, dass wir im Notfall mit keiner Hilfe rechnen konnten. Das kommt einem schon zu Bewusstsein. Aber meine Lebensgefährtin Sabine hat uns über ein Satellitentelefon mit Wetterdaten versorgt, sodass wir – wenn notwendig – unsere Route entsprechend anpassen konnten und sicher waren, dass wir in keinen Monstersturm fahren.  

Warum fuhren Sie weit entfernt von den Schifffahrtsrouten?
Weil es von den Azoren nach Jacksonville keinen Schiffsverkehr gibt. Die Unternehmen wählen zwischen Europa und den USA die kürzeste Strecke. Wir haben die Strömung des Golfstroms genutzt, der schob uns zusätzlich mit zwei bis drei Knoten (Anm.: 3,7 bis 5,5 km/h) an. 

Wie schnell ist man bei so einer Reise überhaupt unterwegs?
Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei zwölf Kilometern pro Stunde.

Wie sind Sie eigentlich zum Segeln gekommen?
 
Ich hatte vor 15 Jahren einen schweren Motorradunfall und war  danach sieben Jahre auf Krücken angewiesen. Als sich schließlich mein Fuß erholte und ich wieder normal gehen konnte, habe ich mir ein Boot gekauft. Ich habe es auf eBay ersteigert.

Also auf eBay ersteigert und auf den Namen »Beutel 1« getauft. Woher kommt der Name?
Weil ich bereits zu meiner Schulzeit ein »Beutel« war und diesen Spitznamen von meinen Freunden bekommen hatte.

Sie haben bereits einige größere Touren hinter sich. Wo waren Sie schon unterwegs?
Zunächst habe ich einige Bootstouren im Norden Europas gemacht, um das Nordkap und in der  Ostsee. Dabei war ich meist sechs bis sieben Monate am Boot, meistens alleine. Nach ein paar Jahren habe ich mein Boot in den Süden überstellt und es liegt nun in Griechenland. Touren machte ich auch im Mittelmeer und der Ägäis.

Gibt es schon Pläne für Ihre nächste Tour?
Ich werde jetzt schauen, wie sich die Coronazahlen und -maßnahmen in Griechenland in den kommenden Wochen entwickeln. Wenn das passen sollte, möchte ich im Herbst gemeinsam mit Sabine eine rund zweimonatige Tour bei den Sporaden mit einer Länge von etwa 3.000 Kilometern unternehmen.

Gibt es einen speziellen Segeltörn, den Sie irgendwann gerne machen würden?
Auf alle Fälle. Ich möchte einmal auf Jan Mayen. Das ist eine 373 Quadratkilometer große Insel etwa 550 Kilometer nordöstlich von Island. Sie ist unbewohnt, es gibt dort lediglich eine Forschungsstation. 

Wie viele Kilometer sind Sie mittlerweile auf den Weltmeeren gesegelt?
Das sind so rund 70.000 Seemeilen, umgerechnet rund 130.000 Kilometer. 80 Prozent davon habe ich alleine absolviert.

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