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Stadt St. Andrä ließ Tor eines Privathauses abreißen: Besitzer (84) kämpft weiter um WiedergutmachungAusgabe 14 | Mittwoch, 3. April 2024

Stadt teilte Otto Sumper mit, sein viele Jahrzehnte altes Tor stehe auf öffentlichem Grund. Der Pensionist bestritt das, verlor aber eine Klage. Das Bauwerk wurde weggerissen. Die Gemeinde verweist auf notwendigen Gehweg-Bau und Versuche einer gütlichen Lösung.

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St. Andrä. Otto Sumper steht im Einfahrtsbereich seines Hauses in der Römerstraße und sagt: »Das Tor war mir sehr wichtig. Seit es entfernt wurde, bin ich gesundheitlich angeschlagen. So kann eine Gemeinde nicht vorgehen.« Die Stadt St. Andrä wieder verweist auf etliche Versuche, dem Pensionisten entgegenzukommen, die von ihm aber allesamt abgelehnt wurden – und auf gewonnene juristische Verfahren.  

»Das Tor war mir sehr wichtig. So kann eine Gemeinde nicht vorgehen«
Otto Sumper, Hausbesitzer

Besagtes Tor wurde nach einem langen Streit mit der Stadt im April 2020 von einem Privatunternehmen abgerissen – auf Kosten Sumpers. Knapp 11.000 Euro musste er dafür aus eigener Tasche bezahlen. Bis heute pocht er darauf, dass die Entfernung nicht rechtens war – und steht damit im Widerspruch zum Ausgang der Gerichtsverfahren. Jetzt plant er, den Prozess, der dem Abriss vorausging, wiederaufzunehmen. Er will, dass ihm die Stadt alle entstandenen Kosten ersetzt. Die lehnt das ab.

Die Geschichte reicht mehr als 50 Jahre zurück. 1967 kaufte Sumper ein Grundstück, um sich ein Haus darauf zu bauen. Allerdings stellte sich heraus, dass es unmittelbar neben der damals geplanten – und nie umgesetzten – St. Andräer Umfahrungsstraße lag. Dort konnte nicht gebaut werden. Also erwarb er weiteren Boden, in Absprache mit der Stadt kam es zu Grundtäuschen, bis seine jetzige Parzelle feststand. Sumper baute ein Haus und setzte ein Einfahrtstor davor, samt schmiedeeisernem Gitter – sein Stolz. 

Alles schien bestens, bis ein Nachbar 2013 seine Thujenhecke entfernte und eine Mauer errichtete – ein gutes Stück nach hinten versetzt. Plötzlich stand Sumpers Tor weit vor und bildete eine Ecke (siehe Bild links). 2015 meldete sich die Stadt und teilte Sumper mit, sein Tor befinde sich auf öffentlichem Grund. Weil der 84-Jährige das bestritt und darauf beharrte, es handle sich um seinen Besitz, brachte St. Andrä Klage auf Unterlassung der Nutzung öffentlichen Guts und Entfernung des Tors samt der drei Säulen ein.  

 

»Bürgermeister Stauber versuchte, mit Sumper zu verhandeln – doch er hat alles abgelehnt«
Gerald Ceplak, Amtsleiter

Vor Gericht stellte sich heraus, dass Grenzkataster und Verteilungsplan mit der tatsächlichen Nutzung nicht übereinstimmten. Sumpers Rechtsanwältin Christine Wernig: »Der Plan ist falsch. Es handelt sich lediglich um eine Skizze, niemand weiß, wer sie gemacht hat.« Sumper ist bis heute felsenfest überzeugt, er habe nur seinen eigenen Grund und Boden genutzt. »Außerdem habe ich diesen Bereich, den die Stadt beanspruchte, den ich aber Jahrzehnte ohne Beanstandung nutzte, ›ersessen‹«, sagt er. Allerdings heißt es im Gesetz: »An den als öffentliche Straße gewidmeten Flächen kann Eigentum auch nicht durch gutgläubige Verbauung erworben werden«, das heißt, man kann es nicht »ersitzen«.

Er verliert vor Gericht

Das Gericht folgte Sumpers Ansicht nicht: 2016 verlor er die Klage. Dann passierte etwas, was nur selten vorkommt, da sich Gemeinden selbst bei ausgewiesenen Schwarzbauten meist mit Strafen begnügen und versuchen, dem Eigentümer die Möglichkeit der nachträglichen Legalisierung einzuräumen: Im April 2020 rückten um 7 Uhr morgens Arbeiter und Maschinen an, entfernten Tor und Säulen und entsorgten die Teile.   

Danach wurde in der Römerstraße ein Gehweg gebaut – genau dort, wo Sumpers Tor stand. Der 84-Jährige: »Dafür habe ich aber bereits 1967 im Zuge der Grundtäusche 1,5 Meter abgetreten. Das war damals Bedingung der Gemeinde, damit sie die Kosten für die Urkundenabwicklung übernahm. Das heißt, die Stadt hat nun drei Meter meines Grundes bekommen.« Sumper glaubt, man habe es auf ihn abgesehen. Wer? »Das sage ich öffentlich nicht«, so der Pensionist. Belege für seine Behauptung sind nicht bekannt.

 Er wirft der Stadt vor, seit Beginn der Probleme nie Gesprächsbereitschaft gezeigt zu haben. Seine Anwältin Wernig: »Eine Einigung scheint nicht möglich. Daher streben wir die Wiederaufnahme des Verfahrens an.«

Sumper sagt: »Die ganze Sache belastet mich sehr. Post und Zeitung liegen jetzt in der Einfahrt, Ich habe das Tor oft aus dem Haus betrachtet, dass es nicht mehr da ist, schmerzt mich sehr. Ich will die Kosten erstattet haben, das Tor bekomme ich nicht mehr zurück.«  

Gerald Ceplak, Amtsleiter von St. Andrä, verweist auf die gewonnenen Gerichtsverfahren und beschreibt die Sachlage völlig anders: »Wir mussten seinerzeit den Gehweg vor Sumpers Haus unterbrechen, da dort sein Tor und seine Thujen standen. Bei der Planung dafür haben wir entdeckt, dass es sich um öffentliches Gut handelte. Der damalige Bürgermeister Peter Stauber versuchte, mit Sumper zu verhandeln und eine Einigung zu finden, er kam ihm sehr weit entgegen – doch Sumper hat alles abgelehnt.« Den Vorwurf der verweigerten Gesprächsbereitschaft weist er damit zurück.

Nichts übrig geblieben

Der Gemeinde sei laut Ceplak nichts anderes übrig geblieben, als ihren Grund einzuklagen – »erst dann konnten wir mit dem Gehweg weitermachen«. Dafür sei auch die Entfernung des Tors notwendig gewesen. Der Amtsleiter: »Vorher mussten die Leute auf die andere Straßenseite wechseln, weil vor Sumpers Haus kein Gehweg war.«

Laut Ceplak habe Sumper bereits öfter versucht, mittels Wiederaufnahme eine Korrektur der Gerichtsentscheidung zu erreichen: »Er war damit nicht erfolgreich. Wir haben korrekt gehandelt.« Die Stadt sei nicht bereit, Sumpers finanziellen Aufwand zu ersetzen. Der Amtsleiter: »Er hätte keinen Schaden gehabt, wenn er auf das Angebot von Bürgermeister Stauber eingegangen wäre. Er hätte das Tor versetzen können.«

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