Philipp Teper: »Hätte das Recht auf ein Dienstauto, aber das habe ich abgelehnt – ich fahre lieber Zug«Ausgabe 14 | Mittwoch, 7. April 2021

Der Lavanttaler Philipp Teper (41) ist seit 1. März Teil der Geschäftsführung von Roche. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach er über seinen beruflichen Werdegang, seine Leidenschaft zum Triathlon, was digitale Medizin ist und warum er kein Auto besitzt.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bild links: Der Lavanttaler Philipp Teper, Director Communications bei Roche, zu Gast bei den Unterkärntner Nachrichten. Bild rechts: Teper nahm bereits an mehreren Triathlon-Wettkämpfen teil, darunter auch in Nizza. Fotos: UN/much, privat

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Können Sie sich unseren Lesern kurz selbst vorstellen?
Ich komme aus dem schönen Völking bei St. Marein. Ich habe in St. Marein die Pflichtschulen absolviert, danach am BORG Wolfsberg maturiert. Ich bin dann weiterhin Kärnten treu geblieben und habe an der Alpen Adria Universität in Klagenfurt ein individuelles Diplomstudium – Medien und Betriebswirtschaftslehre – gemacht. Im Anschluss absolvierte ich meinen Zivildienst in Sao Paolo  in Brasilien, wo ich für die Kommunikation der Gefängnisseelsorge verantwortlich war.

Im Anschluss kehrte ich nach Österreich zurück, wo ich zunächst in Tirol für den Kommunikationsbereich der Plansee-Werke, dem Weltmarktführer im Bereich Pulvermetallurgie, zuständig war. 2009 kam ich zur RHI und 2014 wechselte ich zur Post.

2016 bewarb ich mich dann bei Roche, wo ich seit Oktober 2016 tätig und seit 1. März als Director Communications auch in der Geschäftsführung bin. Ich war schon vorher als Berater in der Geschäftsführung, jetzt bin ich ein Teil davon, aber nicht der Geschäftsführer.

Was macht der Director Communications? 
Der Director Communications ist für die Kommunikation nach außen, aber auch die unternehmensinterne Kommunikation zuständig.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Roche Diagnostics? 
In Österreich gibt es 180 Mitarbeiter bei Roche Diagnostics. Mit Roche Diabetes Care und Roche zusammen sind es 410 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigt Roche über 100.000 Mitarbeiter.

Roche hat im März 2020 als erstes einen Schnell-PCR-Test auf den Markt gebracht. Wie hat man das so schnell geschafft?
Es ist Roche gelungen, einen  massentauglichen Test für automatisierte Maschinen zu entwickeln. Die Tests konnten auf Hochdurchsatzplattformen durchgeführt werden. Das sind große Apparate, die weltweit in allen großen Labors stehen. Die Zusammenarbeit zwischen Roche und den Behörden hat in dieser Zeit super funktioniert. Ein entscheidender Faktor dafür war sicher die Digitalisierung. Bereits im März hatten wir von der FDA die Freigabe erhalten, und so konnten die Tests in Amerika, Europa und Asien eingesetzt werden.

Roche hat PCR-Tests mit sehr hoher Aussagekraft fürs Labor, aber auch für mobile Geräte beim Arzt oder im Krankenhaus. Auch Antigen-Schnelltests mit relativ hoher Aussagekraft, die binnen 15 Minuten ein Ergebnis zeigen, wurden entwickelt.

»Ein Krebsspezialist müsste täglich 29 Stunden lesen, um up to date zu sein – was unmöglich ist«
Philipp Tepper, Director Communications Roche

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein PCR-Test richtig liegt?
Beim Roche-PCR-Test liegt die Wahrscheinlichkeit bei über 99 Prozent. Wenn der Test sagt, man hat das Virus, kann man davon ausgehen, dass es stimmt. Bis zum Ergebnis wird der Test drei Stunden lang auf Maschinen analysiert. Der Antigen-Schnelltest ist eine andere Technologie. Die kann kein so genaues Ergebnis liefern wie Maschinen.

Trotzdem ist testen wichtig. Es lichtet den Nebel. Es gibt viele Menschen, die infiziert sind, aber keine Symptome aufweisen. 

Sie haben in einem Vorgespräch auch über digitale Medizin gesprochen. Was ist das? 
Da stehen wir in vielen Bereichen noch am Anfang. Ein Beispiel für den Bereich E-Medizin ist zum Beispiel das E-Rezept. Das ist etwas, dessen Umsetzung jahrelang versucht wurde, und jetzt geht es auf einmal. Damit ist gemeint, dass der Patient nicht mehr zum Arzt gehen muss, um sich das Rezept zu holen, sondern es auf elektronischem Wege vom Arzt an die Apotheke verschickt wird.

Ist Roche in diesem Bereich auch tätig?
Die medizinischen Daten explodieren, es gibt einen unfassbaren Zuwachs an Daten, und das ist ein großer Schatz. Das medizinische Wissen verdoppelt sich weltweit alle 70 Tage. Um das zu veranschaulichen: Ein Krebsspezialist müsste täglich 29 Stunden lesen, um up to date zu sein – was natürlich unmöglich ist. Da kann die Digitalisierung helfen, um schneller medizinische Kenntnisse zu gewinnen.

»In Wien ist ein Auto ohnehin nicht notwendig. Und für weitere Reisen nehme ich den Zug«
Derselbe zu seinen Reisegewohnheiten

Roche hat eine Software auf den Markt gebracht, die die vorhandenen Daten auf einer Plattform zusammengefasst und übersichtlich dargestellt, natürlich alles anonymisiert. 

Können Sie ein Beispiel nennen?
Für jeden Krebspatienten ist ein Tumorboard – eine Tumorkonferenz – vorgesehen. Da treffen sich verschiedene Mediziner, die den jeweiligen Fall durchbesprechen. Derzeit hat jeder seine Daten in unterschiedlicher Form zur Verfügung. Der eine hat sie einfach nur aufgeschrieben, ein anderer auf einem Laptop gespeichert usw. Roche führt diese unterschiedlichen Datenpools nun zusammen, was es wesentlich leichter macht, den Patienten zu diagnostizieren und zu behandeln.

Die Zukunft wäre, diese Datenpools schließlich weltweit zu vernetzen. 

Sie haben sicher einen stressigen Job. Wie schalten Sie ab, was machen Sie in Ihrer Freizeit? 

Die Coronazeit ist natürlich ein Wahnsinn, da ja nicht viel möglich ist. In der Freizeit mache ich Sport: Schwimmen, Radfahren und Laufen. 

Also Triathlon? 
Ja genau. Ich war auch schon bei fünf Ironman am Start. Ein schönes Erlebnis war, in Klagenfurt beim Ironman die persönliche Bestzeit aufzustellen. Ich ging aber auch bei Triathlons in Texas, Nizza, Frankfurt und Mallorca an den Start. Im Oktober steht der nächste auf dem Programm. Der findet in Portugal statt.

Sind Sie noch öfters im Lavanttal? 
Coronabedingt war ich es in letzter Zeit nicht so oft, aber sonst natürlich immer wieder sehr gerne. Ich habe ja auch noch sehr viele Freunde und Bekannte im Lavanttal, die ich immer wieder gerne besuche. Auch wenn ich viel unterwegs war, das Lavanttal wird immer meine Heimat sein. Irgendwann einmal werde ich auch wieder zurück gehen. 

Was schätzen Sie am Lavanttal? 
Ganz klar das Land und die Menschen. Es ist wunderbar dort zu sein und auf die Saualm zu gehen und die Natur zu genießen.

Sie leben in Wien. Was bevorzugen Sie: Einen Most bei einer Buschenschenke oder Wein beim Heurigen? 
Natürlich einen Most bei einer Buschenschenke. Der ist ein super Durstlöscher. Wenn ich auf Heimatbesuch bin und mich meine Eltern am Bahnhof abholen, geht es oft gleich einmal zu einer Buschenschenke.

Am Bahnhof abholen? Sie fahren mit dem Zug nach Wolfsberg, nicht mit dem Auto? 
Ich habe kein Auto. In Wien ist ein Auto ohnehin nicht notwendig. Und für weitere Reisen nehme ich den Zug. Ich bin zwar in der Geschäftsführung und hätte auch das Recht auf ein Dienstauto, aber das habe ich abgelehnt.

Als Sportler sind Sie sicher ein Fan des WAC. Was sagen Sie zu den Erfolgen des Wolfsberger Bundesligavereins? 
Am Anfang wurden wir ja noch oft belächelt, aber mittlerweile hat der WAC gezeigt, dass der Aufstieg in die Bundesliga keine Eintagsfliege war. Der WAC hat auch in der Europa League tolle Erfolge feiern können. Mit dem WAC kann ich auch meine Wiener Freunde gut aufziehen. Anfangs musste ich viel Spott aushalten, aber das Blatt hat sich mittlerweile gewendet. Es ist schön, wenn man die Wiener damit aufziehen kann, dass der »Dorfverein« Rapid oder die Austria geschlagen hat. (Anm.: Das Gespräch fand vor der 1:8-Niederlage gegen Rapid statt.)

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