LJ-Bundesleiterin Ramona Rutrecht: »Wir sind in der Krise recht schnell wieder aktiv geworden«Ausgabe 49 | Mittwoch, 2. Dezember 2020

Die Lavanttalerin Ramona Rutrecht (26) ist seit 21. November Bundesleiterin der Landjugend Österreich. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach sie über die Landjugend, die Herausforderungen der Krise und ihre überstandene Infektion mit dem Coronavirus.

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Wie sind Sie zur Landjugend gekommen? 
Ich bin seit 2010 Mitglied der Landjugend, war einige Jahre im Ortsgruppenvorstand der Landjugend St. Michael, 2016 kam ich in den Bezirksvorstand und ein Jahr später in den Landesvorstand der Landjugend Kärnten, wo ich bis Herbst 2019 als Landesleiterin tätig war. So kam ich dann auch mit dem Bundesvorstand mehr in Kontakt. Und seit 21. November bin ich nun Bundesleiterin der Landjugend Österreich.  

Was hat Sie dazu bewogen, für die Funktion der Bundesleiterin zu kandidieren? 
Ich habe schon einige Funktionen auf Ortsgruppen- und Landesebene hinter mir. Und es war eine schöne Zeit.  Es ist schön, was man alles bewirken kann mit 90.000 Jugendlichen in ganz Österreich. Es ist schön, wenn man für die Landjugend dieses Ehrenamt ausüben darf.

Welche Schwerpunkte haben Sie sich als Bundesleiterin für Ihre Arbeit gesetzt? 
Mir ist es wichtig, den Zusammenhalt und die Gemeinschaft weiterhin zu stärken und dass man ganz Österreich noch mehr vernetzt. Es ergeben sich bei der Landjugend viele Freundschaften fürs Leben und es ist schön, wenn man in ganz Österreich Leute hat, mit denen man etwas unternehmen kann.
Ich möchte der Jugend am Land auch eine Perspektive für die Zukunft geben: Wir können unsere Zukunft mitgestalten.

»Ich glaube, wir blicken positiv in die Zukunft, und es wird schon hinhauen«
Ramona Rutrecht, Bundesleiterin der Landjugend

Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, warum er der Landjugend beitreten sollte? 
Ich würde zunächst nicht viel sagen, ich würde ihm unser neues Imagevideo mit dem neuen Landjugendsong »Wir san dabei« zeigen. Ich denke, er beschreibt am Besten, was die Landjugend macht. Danach würde ich ihm von meinen Erfahrungen erzählen, was ich die vergangenen zehn Jahre erlebt habe, welche tollen Momente es gab.

Kommen wir zum Thema des Jahres: Corona.  Ich hoffe, Sie sind wohlauf, wie geht es Ihnen? 
Ich habe eine Corona-Infektion Gott sei Dank bereits ohne Symptome überstanden.

Wie hat sich die Infektion bei Ihnen bemerkbar gemacht? 
Ich hatte zum Glück nur zwei Tage Kopfschmerzen, aber ich war schon zwei Wochen lang recht müde und träge. Aber ansonsten eher symptomlos.

Aber jetzt sind Sie wieder topfit und haben keine Nachwirkungen mit Geschmacksbeeinträchtigungen oder ähnlichem? 
Ich bin wieder fit. Wenn ich Sport betreibe, merke ich es schon noch hin und wieder, aber es ist nicht so tragisch, wie von manchen beschrieben.

In diesem Jahr gab es aufgrund der Corona-Maßnahmen viele Einschränkungen im öffentlichen Leben. Wie hat sich das auf die Landjugend ausgewirkt? 
Am Anfang war es für alle ein Schock. Im Bezirk stand der Bezirkslandjugendball auf dem Programm, zwei Wochen davor ging es in den Lockdown. Weiters mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden. Die Landjugend lebt vom Zusammenkommen, sich Austauschen, Feste veranstalten, Kultur- und Brauchtumsveranstaltungen, Tanzproben usw. Und das war auf einmal weg. Es wollte zunächst keiner so richtig wahrhaben. 

Wir sind aber recht schnell wieder aktiv geworden und haben dann einen Einkaufsservice für Risikogruppen auf die Beine gestellt. Damit haben wir gezeigt, dass die Landjugend auch im Lockdown nicht still steht.

Anfangs waren alle recht skeptisch, vieles online zu machen. Aber das hat recht schnell gut funktioniert und ich sehe es auch als Chance. Zum Beispiel mit einer Bildungsveranstaltung in Kärnten werden online Menschen in ganz Österreich erreicht, was bei einer Veranstaltung sonst nicht möglich gewesen wäre.

Ein großes Projekt ist »Tatort.Jugend«. Das habt Ihr trotz Corona durchgeführt. Wie ist es gelaufen? 
Es war heuer sicher anders als in den vergangenen Jahren. »Tatort.Jugend« ist der Überbegriff für alle Landjugendprojekte, die durchgeführt werden. Es hat ein bisschen weniger Projekte gegeben als in den vergangenen Jahren. Aber mit der »Tatort.Jugend«-Schwerpunktwoche im Sommer gab es doch sehr sehr viele Projekte.

Wir konnten auch am 22. November die Bundesprojektprämierung durchführen. Es waren genug Projekte da, sehr viele tolle Projekte, und man hat gesehen, was die Landjugend auch in Krisenzeiten schaffen kann.

Wurden in diesem Jahr auch die Pflügerwettbewerbe durchgeführt? 
Es hat heuer die Drei-Furchen-Tournee nicht gegeben, dafür fand aber ein Pflügerwochenende statt. Da hatten viele neue Jugendliche die Möglichkeit, sich anzuschauen, wie es beim Pflügen abläuft, und wir hoffen, für die Zukunft neue Pflüger zu gewinnen.

Aufgrund der Corona-Maßnahmen mussten auch alle Veranstaltungen abgesagt werden. Wie wirkt sich das finanziell auf die Landjugend aus? 
Die Einnahmen der Landjugend stammen aus den Veranstaltungen und Bewerben. Die Einnahmen werden dann zum Ankauf von neuen Trachten oder Kulturreisen verwendet. Dadurch gab es aber auch weniger Ausgaben als in einem »normalen« Jahr. Natürlich wird es für die Ortsgruppen schwierig, zu sagen, ich kann nächstes Jahr wieder Veranstaltungen machen, wenn ich heuer weniger Einnahmen habe. Aber es gibt zum Glück einen Unterstützungsfonds, bei dem auch Landjugendgruppen um Unterstützung ansuchen können. Ich glaube, wir blicken positiv in die Zukunft, und es wird schon hinhauen.

Haben Sie bereits einen Berufswunsch? 
Ich denke, es werden mich auf meinem Lebensweg noch einige Berufe begleiten. Ich möchte nach dem Studium noch einige Jahre in Wien bleiben, um zu schauen, was es dort für Jobmöglichkeiten gibt. Aber früher oder später möchte ich auf alle Fälle wieder zurück ins Lavanttal und mir dort etwas aufbauen.

Sie wohnen studienbedingt in Wien. Wo ist es schöner: Im Lavanttal oder in Wien? 
Landschaftsmäßig schlägt das Lavanttal nichts. Die Stadt hat andere Sachen zu bieten. Ich muss aber ehrlich sagen, ich bin froh, nicht mitten in der Stadt zu leben, sondern in einem Randbezirk bei den Weinbergen. Ich glaube, mitten in der Stadt würde ich es als Landei aus dem Lavanttal wohl nicht aushalten. 

Was schmeckt Ihnen besser: Wiener Schnitzel oder eine Lavanttaler Brettljause? 
Zum Mittagessen ein Wiener Schnitzel, am Abend eine Brettljause. 

Wo gehen Sie lieber hin: Zu einem Buschenschank im Lavanttal oder einem Heurigen in Wien? 
Schwierige Frage. Im Lavanttal beim Buschenschank bekommt man eine gute Jause und einen guten Most. An eine Lavanttaler Brettljause kommt ein Heuriger nicht ran. Obwohl ein Heuriger auch schön ist und einen guten Wein hat.

Wie oft sind Sie im Lavanttal? 
Ich war eigentlich jedes Wochenende im Lavanttal. Durch meine Funktion als Bundesleiterin muss ich aber nun schauen, wie oft es sich noch ausgehen wird. Jedes Wochenende wird es wahrscheinlich nicht mehr gehen.

Viele höhere Funktionäre aus der Landjugend wechselten irgendwann einmal in die Politik. Ist das auch ein Ziel von Ihnen? 
Ziel würde ich jetzt nicht sagen. Die Landjugend ist aber sicher ein Sprungbrett dafür. Schauen wir einmal, was die Zukunft bringt, und dann sieht man, wo ich in Zukunft stehen werde.

Haben Sie einen persönlichen Wunsch für die Zukunft? 
Einer meiner größten Wünsche ist es, dass ich irgendwann einmal meine eigene Landwirtschaft betreibe und durch meine Produkte meine Familie versorgen kann.

Werden Sie einmal eine Landwirtschaft übernehmen? 
Wir haben eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft in unserer Familie. Die werde ich einmal übernehmen.

// Zur Person
Ramona Rutrecht
, 26 Jahre, aus St. Margarethen. Derzeit Studentin an der Universität für Bodenkultur in Wien, wo sie ein Masterstudium für Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie ein Bachelorstudium für Agrar- und Umweltpädagogik macht. 
Rutrecht sammelte Funktionärserfahrung auf Orts-, Bezirks- und Landesebene. Sie trat der Landjugend 2010 bei, war danach einige Jahre im Vorstand der Ortsgruppe St. Michael. Ab 2016 war sie auch im Bezirksvorstand der Landjugend Lavanttal. Von 2017 bis 2019 war sie Landesleiterin in Kärnten, und seit 22. November ist Rutrecht Bundesleiterin der Landjugend. 

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