Seit 1887 | Das unabhängige Wochenblatt für Unterkärnten

Kulturinitiative möchte Lobisser-Fresken verhüllen, Stadt Wolfsberg erteilt dem Vorhaben klare Absage Ausgabe 18 | Mittwoch, 29. April 2026

»Lobisser entdecken« von Elisabeth Pressl hätte die Fresken von Suitbert Lobisser verdecken sollen. Die Aufmerksamkeit hätte man für eine kritische Auseinandersetzung nutzen können. Doch die Stadt Wolfsberg sieht keinen Handlungsbedarf und erteilte eine Absage.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Links: Auf der Fassade des Gebäudes in der Johann-Offner-Straße 18 sind die vier Fresken von Suitbert Lobisser zu sehen. Rechts: So hätte das Kunstprojekt »Lobisser entdecken« von Elisabeth Pressl aussehen sollen. Die Stoffbahnen sind beweglich und verhüllen die Fresken teilweise. Die Stadt Wolfsberg sieht keinen Handlungsbedarf. Fotos: Tripolt (1), Elisabeth Pressl (1)

Artikel

Wolfsberg. Die freie Kulturinitiative Container 25 lud im Vorjahr zu einer öffentlichen Ausschreibung, einem sogenannten »Open Call«, die unter dem Titel »Die Wolfsberger Idylle stören« lief. Die Ausschreibung war Teil des interdisziplinären Kultur- und Forschungs-Projekts »Nullpunkte der Gewalt im Lavanttal 1493 und 1934« (wir berichteten). Gesucht wurden mit der Ausschreibung künstlerische Interventionen bzw. Kommentare zu den »Lobisser Fresken« und dem Kriegerdenkmal in Wolfsberg. »Die (...) Fresken des nationalsozialistischen Künstlers Suitbert Lobisser aus dem Jahr 1930 am sogenannten Haus Kager (Johann-Offner-Straße 28) symbolisieren die vier Jahreszeiten. Zwar wird mit einer Informationstafel auf den Künstler hingewiesen, seine Nazivergangenheit ebenso wie die »Blut-und-Boden«-Ästhetik der Bilder bleibt dabei jedoch unerwähnt«, heißt es online auf der Ausschreibungsseite, einsehbar unter https://www.nullpunkte-lavanttal.at/open-call.

Das Siegerprojekt dieser Ausschreibung ist von Elisabeth Pressl und trägt den Namen »Lobisser entdecken«. Die Idee des Projekts ist, dass über die Fresken Textilbahnen gehängt werden sollen. »Durch die teilweise Verdeckung werden die Fresken aus ihrer Unsichtbarkeit geholt. Denn kaum jemand nimmt die Fresken in der Innenstadt wahr, seien es Besucher oder Bewohner«, so Pressl in ihrer Projektbeschreibung. Durch auffällige, orange-blaue Kennzeichnung, soll das »Augenmerk auf die Fresken gelegt werden, ohne sie zu zelebrieren.« Durch die Installation würde den Fresken zwar eine neue Aufmerksamkeit zu Teil werden, allerdings »können wir diese kritisch ausgestalten. Die Fresken bleiben erhalten, aber wir bemerken, besprechen und bearbeiten dieses Erbe.«

Doch, dass die Realisierung eines Kunstprojekts nicht immer ein einfaches Vorhaben ist, zeigte die Reaktion der Stadtgemeinde.

Das sagt die Stadt dazu
Die Stadt Wolfsberg spricht sich nämlich klar gegen das geplante Kunstprojekt aus. In einer schriftlichen Stellungnahme äußert sich die Stadt dazu wie folgt: »Sowohl im Fall der Lobisser-Fresken als auch beim Kriegerdenkmal in Priel sieht die Stadtpolitik derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf und erteilt entsprechenden Eingriffen eine Absage.« Die Fresken befinden sich an einem Privathaus und »zeigen ausschließlich bäuerliche, alltägliche Motive. Seitens der Stadtgemeinde besteht daher weder eine rechtliche Zuständigkeit noch die Einschätzung, dass von diesen Darstellungen eine problematische Wirkung ausgeht, die ein Einschreiten oder eine Kommentierung im öffentlichen Raum erforderlich machen würde«, so die Stadt Wolfsberg weiter in ihrer Stellungnahme.

Das Kriegerdenkmal
Neben den Lobisser-Fresken wurde im Rahmen des »Open Calls« auch nach künstlerischen Interventionen für das 1956 vom Kameradschaftsbund errichtete Kriegerdenkmal in Priel gesucht. »An der Seite des Denkmals ist unter anderem eine Gedenktafel an das ›Gebirgsjäger Regiment 139‹ der Wehrmacht angebracht, das an einer Reihe von Kriegsverbrechen in Norwegen beteiligt war«, heißt es in der Ausschreibung.

Die Stadt weist in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass es für »Änderungen an offiziellen Darstellungen oder historischen Objekten« einen strukturierten und demokratisch legitimierten Prozess benötigt.« So sei erst vor einem Jahr eine umfassende Sanierung des Denkmals vorgenommen worden. »Sollte in Zukunft erneut eine Renovierung oder Neugestaltung des Kriegerdenkmals notwendig werden, steht die Stadtgemeinde jedoch dafür offen, alle relevanten Beteiligten – darunter eine historische Kommission, Denkmalschutz, das Schwarze Kreuz, der ÖKB sowie auch Container 25 – einzubeziehen, um gemeinsam zu prüfen, welche Anpassungen fachlich sinnvoll, rechtlich möglich und gesellschaftlich tragfähig wären.«

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren