Intensivmediziner Rudolf Likar: »Ein Impfstoff gegen Corona könnte im Frühjahr verfügbar sein«Ausgabe 47 | Mittwoch, 18. November 2020

Der Vorstand der Abteilung für Intensivmedizin am LKH Wolfsberg, Primar Rudolf Likar (61) sprach mit den Unterkärntner Nachrichten über die Situation im Spital während der zweiten Welle, Besuchsverbote, Coronatests und ob Hanf zur Anwendung kommen sollte.

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Wie ist die aktuelle Situation im LKH Wolfsberg bezüglich Covid-19-Patienten? 
Es werden ausreichend Kapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Patienten vorgehalten. Auch im LKH Wolfsberg ist eine deutliche Zunahme an Patienten – sowohl im normalstationären als auch im intensivmedizinischen Bereich – zu verzeichnen.

Wie trennen Sie Covid-19-Patienten von den anderen Patienten im LKH Wolfsberg? 
Die Patienten werden isoliert von den restlichen Patienten versorgt.

Gibt es ausreichend Kapazitäten an Betten für Covid-19-Patienten sowie auf der Intensivstation im LKH Wolfsberg? 
Derzeit sind ausreichend Kapazitäten vorhanden. Im Intensivbereich gibt es für ganz Kärnten ein Versorgungskonzept, alle Spitäler in Kärnten arbeiten eng zusammen, um alle Patienten und im Speziellen die intensivpflichtigen Patienten zu versorgen. Die Kapazitäten können je nach Bedarf angepasst werden.  

»Derzeit ist ausreichend Personal vorhanden. Wenn Engpässen kommen, wird kurzfristig umgeschichtet«
Primar Rudolf Likar, Vorstand Abt. Intensivmedizin

Gib es genügend Personal für die Versorgung und Behandlung der Covid-19-Patienten im LKH Wolfsberg? 
Derzeit ist ausreichend Personal vorhanden. Sollte es zu Engpässen kommen, kann kurzfristig Personal umgeschichtet bzw. gegebenenfalls auch eingestellt werden.

Wie ist das Vorgehen, wenn es beim Personal einen Infektionsfall gibt? 
Der entsprechende Mitarbeiter wird behördlich abgesondert und es wird ein Contact Tracing durchgeführt.

Steht auch dann noch ausreichend Personal zur Verfügung? 
Das hängt von der Anzahl der Fälle ab.

Was sagen Sie zu den von der Regierung gesetzten Corona-Maßnahmen? 
Wichtig ist das korrekte Tragen des Mund-Nasen-Schutzes, Abstand halten und regelmäßige Händehygiene.

Hat man sich ausreichend auf die zweite Welle vorbereitet? 
Wir haben frühzeitig begonnen, uns mit entsprechenden Stufenplänen auf einen neuerlichen Anstieg der Fälle vorzubereiten. Dabei wurde die Versorgung von Covid-Patienten ebenso berücksichtigt wie die Aufrechterhaltung des Regelbetriebs. Aufgrund des starken Anstiegs der Infektionszahlen müssen mittlerweile planbare Eingriffe schrittweise verschoben werden. Die Akutversorgung ist selbstverständlich gewährleistet. Patienten mit Beschwerden sollen sich nicht scheuen, das Krankenhaus aufzusuchen.

»Zum Schutz der Patienten und der Mitarbeiterwar ein Besuchsverbot erforderlich«
Derselbe auf die Frage der Notwendigkeit

Die Coronaampel wurde eingeführt, gleich darauf haben Maßnahmen der Bundesregierung die Ampel ausgestochen. Was halten Sie von der Coronaampel? Ist sie nicht überflüssig? 
Man sollte sie nicht ganz außer Acht lassen.

Wie lange wird es dauern, bis es einen Impfstoff gegen Covid-19 gibt? 
So wie es derzeit aussieht, dürfte im Frühjahr ein Impfstoff verfügbar sein.

Sollte dann eine Corona-Pflichtimpfung kommen? 
Wenn entsprechende Daten vorliegen, sollten bestimmte Gruppen, wie zum Beispiel das Gesundheitspersonal, auf alle Fälle geimpft werden.

Wird ausreichend getestet und bekommt man das Ergebnis schnell genug? 
Die breitere Anwendung von Antigentests wird die Situation erleichtern.

Wie sieht die Behandlung von Covid-19-Patienten aus? 
Im Intensivbereich werden die Patienten im Vergleich zum Frühjahr später beatmet und es ist mehr das klinische Bild des Patienten und sein subjektive Zustand für die Behandlung ausschlaggebend. Auch bei nicht intubierten Patienten wird verstärkt auf eine Bauchlagerung geachtet. In der Therapie erfolgt meist eine systemische Cortisonbehandlung und es kommt außerdem eine therapeutische Anti-Thrombose-Therapie zum Einsatz.

Werden in Wolfsberg auch Patienten mit schweren Verläufe behandelt? 
Selbstverständlich werden alle Patienten mit einem entsprechenden Therapieziel behandelt.

Wie werden Menschen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, betreut?
In Kärnten wurde für Menschen in häuslicher Quarantäne ein eigener Covid-Visitendienst eingerichtet, der die Erkrankten im Bedarfsfall zu Hause betreuen kann.

War das Besuchsverbot im LKH Wolfsberg notwendig?
Aufgrund der stark steigenden Zahlen und zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter war ein Besuchsverbot erforderlich. Ausnahmen gelten in lebenskritischen Situationen, im palliativen Bereich und für Begleitpersonen bei der Geburt.

Sie sind auch Schmerzspezialist. Wie stehen Sie zur medizinischen Anwendung von Hanf?
Da SARS-CoV-2 eine Entzündungsreaktion im Körper auslöst, könnte dies möglicherweise eine zusätzliche Anwendungsoption sein, aber dazu fehlen derzeit entsprechende Daten.

Sie leben in Klagenfurt. Pendeln Sie jeden Tag zwischen Klagenfurt und Wolfsberg hin und her oder haben Sie eine Unterkunft in Wolfsberg? 
Ich pendle zwischen Klagenfurt und Wolfsberg hin und her.

Was machen Sie, um nach einem anstrengenden Arbeitstag abzuschalten? 
Ein gutes Buch lesen oder ich gehe mit meinem Hund eine Runde laufen und absolviere Achtsamkeitstraining.

// Zur Person
Primar Rudolf Likar wurde am 28. Mai 1959 in Waiern/Feldkirchen geboren und ist in Flatschach bei Himmelberg aufgewachsen. 
Likar absolvierte von 1978 bis 1985 sein Medizinstudium in Graz, im Anschluss daran machte er von 1986 bis 1988 die Ausbildung zum Praktischen Arzt am LKH Klagenfurt.
Seit 1994 ist Likar Facharzt für Anästhesiologie und allgemeine Intensivmedizin.
Likar ist seit 2010 Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH Klagenfurt und seit 1. Oktober 2018  Vorstand der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am LKH Wolfsberg.

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