Herbert Schweiger: »Persönlich möchte ich keine 24-Stunden-Überwachung wie in London haben« Ausgabe 36 | Mittwoch, 8. September 2021

Der Lavanttaler Kriminalreferent Herbert Schweiger (58) spricht im Interview mit den UN über die Suchtgiftproblematik, ob der Bezirk ein Drogen-Hotspot ist, den Anstieg des Vandalismus’ und wie er zur Überwachung öffentlicher Plätzen mittels Kameras steht.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Herbert Schweiger berichtet über die Kriminalstatistik im ersten Halbjahr: In den meisten Bereichen sind die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, bei der Cyberkriminalität und den Drogendelikten gibt es aber einen Anstieg. Foto: UN/much

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Wie sieht es aktuell mit der Kriminalität im Bezirk Wolfsberg aus? 
Die Kriminalität ist im Vergleichszeitraum Jänner bis August 2021 zu Jänner bis August 2020 allgemein zurückgegangen. Allerdings gibt es zwei Bereiche, in denen ein Anstieg zu verzeichnen ist. Bei den Suchtmitteldelikten gab es einen Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und bei der Cyberkriminalität: Da gab es um 15 Prozent mehr Delikte.

»Ein großes Problem ist das Darknet. Da werden die Drogen bis zur Haustüre zugestellt«
Herbert Schweiger, Kriminalreferent

Woran liegt dieser Anstieg bei den Suchtmitteldelikten? 
In diesem Bereich gab es immer Steigerungen, weil die Zugänge zu den verbotenen Substanzen immer einfacher und die Dealer immer »kreativer« werden. Es gab im Lavanttal drei Aktionen der Polizei, bei denen es auch zu Hausdurchsuchungen, Festnahmen und der Sicherstellung von Suchtgift gekommen ist. In einem Fall wurden gleich 20 Kilogramm Cannabis sichergestellt. Das spricht für die Arbeit der Polizei. Das Problem bei den Drogendelikten ist, dass, sobald wir einen Dealer aus dem Verkehr ziehen, ein neuer seinen Platz einnimmt.

Also ist das Lavanttal ein Hotspot bei den Suchtmitteldelikten? 
Hotspot würde ich jetzt nicht sagen. Wir liegen im Schnitt im Vergleich mit anderen Gemeinden in Österreich. Ein großes Problem ist mittlerweile das Darknet. Da werden die Drogen bis zur Haustüre zugestellt. Die Konsumenten wissen gar nicht, was in ihren Drogen ist, können nicht abschätzen, wie viel sie nehmen können – und dann kommt es immer wieder zu Überdosen. Im Lavanttal gab es heuer ja schon zwei Drogentote. 

Es gab einmal von der Polizei Hubschrauberrundflüge, um »Drogenplantagen« ausfindig zu machen. Werden diese noch durchgeführt? 
Natürlich gibt es das nach wie vor. Mittlerweile werden aber meist Drohnen eingesetzt, um die Anbaugebiete ausfindig zu machen. 

Einen Anstieg gab es auch bei der Cyberkriminalität. Oftmals gibt es den Eindruck, dass Lavanttaler dafür besonders anfällig sind. Können Sie das bestätigen? 
Ich glaube, das ist der subjektive Eindruck. Wir nehmen natürlich Fälle von Lavanttaler eher bzw. anders wahr. Dass es im Lavanttal eine Häufung von Fällen gegenüber anderen Bezirken gibt, kann ich nicht bestätigen.

Man liest fast täglich von Fällen, in denen jemand im Internet abgezockt wurde. Warum fallen die Menschen noch immer darauf herein? 
Das ist schwer zu sagen. Bei den sogenannten »Love Scams« hat es sicher etwas mit der Vereinsamung der Menschen zu tun. Die wollen sich dann soziale Zuwendung »erkaufen.«

Auch Mitleid spielt oft eine große Rolle. Da wird den Opfern vorgegaukelt, dass man in einer finanziellen Notlage sei und dringend Geld für eine Operation oder die Kinder benötige.

Bei den Gewinnspielen bzw. Finanzanlagen ist es sicher die Geldgier. Ich kann nur empfehlen, den Hausverstand einzuschalten. Denn wenn ich nirgends mitgespielt habe oder es nichts zu erben gibt, kann ich auch nicht plötzlich aus heiterem Himmel gewonnen oder geerbt haben.

Wenn man sich bei E-Mails oder auch Textnachrichten am Smartphone nicht sicher ist, ob es sich um etwas Seriöses oder doch Dubioses handelt, kann man bei der Polizei eine kriminalpolizeiliche Beratung in Anspruch nehmen. Die IT-Abteilung schaut sich das gerne an.

Zuletzt gab es im Lavanttal einige Vandalismusfälle. Haben diese im Vergleich zum Vorjahr zugenommen? 
Bis 15. August gab es ein Minus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Danach gab es einige Fälle, vorwiegend in der Gemeinde Wolfsberg. Durch die Öffnung der Nachtgastronomie ist die Zahl nach oben gegangen. Dadurch gibt es nun eine Steigerung von zehn Prozent. Im Vorjahr gab es im Vergleichszeitraum 91 Fälle, heuer waren es hundert. Es handelt sich dabei meist um die üblichen Fälle wie ausgerissene Blumen oder beschädigte Verkehrszeichen usw., meist im Nahbereich der Nachtgastronomie.

In St. Georgen soll nun die Freizeitanlage mit Kameras überwacht werden, und auch in Wolfsberg wurde schon angeregt, auf dem Kapuzinerspielplatz Kameras anzubringen. Wie stehen Sie der Kameraüberwachung gegenüber? 
Es ist nicht einfach, dafür eine Genehmigung zu bekommen, dass muss mit den entsprechenden Stellen abgeklärt werden.

Persönlich möchte ich keine 24-Stunden-Überwachung wie in London. Ich möchte als Privatperson nicht rund um die Uhr von einer Kamera aufgenommen bzw. überwacht werden. Es gibt ja ohnehin schon zahlreiche Kameras, die auch immer wieder bei der Aufklärung von Verbrechen sehr hilfreich sind, wie bei Geldautomaten, Juwelieren, Banken, Tankstellen, auf den Autobahnen, den Bahnhöfen usw. 

Jetzt kommt der Herbst. Dann ist meist mit einer Steigerung der Einbrüche zu rechnen. Wie verlief das heurige Jahr bislang?
Gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr gibt es ein Minus von 30 Prozent. In letzter Zeit gab es einige Einbrüche im Lavanttal. Diese betrafen meist Gastwirtschaften und Betriebsstätten, eher selten waren davon private Haushalte betroffen.

Es wurde befürchte, dass es durch die Corona-Lockdowns zu einer Zunahme an häuslicher Gewalt kommen werde. Ist das im Lavanttal eingetreten? 
Bis zum Ende des harten Lock- downs im Mai gab es statistisch gesehen einen Rückgang. Seither haben wir einen leichten Anstieg bei den Wegweisungen und Betretungsverboten zu verzeichnen.

Und wie sieht es generell mit den Körperverletzungen aus? 
Dabei gibt es heuer einen Anstieg um zehn Prozent. 83 Körperverletzungen wurden bisher angezeigt.

Für Teile der Bevölkerung ist der Bahnhof in Wolfsberg ein Hotspot. Dort soll es vermehrt zu Raufereien kommen und auch gedealt werden, heißt es immer wieder. Wie ist Ihre Einschätzung? 
Das kann ich so nicht bestätigen. Hinter dem Bahnhof werden von Jugendlichen legale Suchtmittel wie Zigaretten und Alkohol konsumiert, aber es ist sicher kein Hotspot. Jeder weiß, dass beim Bahnhof regelmäßig kontrolliert wird und dass es dort auch Kameras gibt.

War die Kriminalabteilung auch eingeteilt, um die Einhaltung von Corona-Maßnahmen zu überprüfen bzw. überwachen? 
Wir waren bei Schwerpunktaktionen mit der Bezirksverwaltungsbehörde dabei, ansonsten haben diese Tätigkeiten andere Dienststellen und die Bezirksverwaltungsbehörde selbst durchgeführt. Es gab auch viele Gerüchte über Gastronomiebetriebe, die sich nicht an die Corona-Maßnahmen hielten. Da haben wir auch unterstützt und kontrolliert. Es wurden aber keine Verfehlungen festgestellt.

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